Kloster Lehnin

Klosterkirche Lehnin. Apsis, Chor und Querschiff
Klosterkirche Lehnin. Apsis, Chor und Querschiff

Gründung

Anno 1180, 10 Jahre nach dem Tod Albrechts des Bären, gründete sein Sohn Otto I. im Zuge der Konsolidierung des Landesausbaus von Brandenburg das Zisterzienserkloster Lehnin, welches auch als Familiengrablege der Markgrafen von Brandenburg dienen sollte. Das Kloster war eine Filiale von Morimond in Burgund, einem der fünf zisterziensischen Ursprungsklöster in Frankreich. Die ersten Mönche, einschließlich des Abtes Sibold, kamen aus dem Kloster Sittichenbach bei Eisleben. Als Ort der Niederlassung wählten sie vermutlich ein altes slawisches Heiligtum in der Zauche, zwischen Beelitz und Brandenburg. Die Existenz eines jetzt versteinerten Eichenstamms im Chorfußboden der Kirche und einige Details der Gründungslegende des Klosters deuten auf den slawischen Ursprung hin.

Ziegel als Baumaterial

Klosterkirche und Kreuzgang des Kapitelsaals
Klosterkirche, Kreuzganghof und Ostgalerie.

Die Aufgabe der Mönche lag nicht nur im religiösen Bereich. Sie widmeten sich auch der Entwicklung und Erschließung des Landes, besonders den Gebieten von Landwirtschaft und Handel. Da das Kloster unter dem Patronat des Landesherrn stand, wurde hier wesentlich aufwändiger gebaut, als bei anderen Bauwerken Brandenburgs. Von Anfang an wandte man die Ziegelbauweise an, wie auch schon beim Dom zu Brandenburg an der Havel und bei St. Nikolai und der Kirche in Plaue bei Brandenburg. Die Ziegel kamen aus Tongruben ganz in der Nähe und wurden auch für andere Bauten in der Umgebung verwendet (evtl. Bardenitz, Pechüle und Treuenbrietzen).

Geschichtliche Persönlichkeiten

In der Geschichte von Lehnin findet man endlich einmal – selten genug in Brandenburg – Namen und Lebensdaten von Personen, die zur Zeit der Ostkolonisation lebten: Anlass zur Gründung des Kloster war angeblich ein Traum des Markgrafen Otto I. auf der Ruhe nach einem Jagdausflug. Er schlief im Wald unter einem Baum, an den er seine Waffen gehängt hatte und bekam dabei die Eingebung, das Kloster zu gründen. Der Stumpf des Baumes ist – mittlerweile petrifiziert – im Chor der Klosterkirche heute noch zu sehen.

Der schon erwähnte erste Abt Sibold soll um 1190 von den Wenden erschlagen worden sein. Von diesem Ereignis berichten zwei sich im Klosterbesitz befindliche naive Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts, die allerdings keine einleuchtenden Gründe für den Mord angeben. Da liegt es schon nahe, eine Indizienkette zwischen der Klostergründung und der Bluttat herzustellen: Möglicherweise handelte es sich bei dem Baum im Chor der Klosterkirche – analog zur den Germanen heiligen Donar-Eiche, die der Friesenapostel Bonifatius einfach fällte und wofür er später mit seinem Leben bezahlte – um einen den Slawen heiligen Ort. Als ihn die Usurpatoren später – gleichsam als Trophäe – in den Chor von Sibolds Klosterkirche integrierten, könnte das durchaus den Hass erklären, der zum Totschlag an Sibold führte.

Ermordung des Abtes Sibold. Ausschnitt des in der Klosterkirche befindlichen Bildes aus dem 16. Jh. Unbekannter Künstler, gemeinfrei.

Als weitere zeitgenössische Persönlichkeit wird in einer Urkunde von 1260 der Baumeister (magister operis) Konrad benannt, der dadurch der erste namentlich bekannte Architekt Brandenburgs sein dürfte.

Baugeschichte

Die Bauzeit der Klosterkirche erstreckte sich von ca. 1185 bis 1250. Nach anfänglicher Errichtung einfacher Holzbauten vollendete man noch in spätromanischer Zeit den Bau der sehr stattlichen Klosterkirche und Teile der Klausur, während die übrigen Gebäude der ausgedehnten Klosteranlage in die Zeit der Gotik fallen. Den Bauablauf der Kirche kann man innen und außen noch gut ablesen: Eine in rein romanischem Stil geplante niedrige Basilika mit vermutlich flacher Decke wie in Jerichow und Brandenburg wurde nach Fertigstellung der ersten Etage der Ostteile in einen hohen, spätromanischen Gewölbebau überführt.

