Dorfkirche Wusterwitz

Dorfkirche Wusterwitz. Kreuzförmiger Aufbau mit Apsis, Chor, Querschiff, Langschiff und Westriegel.
Dorfkirche Wusterwitz. Kreuzförmiger Aufbau mit Apsis, Chor, Querschiff mit Nebenapsis, Langschiff und Westriegel.

Die Besiedlung von Wusterwitz erfolgte nicht durch Albrecht den Bären, sondern durch Wichmann, den Erzbischof von Magdeburg. Aus einer erhaltenen Urkunde des Erzbistums von 1159 zur Gründung von Wusterwitz kann man viel über die allgemeinen Umstände der Besiedlung erfahren:

… Ich, Wichmann habe jenes Dorf nahe der Havel, welches Wosterwice genannt wird dem Flamländer Heinrich und seinen Leuten zum Lehen gegeben mit allem Zubehör, mit Äckern, mit Wäldern, mit Wiesen, Weiden und Gewässern und deren Ableitungen mit Sümpfen und Fischereien … Auch habe ich demselben Heinrich vier Hufen und ein Talent dort als erbliches Lehen überlassen, eine Hufe aber habe ich einer dort mit göttlicher Hilfe zu erbauenden Kirche gleichsam zur Ausstattung gegeben …

Die Urkunde bestätigt dem aus Flandern stammenden Lokator Heinrich den Besitz des Dorfes Wusterwitz, das er im Auftrage des Erzbischofs an seine Leute verteilen möge. Die hervorgehobene Stellung des Lokators wird aus der größeren Zuteilung von Land sowie einer Zahlung von Bargeld ersichtlich. Er ist auch berechtigt, sein Land weiter zu vererben, was ihn in den Stand des niederen Adels erhebt.

Bevorzugung der Ostsiedler

Die Bevorzugung der übrigen Ostsiedler wird daraus ersichtlich, dass sie alle Rechte auf ihr Land selbst besitzen (mit Äckern…und Fischereien). Sie müssen sich nicht mit Grundbesitzern, Adligen und Klerikern um Sonderkonditionen auseinandersetzen. Ebenfalls wird ersichtlich, dass die Etablierung einer Pfarrgemeinde mit zum Siedlungsplan gehörte, denn ein Anteil am Grundbesitz dient zur Ausstattung der Kirche.

Das Austellungsdatum des Dokuments (1159) impliziert nicht gleich den Baubeginn der Kirche. Die Bewohner hatten in der Besiedlungsphase gar nicht die Zeit für einen aufwändigen Kirchenbau. Wie viele archäologische Befunde von Vorgängerbauten aus Holz unter steinernen Dorfkirchen bezeugen, wurde wohl zuerst ein provisorisches hölzernes Kirchengebäude errichtet. Dieses riss man dann, nach Beginn eines Steinbaus ein oder zwei Generationen später, Stück für Stück ab. So kann man für die Wusterwitzer Kirche eine Bauzeit kurz vor oder um 1200 annehmen.

Bauliche Besonderheiten

Der Bau weist für eine Dorfkirche mehrere Besonderheiten auf: Er ist ungewöhnlich groß und besitzt ein Querschiff. Beim Vergleich mit anderen kreuzförmigen Kirchen (Belzig, Wiesenburg, Ziesar) wird deutlich, dass diese aufwändigeren Bauten für größere Orte gedacht waren, die sich einmal zu Städten entwickeln sollten. Da Wusterwitz an der Straße von Magdeburg nach Brandenburg lag, kann man annehmen, dass der Gründer optimistisch in die Zukunft blickte. Er konnte noch nicht wissen, dass diese Straße später einmal verlegt werden sollte und Wusterwitz dann abseits der Verkehrsroute liegen würde.

Dorfkirche Wusterwitz. Anlage von Nodwest.
Dorfkirche Wusterwitz. Anlage von Nodwest.

