Templerroute: Lietzen, Neuentempel, Marxdorf, Tempelberg + Falkenhagen und Herzfelde

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Die hier beschriebenen Orte im Oderland liegen etwas abseits der nordöstlichen Romanikroute, deshalb empfehlen wir einen eigenständigen Ausflug auf den Spuren der Templer. Man könnte ihn in Berlin beginnen, mit Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde und sich dann über den Berliner Ring und die B 1 / B 5 Richtung Müncheberg ins Templerland begeben. Oder im Falle eines kürzeren Ausflugs direkt über die B 1 / B 5 dorthin. (Auf dem Rückweg empfiehlt sich ein Stopp in Herzfelde, ebenfalls an dieser Straße). In jedem Fall sollte man mit der Komturei Lietzen anfangen, die das Zentrum dieser Templer-Route darstellt. Zur Einstimmung in die Thematik der Ritterorden schildern wir den historischen Hintergrund ein wenig ausführlicher.

Ritterorden

Im Umkreis des Ortes Lietzen im Oderland liegen die Dörfer Tempelberg und Neuentempel. Ihre Namen, wie auch die Bezeichnung Tempelhof für einen Ortsteil Berlins, verweisen auf den Orden der Tempelritter, der selbst im damals recht abgelegenen Brandenburg seine Spuren hinterlassen hat.

Ritterorden waren ein höchst bemerkenswertes Konstrukt in der Gesellschaft des Mittelalters, nämlich die Verbindung von Mönch- und Rittertum, zwei total gegensätzlichen Prinzipien. Da war zum einen das gottgeweihte, friedliche und ehelose (lat. monacus) Zusammenleben in Abgeschiedenheit (lat. claustrum) von der profanen Welt, woraus sich die Begriffe Mönch und Kloster entwickelt haben. Und zum anderen die Fixierung auf Waffendienst und Kampf bei den Rittern, einer tragenden Säule der mittelalterlichen Gesellschaft. Während aber das Rittertum eine reine Männerangelegenheit war, existierten im Bereich der Klöster auch weibliche Gemeinschaften (Nonnenkonvente).

Ritterstand und Kreuzfahrer

Solch ein komplexes Unterfangen wie die Kreuzzüge konnte überhaupt nur vom Ritterstand bewältigt werden, der als einziger über die Ressourcen dazu verfügte. Das waren unter anderem Pferde als Transportmittel für die weite Reise, finanzielle Mittel für Überfahrten, Proviant und Dienstleute (die die Ritter aus ihren Lehen in der Heimat rekrutierten) und die entsprechende Kampfkraft für die notwendigen militärischen Operationen. Die Ritter stellten ein Moment der Ordnung in den mangelhaft organisierten Haufen der Kreuzfahrer dar. In Palästina lebten sie zunächst in einer reinen Männergesellschaft, da sich Kontakte mit „ungläubigen“ Frauen von vornherein ausschlossen. Nach Abschluss der Eroberung des „Heiligen Landes“ wurden dort mehrere Kreuzfahrerstaaten gegründet (darunter das Königreich Jerusalem), die auf den ständigen Nachzug weiterer Ritter angewiesen waren um sich in den anhaltenden Auseinandersetzungen mit den Muslimen behaupten zu können.

Belagerung Jerusalems. Spätmittelalterliche Buchillustration. Autor unbekannt, gemeinfrei
Belagerung und Einnahme Jerusalems. Buchillustration aus dem späten Mittelalter. Jerusalem ist als zeitgenössische Stadt dargestellt, auch die Kleidung der Ritter entspricht dieser Zeit. Autor unbekannt, gemeinfrei

Für die geistliche und medizinische Betreuung der Menschen, für die in der Heimat Kirchen und Klöster zuständig waren, fehlte in der Ferne jegliche Infrastruktur. Deshalb entschlossen sich manche Kreuzfahrer (insbesondere fromme Ritter), im Heiligen Lande in klösterlicher Gemeinschaft zu leben und ihren Dienst dem Schutz der Pilger zu weihen. Sie bewachten die Straße vom Hafen Akkon nach Jerusalem, schützten die heiligen Stätten und eröffneten Hospitäler für Pilger.

