Stadtkirche St. Crucis, Ziesar

Stadtkirche St. Crucis in Ziesar. Blick von Südwest auf den mächtigen Westriegel, Schiff und Querschiff.
Stadtkirche St. Crucis in Ziesar. Blick von Südwest auf Westriegel, Schiff und Querschiff. Links ein Klostergebäude.

In der Ortsmitte, aber etwas abseits von der Hauptstraße liegt St. Crucis, die Stadtkirche von Ziesar. Wie die Stadtkirchen in den anderen beiden Burgorten Belzig und Wiesenburg und die Dorfkirche Wusterwitz ist sie einschiffig, auf kreuzförmigem Grundriss. Dieser nur vier Mal vorkommende Bauplan stellt in Brandenburg eine Besonderheit dar, es scheint, als hätten ihn sich Siedlungen vorbehalten, die von Anfang an nach dem Stadtrecht strebten.

Die Anlage

Schon von weitem fällt die imposante Anlage durch ihren besonders hochragenden Westriegel auf. Sein Mauerwerk zeigt mehrere Bauphasen an, in der ersten scheint er nur die Höhe des Schiffs erreicht zu haben. Die nach oben hin “unordentlicher” werdende Quaderung kehrt im Glockengeschoss zur Akkuratesse des Erdgeschosses zurück, was eigentümlich erscheint, wie auch die zweibogigen Schallöffnungen mit eingestellter Mittelsäule. Das lange Schiff und das breit ausladende Querschiff mit den beiden Nebenapsiden, sowie der Chor und die Apsis mit ihren gotischen Fenstern unterstreichen die Monumentalität des Ganzen. Besonders in den unteren Lagen weist das Gebäude eine saubere Quaderung und eine lagige Anordnung der Steine auf, die auf ein Baudatum um 1220 hindeuten. Außer an der Apsis finden sich nur rundbogige Fenster, was der Kirche ein erstaunlich “stilreines” Erscheinungsbild verleiht.

Unstimmigkeiten

Beim Umrunden des Gebäudes und genaueren Betrachten fallen allerdings etliche Unstimmigkeiten auf: So umzieht ein aus Ziegeln gemauerter Kreuzbogenfries die gesamte Kirche unterhalb der Dachtraufe. Im Bereich der Backsteinromanik ist das ein gewohntes Schmuckelement, an Feldsteinkirchen kommt es aber nirgendwo vor. In den Südgiebel des Querschiffs sind romanische Schmuckelemente aus Sandstein eingelassen und in den doppelbogigen Klangarkaden des Turmes stehen ebenfalls Sandsteinsäulen. Dieses Baumaterial hätte man über mehr als 100 km von jenseits der Elbe herbeischaffen müssen. Und da das Hauptkennzeichen der brandenburgischen Feldsteinkirchen die absolute Schmucklosigkeit ist, entstehen Zweifel an der Echtheit dieser Ornamente.

St. Crucis Staffelung. Gut erkennbar die späten Doppelarkaden in den Schallöffnungen des Turms.
St. Crucis Staffelung. Gut erkennbar die späten Doppelarkaden in den Schallöffnungen des Turms.
Langschiff Südwand
Langschiff Südwand

Neoromanische Veränderungen

Tatsächlich entstammt alles einer 1860-62 vorgenommenen purifizierenden Restaurierung der Kirche durch den Architekten Werner, dem wir in der Dorfkirche Boecke nochmals begegnen werden. Er vergrößerte bei dieser Gelegenheit die Fenster im romanischen Stil und griff damit erheblich in das mittelalterliche Gefüge des Mauerwerks ein. Angesichts des relativ frühen Zeitpunkts seiner Restaurierung muss es sich bei ihm um einen Pionier der Neo-Romanik gehandelt haben, denn diese wird erst ab der 1880er Jahre ein Kennzeichen des neu gegründeten Deutschen Reichs.

Die verfälschenden Eingriffe machen eine Beurteilung der Kirche schwer, zumal sie sich auch aufs Innere des Gebäudes erstrecken. Am besten wirkt das Gebäude von Westen, wo außer der kleinen neoromanischen Eingangshalle mit ihren zwei romanischen Säulchen alles original ist. Der mächtige Westturm offenbart durch einen waagerechten Absatz, dass er noch im Mittelalter um mehr als ein Drittel aufgestockt wurde, bevor Architekt Werner das Glockengeschoss aufsetzte. In das Mauerwerk des Querschiffs vom Anfang des 13. Jahrhunderts setzte man in der Gotik ein Spitzbogenportal ein.

Portal Querschiff Nordseite
Portal, Querschiff Nordseite

Am Chor sieht man deutliche Spuren spätmittelalterlicher Veränderungen: Oberhalb eines Sockels von regelmäßigen, kleinen Quadern aus der Gründungszeit sind klobige ungequaderte Feldsteine unregelmäßig verbaut. In der Apsis befinden sich oberhalb eines ähnlichen Sockels drei in Ziegeln ausgeführte spitzbogige Fenster, das mittlere davon vermauert. Das ganze Befund weist auf eine schwere Beschädigung von Chor und Apsis und eine nachlässige Reparatur in der späten Gotik hin.

Apsis, Chor und Südliche Nebenapsis
Apsis, Chor und Südliche Nebenapsis
Nebenapsis am nördlichen Querschiff
Nebenapsis am nördlichen Querschiff

Inneres

Das Innere wirkt klassizistisch-kühl mit seinen Holz-Tonnengewölben und der neoromanischen Ausstattung wie Radleuchter und Querschiffemporen. Durch das Fehlen eines Bogens vor dem Querschiff ergibt sich eine nur unvollkommene Vierung mit Triumphbogen und den beiden Querschiffbögen. Sehr schön ist der 1383 gefertigte hochgotische Grabstein zweier Ritter von Kothe mit einer Ritzzeichnung der Verstorbenen in Ritterrüstung. Er diente viele Jahre als Altartisch und ist jetzt im südlichen Querschiff aufgestellt.

Kloster

Westturm mit Übergang zum Klostergebäude
Westturm mit Übergang zum Klostergebäude

Vor der Kirche befindet sich das erstmals 1226 belegte Franziskanerkloster, das die bereits zuvor erbaute Kirche mitbenutzte. Die Mönche zogen jedoch schon nach wenigen Jahren nach Brandenburg an der Havel um. Etwa 1330 kamen dann Franziskanerinnen und erbauten das jetzt noch bestehende Gebäude im Westen der Kirche. Auch sie benutzten St. Crucis als Klosterkirche und nahmen am Gottesdienst auf der Nonnenempore im Westen des Gebäudes teil, die durch einen Gang oberhalb der heutigen Vorhalle mit dem Kloster verbunden war.

Infobox


Adresse

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Offizielle Website

keine


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