Apsis mit zwei Etagen
Apsis mit zwei Etagen sowie Kreuz- und Rundbogenfriesen

Der Planwechsel wird an der Apsis offenbar, wo über der ersten fünffenstrigen Etage ein abschließender Kreuzbogenfries zu sehen ist. Über ihm erhebt sich nun eine zweite Etage, ebenfalls mit fünf Fenstern und einem weiteren Kreuzbogenfries. Die eindrucksvolle doppelte Fensterreihe kommt – offensichtlich inspiriert von Lehnin – auch an der Marienkirche von Treuenbrietzen vor, hier allerdings in Feldsteinbauweise. Rechts und links der Apsis sind anstelle von Nebenchören zwei quadratische Kapellen angebaut.

Übergang zum gotischen Baustil

Nach Vollendung der Ostteile und des Querschiffs näherte man sich beim Bau des Schiffes schrittweise dem gotischen Stil an. Steht man im Innern des Kreuzganggevierts, kann man die Stilwechsel am Schmuckfries unter dem Dach des Hauptschiffes ablesen, auch wenn der heutige Zustand nicht ganz dem Original entspricht. Da das Schiff von Anfang an mit Gewölben geplant war, sind die Fenster im Obergaden zu Zweiergruppen zusammengefasst, um Platz für die Gewölbedienste zwischen den einzelnen Jochen zu lassen. Das erste Fensterpaar von Osten hat noch romanische Rundbögen, während die folgenden Fenster und Blenden spitzbogig sind. Diese Lösung findet sich auch bei den beiden Stadtkirchen von Jüterbog, was ein weiterer Hinweis auf die Ausstrahlung der Bauideen von Lehnin in die Nachbarschaft ist.

Stilübergang Romanik - Gotik am Obergaden des Schiffs der Klosterkirche
Stilübergang Romanik – Gotik am Obergaden des Schiffs der Klosterkirche

Das sehr lang wirkende Hauptschiff war früher in zwei Bereiche geteilt: Die drei westlichen Joche für die Konversen (Laienmönche) und die folgenden zwei plus der Vierung für die geweihten Mönche. Die Größe des westlichen Teils lässt auf eine große Anzahl von Konversen schließen. Sie erledigten die umfangreiche Handarbeit in Landwirtschaft und Handel, während sich die geweihten Mönche vorwiegend der Theologie widmeten. Der zisterziensischen Bautradition entsprechend blieb die Westfassade turmlos, lediglich die Vierung erhielt einen kleinen (jetzt erneuerten) Dachreiter.

Kornspeicher

Kornhaus, ehemaliger Getreidespeicher
Kornhaus, ehemaliger Getreidespeicher. Von Membeth – Eigenes Werk, CC0

Zeugnis für den wachsenden Reichtum des Klosters durch anwachsenden Grundbesitz und steigende landwirtschaftliche Produktion ist der riesige Kornspeicher aus dem 14. Jahrhundert. Damit einhergehend kam es allerdings zusehends zur Vernachlässigung der zisterziensischen Ideale von asketischer Einfachheit und Strenge. Deshalb bekam die Klosterkirche zum Ende des 13. Jh. eine westliche Schaufassade, die zweifellos die noch eindrucksvollere des Klosters Chorin, einer Tochtergründung von Lehnin, beeinflusst hat.

Innenraum

Langhaus Blick nach Osten
Langhaus. Blick nach Osten. Von Clemensfranz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Das langgestreckte Innere macht einen einheitlichen, von der Romanik bestimmten, großartigen Eindruck, der vom Stilwechsel hin zur Frühgotik und durch die erkennbaren Spuren des Wiederaufbaus überhaupt nicht beeinträchtigt wird. Allerdings unterteilte im Mittelalter eine Chorschranke (Lettner) das Schiff, wodurch der Eindruck solch großer Länge damals nicht aufkam. Die Bögen der Langhausarkaden, ebenso wie die Fenster, spitzen sich in Richtung Westen allmählich zu und die westliche Fensterfront erscheint vollends gotisch.