Templer, Johanniter und Deutschritter

Aus solch klosterähnlichen Formierungen entwickelten sich allmählich die Ritterorden, zunächst 1119 die Templer. Die Orden leiteten ihren Namen ab vom Standort ihres Sitzes oder von der Klientel, die man betreute. Die Templer hatten ihre Zentrale auf dem Jerusalemer Tempelberg, wo am Ort des salomonischen Tempels die Muslime inzwischen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee errichtet hatten, die Johanniter residierten am Johanneshospital und die Deutschritter vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem betreuten in erster Linie die deutschsprachigen Pilger. Alle Orden unterstellten sich direkt dem Papst und waren von jeglicher Steuerzahlung befreit, sie durften sogar selbst Abgaben erheben. Durch weitere Eroberungen und königliche bzw. kaiserliche Donationen sammelten sie sehr schnell erheblichen Reichtum an, den meisten die Templer. Die kriegerische Komponente behielten alle Mönchsritter aber dauerhaft bei, da das Heilige Land auch in der Folgezeit zwischen Christen und Muslimen umkämpft blieb.

Wirkungsbereiche der Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten (Outremer)
Wirkungsbereiche der Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten (Outremer).
Von Marco Zanoli Sidonius – Eigenes Werk; nach Grosser Historischer Weltatlas. Bayrischer Schulbuch-Verlag (Hg.). Bd. 2, Mittelalter. München 1970, S. 82., CC BY-SA 4.0

Auf lange Sicht konnte sich die Kreuzfahrerstaaten als Inseln im Meer der Feinde nicht behaupten und erlitten in der Auseinandersetzung mit den Muslimen große Rückschläge. Deshalb erlahmte mit der Zeit die Begeisterung für die Kreuzzüge und 1291, nach dem Fall von Akkon, zogen sich die Ritterorden aus Palästina zurück. Auch gab es jetzt Wallfahrtsorte in Europa (wie Santiago de Compostella oder die Ewige Stadt Rom), an denen die Pilger ihr Seelenheil am vermeintlichen Grab der Apostel Jakobus oder Petrus unter weit geringeren Gefahren und Entbehrungen erlangen konnten.

Integration der Orden nach Beendigung der Kreuzzüge

Ein großes Problem stellte die Integration der Ritterorden in ihrer alten Heimat dar. Als reiche Großgrundbesitzer waren sie in Palästina unabhängig von jeglichen Lehensherrn gewesen und auf solch eine privilegierte Stellung wollten sie auch nach ihrer Rückkehr nach Europa nicht verzichten, was zu Konflikten mit ihren Landesherren führen musste. Diese versuchten, sie auf neue Aufgabenfelder umzulenken, denn Kreuzzüge – also Kriege gegen Ungläubige – konnten ja auch andernorts als in Palästina durchgeführt werden.

Ein gelungener Coup des deutsch-römischen Kaisers war die Fokussierung des Deutschen Ritterordens auf Gebiete östlich des Heiligen Römischen Reiches – jenseits von Elbe, Oder und Weichsel – wo neben den christlichen Polen auch noch heidnische Völker lebten. Der Stauferkaiser Friedrich II. erklärte z. B. in der Goldbulle von Rimini heidnische Gebiete im Kulmer Land zum Eigentum der missionierenden Deutschritter, was eine Invasion von Ordensleuten in diese Region auslöste, die später einmal die Keimzelle Preußens und des Deutschen Reichs werden sollte. Auch in den Prozess des Landesausbaus konnte man Kreuzritter gut einbeziehen, denn dessen Ziele nutzten auch ihnen.

Probleme der Tempelritter in Frankreich

Unter Philipp dem Schönen von Frankreich, dessen Herrschaft durch eine Finanzkrise und einen Volksaufstand stark bedroht war, entstand anfangs des 14. Jh. der Plan, die staatlichen Probleme durch ein Gerichtsverfahren gegen die Templer zu lösen. Der bei dem Orden hoch verschuldete Monarch hoffte durch einen Schuldspruch auf einen Schlag sowohl die Verbindlichkeiten als auch die ihm lästige Organisation selbst loszuwerden, es bedurfte nur noch Erfolg versprechender Anklagepunkte. Als hinreichend wirksam erachtete man Ketzerei und Sodomie (damals Synonym für Homosexualität) um das hinterhältige Ziel zu erreichen.