Der erhöhte Aufwand für den Bau der Kirche wird auch aus der überaus sorgfältigen Bearbeitung der Feldsteine ersichtlich. Der Bau hat die Form eines Kreuzes mit rechteckigem Chorraum, einer halbkreisförmigen Apsis und zwei Nebenapsiden in den Querschiffarmen. An der Westseite gibt es einen niedrigen, seitlich etwas vorspringenden Turm, analog zu den beiden hohen in Belzig und Ziesar. Die Fenster wurden – wie fast überall – später vergrößert, doch blieben einige Originalöffnungen und die vermauerte Priesterpforte erhalten.

Dorfkirche Wusterwitz Westriegel
Westriegel
Dorfkirche Wusterwitz Westportal
Mit Ziegeln ausgebessertes Westportal
Südseite des Querschiffs mit Schmuckelementen aus Backstein.
Südseite des Querschiffs mit Ausbesserungen in Backstein.
Pforte in der Südseite des Querschiffs.
Pforte in der Südseite des Querschiffs.
Dorfkirche Wusterwitz Nebenapsis und Priesterpforte Südseite. Schmuckelemente aus Backstein.
Nebenapsis und Priesterpforte Südseite. Reparaturen in Backstein.
Dorfkirche Wusterwitz Hauptapsis
Hauptapsis mit zwei originalen und beseitigtem Mittelfenster (erkennbar an der Störung des Mauerwerks).
Blick von Südost auf Apsis, Chor, Querschiff und Nebenapsis
Blick von Südost auf Apsis, Chor, Querschiff und Nebenapsis
Blick von Nordost auf Apsis, Chor, Querschiff und Nebenapsis
Blick von Nordost auf Apsis, Chor, Querschiff und Nebenapsis

Innenraum

Bemerkenswert im Innern ist die gut erhaltene spätgotische Deckenbemalung des Chorraums aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass der Dachstuhl zum Teil bereits aus dem 12. Jahrhundert stammt und der Glockenstuhl aus dem 13. Jahrhundert. Im Kirchturm hängen 3 Bronzeglocken, von denen die älteste mit reichhaltigem Reliefschmuck um ca. 1350 von Meister Johannes von Halberstadt gegossen wurde. Der gotische achteckige Taufstein aus Sandstein ist aus dem 15. Jahrhundert.

Dorfkirche Wusterwitz Chor und Apsis mit romanischen Fenstern und Chorbogen.
Chor und Apsis mit romanischen Fenstern und Apsisbogen.

Weitere romanische Dorfkirchen in der Umgebung

Ganz in der Nähe von Wusterwitz befinden sich in Warchau und Gollwitz zwei weitere Feldsteinkirchen aus der Zeit um 1200. Ihr Mauerwerk weist – anders als in Wusterwitz – die für die Frühphase typische unregelmäßige Bearbeitung des  Feldsteins auf. Es handelt sich um dreiteilige Anlagen mit später aufgesetztem Fachwerk-Dachreiter im Westen. Sie tragen viele Spuren lang zurückliegender Zerstörungen und Veränderungen. Zur Zeit der Gotik errichtete man z. B. in Warchau auf der Nordseite ein stattliches Gemeindeportal und mauerte das urprüngliche westliche zu, auch die Fenster wurden überformt – alles in Backstein. Der Fachwerk-Chorgiebel von Gollwitz deutet auf einen Wiederaufbau nach Einsturz und leider sind alle Fensteröffnungen stark entstellend verändert worden. Aber das Gemeindeportal ist original und die Priesterpforte vermauert erhalten, auch finden sich in der Apsis Spuren romanischer Fenster. Leider ist der aktuelle Zustand der idyllisch auf den ummauerten Kirchhöfen gelegenen, schönen Bauwerke desolat.

Dorfkirche Warchau. Ansicht von Nordwest.
Dorfkirche Warchau. Ansicht von Nordwest.
Dorfkirche Gollwitz. Ansicht von Südost.
Dorfkirche Gollwitz. Ansicht von Südost.

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