Romanischer Ostteil

Der gesamte Ostteil zeigt dagegen klare romanische Formen und spätromanische Gewölbe. In einer der drei Stufen zum dadurch erhöhten Chor ist nach wie vor der versteinerte Baumstumpf aus der Entstehungszeit zu sehen, auf den sich die Gründungslegende bezieht. Romanisch ist ebenso der gemauerte Altarblock in der durch drei weitere Stufen erhöhten Apsis. Die rechts und links des Chors liegenden Chorseitenkapellen öffnen sich in ihrem Obergeschoss emporenartig zum Chor, während die Untergeschosse als Nebenchöre dienen.

Ausstattung

Die reichhaltigen Ausstattungsstücke der Klosterkirche wurden mit der Auflassung des Klosters zur Zeit der Reformation entfernt, so befindet sich z. B. der Lehniner Altaraufsatz jetzt im Dom zu Brandenburg. Der seit 1948 hier aufgestellte spätgotische Flügelaltar ist eine Leihgabe des Domstifts Brandenburg, wogegen das vom Triumphbogen herunterhängende romanische Triumphkreuz (von dem nur die Christusfigur alt ist) nach dem Wiederaufbau Ende des 19. Jh. an diese Stelle kam.

Flügelaltar
Flügelaltar. Von Membeth – Eigenes Werk, CC0

Grablege der Askanier

Markgraf Otto VI. von Askanien beschloss sein Leben als Mönch in Lehnin. Da bei den Askaniern alle männlichen Nachkommen erbberechtigt waren, trat nach dem Tod seines Vaters Otto III. 1267 die Situation ein, dass es sechs (!) gleichberechtigte Prätendenten als Markgraf gab. Die Tatsache, dass er als zuletzt Geborener (daher sein Beiname Otto „der Kleine“) ganz am Ende dieser Hierarchie stand, mag der Anlass gewesen sein, nach der Heirat mit der Habsburgerin Hedwig auf den Markgrafentitel zu verzichten. 1290, nach dem Tode Hedwigs, trat er zunächst in den Templerorden ein, wechselte dann aber als Akolyth (Priester mit – wegen fehlenden Theologiestudiums – niederer Weihe) zu den Zisterziensern nach Lehnin, wo er 1303 starb. Die dürre Quellenlage verhindert, seine Karriere im Kloster nachzuverfolgen, doch hat sich sein Epitaph bis heute erhalten.

Der senkrecht an der Wand aufgestellte Grabstein zeugt noch von der einstigen Grablege der Askanier, die Markgraf Otto I. zusammen mit dem Kloster hier geschaffen hatte. Der Gründer der Dynastie, Albrecht der Bär, war an seinem Stammsitz Ballenstedt am Harz in einem Kloster beigesetzt worden, das man später zum Schloss Ballenstedt ausbaute. Hier kann man noch heute das Grab dieses für die Entwicklung der Mark Brandenburg so bedeutsamen Herrschers besuchen. Es wurde allerdings in der NS-Zeit durch die SS umgestaltet, die in Albrecht, wie auch in Heinrich dem Löwen, einen ihrer Vorreiter auf dem Zug gen Osten sah. Das Epitaph Ottos VI. ist leider die einzige Erinnerung an die Askanier in Lehnin, alle anderen Grabplatten sind verschwunden. Sieben Markgrafen waren hier bestattet worden, bis die Bedeutung der Lehniner Grablege schwand, weil für für die johannische Linie der Askanier eine weitere in der Klosterkirche Chorin entstanden war. Mit dem Aufstreben Berlins unter den Hohenzollern wurde eine ganz neue Grablege in der so genannten Domkirche angelegt, dem ehemaligen Dominikanerkloster. Hierhin kamen Hohenzollern-Särge aus den beiden märkischen Klöstern (darunter drei aus Lehnin), diejenigen der Askanier gingen aber verloren. Heute befindet sich die Hohenzollern-Grablege im Berliner Dom.

Klausurbauten

Südlich an die Klosterkirche schlossen sich die Gebäude der Klausur an. Aus romanischer Zeit hat sich nur der Ostflügel mit allerdings bedeutenden Klausurbauten erhalten: Der östliche Kreuzgangflügel mit der direkt an die Kirche angrenzenden und durch das südliche Querschiff erreichbaren Sakristei, dann das armarium, das die berühmte und heute verschwundene Bücherei der Abtei beherbergte und von der noch zwei rundbogige Nischen zur Aufbewahrung der Bücher zu sehen sind und schließlich der dreischiffige Kapitelsaal mit spitzbogigem Portal und Kreuzgewölben.