So erließ der König im September 1307 insgeheim einen Haftbefehl gegen alle Templer, der am Freitag, dem 13. (!) Oktober desselben Jahres zeitgleich überall in Frankreich vollstreckt wurde. Nahezu sämtliche Ordensritter in Philipps Machtbereich, darunter die komplette Führung, wurden festgenommen und viele von ihnen hingerichtet.

Lange Zeit war die Mitwirkung des Papsttums, unter dessen Hoheit die Templer ja standen, an diesem beispiellosen Justizmord ungeklärt, doch wurde kürzlich im Vatikan ein entlastendes zeitgenössisches Dokument gefunden (das Chinon Pergament). Aus dem für Jahrhunderte im Archiv verschollenen Schriftstück geht eindeutig hervor, dass fünf päpstliche Investigatoren die Angeklagten von jeglicher Schuld freigesprochen hatten. (Offenkundig waren Ordensritter auch nicht homosexueller als der übrige Klerus).

Doch nur wenige Jahre später schloss Papst Clemens V. gegen einige Zugeständnisse ein Abkommen mit dem König, in dem er den Orden 1312 für aufgelöst erklärte. Die restlichen Prozesse wurden eingestellt, das Geldvermögen verblieb beim König, das Grundvermögen ging an den Johanniterorden und das Papsttum gab seinen Segen zu dem gelungenen Coup.

Die Templer in Brandenburg

Diese weltgeschichtlichen Ereignisse haben nur am Rande mit den Templern in Brandenburg zu tun. Wir müssen davon ausgehen, dass bei der Erschließung des Landes östlich der Elbe auch Ritterorden als Lokatoren auftraten. Das Vordringen in noch nicht christianisierte Gebiete außerhalb bereits bestehender staatlicher Strukturen entsprach völlig ihrem neuen Selbstverständnis, das sie nach dem Rückzug aus Palästina entwickelt hatten.

Die „normalen“ Siedler, zumeist eine Gruppe unterschiedlicher Einzelfamilien, waren aus ihrer Heimat in die Fremde gezogen um endlich eigenes Land zu bebauen, neue Dörfer zu gründen und ein besseres Leben zu führen als zuvor. Dafür bedurfte es eines Landesherrn, der über genügend befriedetes Territorium verfügte und ihnen den neuen Besitz garantieren konnte. Ordensritter waren hervorragend geeignet, diesen Status in den neu erworbenen Gebieten östlich der Elbe herzustellen und wurden deshalb von den Fürsten und Bischöfen bevorzugt als Vorhut des Landesausbaus berufen. Dazu benötigten sie Stützpunkte, an denen sie in quasi klösterlicher Ordnung gemeinsam wohnen konnten, ausgestattet mit Ackerland und Bauern, die sie versorgten, wenn sie dem Kriegshandwerk nachgingen. Die so genannten Kommenden oder Komtureien fungierten gleichermaßen als Burg, Kloster und Bauerndorf. Von hier aus trieben die Ritterorden die weitere Expansion in heidnische Gebiete vor, widmeten sich aber gleichzeitig vor Ort der Aufgabe, nachrückende Ritter zu unterstützen und zu beherbergen. In Brandenburg können wir den Zug der Templer nach Osten durch die Gründung der Komtureien Tempelhof über Lietzen bis in das jenseits der Oder in der Neumark gelegene Quartschen verfolgen.

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Dass Tempelhof in Berlin tatsächlich eine Komturei des Templerordens war, können wir nur aus seiner Topographie (ein von Wasser umschlossener, quasi befestigter Ort) und dem auf die Templer verweisenden Namen erschließen, Urkunden darüber existieren keine. Da aber (wie bereits erwähnt) die Besitztümer des aufgelösten Templerordens 1312 an den Johanniterorden fielen und Tempelhofs früheste Urkunde (von 1344) den Ort als Kommende der Johanniter aufführt, gibt es eine schlüssige Beweiskette zu den Templern: Die Dorfkirche Tempelhof ist ausweislich ihrer Architektur mindestens hundert Jahre älter als das Datum der Urkunde und trägt einen Ortsnamen, der auf einen “Hof” der Tempelritter hinweist – das alles spricht deutlich für eine Gründung durch den Orden und eine Übergabe an die Johanniter nach 1312.

