Dorfkirche Lindena

Dorfkirche Lindena Staffelung von Südost
Dorfkirche Lindena: Staffelung der Basilika von Südost, Sockel aus Raseneisenstein.

Wie schon bei der Dorfkirche Riedebeck handelt es sich auch in Lindena um ein ganz besonders wertvolles Exemplar einer spätromanischen Dorfkirche. Ihre Besonderheit liegt in der engen Verbindung zum Kloster Dobrilugk, zu dessen Besitz sie gehörte und von dessen Architektur sie stark beeinflusst wurde. Dafür sprechen die Verwendung von Backstein als Baumaterial, die Mehrschiffigkeit und die Schmuckformen an der Apsis. Begonnen wurde der Bau jedoch in Naturstein: der gesamte Bau (Querturm, Schiff mit Seitenschiffen, Chor und Apsis) besteht in den unteren Lagen aus Raseneisenstein, nach knapp einem Meter Höhe wechselt das Baumaterial dann zu Ziegelsteinen im Klosterformat, die sicherlich aus der Bauhütte des Klosters stammen.

Dorfkirche Lindena. Ansicht von Norden.
Ansicht von Norden, originales Seitenschiff, zwei Obergadenfenster sowie große Partien des Baus aus Raseneisenstein.

Lindena ist – eine große Seltenheit bei Dorfkirchen – eine Basilika. Abweichend vom Kanon der vierteiligen Anlage, dem sie ansonsten aber folgt, sind hier am Kirchenschiff zwei niedrige Seitenschiffe angebaut, die sich im Innern mit spitzbogigen Arkaden zum Schiff öffnen und es somit dreischiffig machen.

Innenraum

Das Innere ist komplett mit Gewölben versehen, ebenfalls eine Rarität bei brandenburgischen Dorfkirchen: ein Kalottengewölbe über der Apsis, ein Kreuzrippengewölbe über dem Chor, zwei Kreuzrippengewölbe im Hauptschiff, denen jeweils vier kleine kuppelige Kreuzgewölbe in den Seitenschiffen entsprechen. Diese Anordnung folgt – wie in Dobrilugk – ungefähr dem gebundenen System des Gewölbebaus, wo einem Gewölbequadrat des Hauptschiffs zwei halb so große des Seitenschiffs entsprechen.

Dorfkirche Lindena Innenansicht
Innenansicht mit spitzem Triumphbogen und spitzbogigen Arkaden zum Seitenschiff.

Das Gewölbe der Apsis wurde 1897 neu ausgemalt, im nördlichen Apsisfenster hat sich dagegen noch ein frühgotisches, bemaltes Glasfenster erhalten. Aus der Bauzeit der Kirche stammt auch der Altar, während sein Aufsatz mit der Darstellung der 14 Norhelfer in die Zeit der Späzgotik gehört. Der Turm hat keinen separaten Eingang, er öffnet sich mit einem großen Bogen zum Mittelschiff und besitzt ein spätgotisches Zellengewölbe.

Romanische Stilelemente

Die Eingänge liegen auf der Südseite, eine Gemeindepforte ins Schiff und eine jetzt durch die Vorhalle verdeckte Priesterpforte in den Chor. Beide Türen haben noch ihre originalen Türbeschläge. Auf der Südseite sind korbbogige Barockfenster in die Wände von Schiff und Chor gebrochen, während auf der Nordseite im Haupt und Seitenschiff noch die originalen romanischen Fenster zu erkennen sind. Ein Hauptschiffsfenster ist vermauert. Auch die Apsis bewahrt ihre drei originalen Fenster. Dazu kommt noch ein sehr schöner romanischer Rundbogenfries unter dem Dachansatz der Apsis, der sicherlich von der Bauhütte in Doberlug beeinflusst ist.

Das Glockengeschoss des Turms stammt erst aus späterer, gotischer Zeit. Dies ist deutlich an den großen gotischen Schallöffnungen und den Ziergiebeln an den Schmalseiten erkennbar. Aufgrund des Backsteinmaterials und der stilistischen Befunde wie gleichzeitige Rund- und Spitzbögen kann man die Kirche von Lindena in die Zeit nach der Vollendung der Klosterkirche 1230 – 1250 datieren.

Raseneisenstein

Der Raseneisenstein in den unteren Lagen des Baumaterials der Kirche ist besonders mürbe, was für einen geringen Eisengehalt spricht. Im Rahmen eines Modellprojekts versuchte man, dem Hauptmangel dieses Baumaterials beizukommen und zwar durch dauerhafte Stabilisierung mit chemischen Hilfsmitteln. Steinfestiger und wasserabweisende Substanzen sollten in das Material eingebracht werden, zunächst mit wenig Erfolg. Erst als man das Ganze durch bessere Tränkung der Steine (Fluten, Infusions- oder Mehrfachtränkung) wesentlich aufwändiger durchführte, erzielte man befriedigendere Ergebnisse. Parallel zu diesen Untersuchungen forschte man auch nach Ersatzmaterialien. Dabei entdeckte man eine noch nicht ausgebeutete Grube mit umfangreichem Vorkommen von Raseneisenstein, außerdem wurde in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma ein künstliches Steinersatzmaterial entwickelt.

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Evangelische Zisterzienserklosterkirche Doberlug: Kirche Lindena