Dorfkirche Hönow

Dorfkirche Hönow. Vierteilige Anlage von Südost
Dorfkirche Hönow. Vierteilige Anlage von Südost.

Uwe Michas vertritt in seiner Schrift: „Die Eroberung und Besiedlung Nordostbrandenburgs“ die Auffassung, dass Hönow in der Zeit der Besiedlung Ostbrandenburgs um eine Turmhügelburg herum entstand, die die Wettiner als äußersten Vorposten ihrer Expansion angelegt hatten. Die Dorfkirche muss ebenfalls in dieser Zeit begründet worden sein. Mit ihrem trutzigen Westturm präsentiert sie sich auf den ersten Blick als vierteilige Anlage in klassisch-spätromanischem Stil. Aus gleichmäßig fünfseitig behauenen und in exakten Lagen geschichteten Feldsteinquadern erheben sich Turm, Schiff, Chor und Apsis. Die unteren Steinlagen ziehen sich völlig gleichartig um den Bau herum und suggerieren eine Baugeschichte „aus einem Guss“.

Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch etliche Unregelmäßigkeiten und Disproportionalitäten, die den ersten Eindruck revidieren: Der Turm nimmt so viel Platz ein, dass er fast quadratisch wirkt, dem gegenüber ist das Schiff extrem kurz, eher quer- als längsrechteckig. Das legt den Schluss nahe, dass ursprünglich überhaupt kein Turm geplant war. Der jetzt bestehende wurde nachträglich auf das Schiff aufgesetzt, wodurch dieses einen erheblichen Teil seiner Länge verlor.

Dorfkirche Hönow. Zugesetzte romanische Fenster in Turm und Schiff. Südseite
Zugesetzte romanische Fenster in der Südwand von Turm und Schiff
Dorfkirche Hönow. Originale Priesterpforte und Rundbogenfenster in der Südwand des Chors.
Originale Priesterpforte und Rundbogenfenster in der Südwand des Chors.
Dorfkirche Hönow. Zugesetzte romanische Fenster in der Nordwand von Chor und Schiff
Zugesetzte romanische Fenster in der Nordwand von Chor und Schiff
Dorfkirche Hönow. Zugesetztes romanisches Fenster in der Nordwand des Schiffs am Übergang zum Turm
Zugesetztes romanisches Fenster in der Nordwand des Schiffs am Übergang zum Turm

Die Reihe der zugesetzten romanischen Fenster setzt sich – wenn auch in anderem Rhythmus – im Turm fort, ebenso wie das ungestörte Mauerwerk des Schiffes auf dem ersten Meter Höhe. Alle Bögen (von Türen, Fenstern, dem Triumphbogen und dem Apsisbogen) sind rundbogig, lediglich der Verbindungsbogen von Turm und Schiff ist spitzbogig. Chor und Schiff sind mit schlanken Rippengewölben versehen, das Turminnere hat eine Balkendecke.

Dorfkirche Hönow. Innenraum mit Rundbögen zum Chor und der Apsis.
Dorfkirche Hönow. Innenraum mit Rundbögen zum Chor und der Apsis. Foto: Reiner Wethekam
Dorfkirche Hönow Spitzbogen zwischen Turm und Schiff
Spitzbogen zwischen Turm und Schiff. Foto: Reiner Wethekam

Baugeschichte

Aus diesem Befund lässt sich auf eine dreiphasige mittelalterliche Baugeschichte schließen. Nach Brand des hölzernen Vorgängers errichtete man die Dorfkirche – zusammen mit der Burg – zuerst als dreiteilige, rein romanische Anlage. Sicher erst nach dem Ende des Teltow-Krieges 1245 ergänzte man sie in einem zweiten Schritt um den Turm, der auf das Langschiff aufgesetzt wurde. Der spitze Verbindungsbogen vom Turm zum Schiff deutet auf diese Bauzeit hin. Die dritte Bauphase zur Zeit der Hochgotik brachte den Einbau der Gewölbe im Chor und dem verkürzten Schiff, sowie die Vollendung des Turms. Die hoch liegenden romanischen Fenster wurden dabei allesamt vermauert und durch tiefer gelegene gotische ersetzt.

Erst im 19 Jh. brach man die jetzigen großen Fenster ein, veränderte die Apsisfenster und baute die westliche Vorhalle an, alles im Stil der Neugotik. Die Priesterpforte an der Südseite des Chors blieb original erhalten, auf derselben Seite kann man in den Außenmauern des Schiffes noch die Spuren des beseitigten Gemeindeportals erkennen, welches heute fälschlich als „Wendenpforte“ bezeichnet wird. Eine Besonderheit ist der “Schachbrettstein” in der Südwestecke des Turmes. Zur Bedeutung dieser Steine gibt es keine Überlieferungen, aber verschiedene Deutungsversuche.

Dorfkirche Hönow Schachbrettstein
Schachbrettstein
Dorfkirche Hönow Schachbrettstein
Nur eine Seite des Steins weist das Schachbrettmuster auf.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt, aber in der Nachkriegszeit gut wiederaufgebaut und nach der Wende restauriert. Die dabei erfolgten umfangreichen dendrochronologischen Untersuchungen an Fensterrahmen und Holzbalken haben wesentlich zur genaueren und gesicherten Datierung der brandenburgischen Dorfkirchen beigetragen.

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