Kapitelsaal

Der Kapitelsaal war traditionell einer der wichtigsten und repräsentativsten Räume einer Abtei. Hier versammelten sich die Kleriker zur täglichen geistlichen Lesung (z.B. jeweils eines Kapitels der Ordensregel oder der Kirchenväter – daher der Name Kapitelsaal). Auch geistliche Ansprachen der Oberen, die Beratung von Angelegenheiten der Gemeinschaft wie die Schlichtung von Streitfällen und Verhängung von Strafen, die Einteilung der klösterlichen Arbeiten und die Verwaltung der Geldmittel fanden hier statt, ebenso wie die Wahl eines neuen Abtes und die Aufnahme von Kandidaten. Im Ostflügel lag auch der Eingang zur Klausur. Im – heute modernen – Westflügel waren die Konversen untergebracht, streng getrennt von den geistlichen Mönchen. Der Keller dieses Gebäudes birgt noch eindrucksvolle romanische Kreuzgewölbe.

Ehemaliger Kapitelsaal, heute Cecilienhaus
Heutiges Cecilienhaus, 19. Jh. mit Portal zum romanischen Kapitelsaal
Kreuzgang des Kapitelsaals
Ostgalerie des Kreuzgangs mit Portal des Kapitelsaals

Nach der Reformation

Nach der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, die Baulichkeiten fielen an den Landesherrn, der es in eine landwirtschaftliche Domäne umwandelte und ein Jagdschloss in den Klostergebäuden einrichtete. Die Kirche war für die kleine protestantische Gemeinde der Ortschaft Lehnin viel zu groß, deshalb teilte man sie sich mit den Calvinisten, zu denen auch der Kurfürst zählte. Die vom Kurfürsten gewünschte Zuwanderung der aus Glaubensgründen aus Frankreich vertriebenen Hugenotten hatte eine starke Vergrößerung der calvinistischen Gemeinde auch in Lehnin zur Folge.

Eine Zwischenwand auf der Höhe des Lettners (im zweiten Joch von Osten) machte aus einem Gebäude zwei. Die Protestanten benutzten den westlichen, die Calvinisten den östlichen Teil für ihre Gottesdienste. Geld für die Unterhaltung des Riesenbaus war kaum vorhanden. So brach man die nicht mehr benötigten Seitenschiffe ab, was zur Folge hatte, dass zwei Langhausgewölbe, die nun kein Widerlager mehr hatten, einstürzten und durch eine flache Decke ersetzt wurden.

Nach der Union der Calvinisten mit den Protestanten gab man die Nutzung des westlichen Bereichs der Kirche auf und dieser geriet nun schnell in Verfall, wobei die Gewölbe und auch ein Teil der Langhausmauern einstürzten. Zudem verzichtete der Kurfürst auf die weitere Nutzung der ehemaligen Klausur des Klosters als Schloss und ließ es zu, dass die zunehmend ruinösen Gebäude als Steinbruch dienten. Dabei wurden die beiden Kapellen rechts und links der Apsis und weitere Teile der Abtei abgerissen, die verwendungsfähigen Klostergebäude dienten nun als Sitz des Domänenamtes Lehnin.

Restauration im 19. Jahrhundert

Südseite des Kirchenschiffs
Südseite des Kirchenschiffs

In diesem Zustand kam die Klosteranlage – am Ende im Besitz eines privaten Eigentümers – ins 19. Jahrhundert, in dem das Interesse am Mittelalter erwachte und sich die Ideen des kulturellen Erbes und des Denkmalschutzes zu entwickeln begannen. Hier in Lehnin wurde zum ersten Mal ein Gebäude nach den noch heute gültigen Regeln des Denkmalschutzes restauriert und das führte zu dem überaus erfreulichen Erscheinungsbild, das die Klosterkirche heute bietet: Ganz im Stile der Erbauungszeit, ohne pseudoromanische Zutaten, in den alten Proportionen und unter Verwendung authentischen Baumaterials. Ein evangelisches Krankenhaus zog in die Klostermauern ein und verbreitet heute noch den Geist christlicher Nächstenliebe, während die erhaltenen mittelalterlichen Gebäude restauriert und behutsam an eine neue Nutzung angepasst wurden.

Klosterkirche Schiff Südseite und Westwand
Klosterkirche. Schiff von Süden und Westfassade
Klosterkirche. Anlage von Nordwest aufgenommen
Klosterkirche. Fassade von Nordwesten

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Gemeinde Kloster Lehnin

Evangelische St. Marien-Klosterkirchengemeinde Lehnin