Leider haben ständige Umbauten und diverse Kriegszerstörungen (besonders im 2. Weltkrieg) außer der schönen Lage und der immer noch malerischen Kirche nur wenig Originales von der Komturei Tempelhof übrig gelassen, so dass man der Frage nach einer speziellen Templerarchitektur an den zu ihr gehörigen und aus der gleichen Bauzeit stammenden Filialdörfern Mariendorf und Marienfelde beantworten muss. Aus deren mit den anderen Dorfkirchen Brandenburgs übereinstimmenden Feldsteinarchitektur und der Anlage der beiden Dörfer geht jedoch eindeutig hervor, dass der Landesausbau östlich der Elbe offenbar nach einem einheitlichen Plan durchgeführt wurde, ungeachtet der Tatsache, ob die Lokatoren im Auftrag der Markgrafen Brandenburgs oder Meißens, des Erzbischofs von Magdeburg oder, wie im Falle der Templer, des Herzogs von Schlesien, vorgingen.

Komturei Lietzen

Komturei Lietzen Kirche, Herrenhaus und Verwaltungsgebäude
Komturei Lietzen: Herrenhaus (links), Kirche und Verwaltungsgebäude. Ansicht von Norden.

Die Komturei Lietzen mit ihren Filialdörfern Neuentempel und Tempelberg (sowie einigen weiteren, die hier nicht behandelt werden) entstand ein wenig später als Tempelhof, ein Hinweis auf das langsame Vordringen der Ordensritter nach Osten. Anders als in Tempelhof besitzen wir für Lietzen und die umliegenden Dörfer einen urkundlichen Beleg für ihre Zugehörigkeit zum Templerorden, nämlich eine Besitzbestätigung durch Papst Innozenz IV. von 1247 in einer vatikanischen Urkunde. Die Gründung muss einige Jahre davor erfolgt sein, da es immer eine gewisse Zeit brauchte, bis eine Ansiedlung „fertiggestellt“ war.

Wie in Tempelhof ging der Besitz der Komturei im 14. Jh. ins Eigentum des Johanniterordens über, bei dem er bis zur Säkularisation verblieb. (Dieser Begriff bezieht sich auf die Aufhebung der Klöster nach der Reformation, wird er im Zusammenhang mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches gebraucht, ist damit der Reichsdeputationshauptschluss von 1806 gemeint, die Aufhebung aller geistlichen Fürstentümer). Anders als in Tempelhof haben sich in Lietzen bemerkenwerte Reste der Templerkommende erhalten, so Teile der Umfassungsmauer aus Feldstein, die Ordenskirche, eine Feldsteinscheune und der Grundriss des Komtureigebäudes inklusive Resten von romanischem Mauerwerk. Letzteres dient jetzt als Herrenhaus der Familie Hardenberg, der das Gut Lietzen vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. ob der Verdienste ihres Vorfahren, des Reformers Karl August von Hardenberg übergeben wurde. Nach Enteignung 1945 und der Vertreibung der Hardenbergs wurde es nach 1989 restituiert und wird aktuell von den Nachfahren der alten Besitzer wieder bewirtschaftet.

Komturei Lietzen Kirche Ansicht von Süden
Ordenskirche, Ansicht von Süden

Ordenskirche

Die Ordenskirche, eine Saalkirche mit ursprünglich zugehörigem Dachreiter (erkennbar am Feldsteinmauerwerk auf der Westseite) und polygonaler Apsis weist im Westteil sorgfältig behauenes und lagig geschichtetes Feldsteinmauerwerk auf, die Bearbeitung der Quader ist von einzigartiger Akkuratesse. Auf der Südseite existiert ein getrepptes Spitzbogenportal und ein zugesetztes Rundbogenfenster. Das gleichzeitige Auftreten von Rund- und Spitzbögen im Verbund mit der sauberen Quaderung verweist auf ein Baudatum der Westteile um 1240, der Zeit der Gründung der Komturei durch die Templer.

Komturei Lietzen Kirche Ansicht von Südwest. Westfassade vom Typ Dangelsdorf
Ansicht von Südwest. Westfassade vom Typ Dangelsdorf mit nachträglich eingesetztem frühgotischem Biforen-Fenster
Komturei Lietzen Kirche Exakte Quaderung des Feldsteinmauerwerks
Exakte Quaderung des Feldsteinmauerwerks der Westfassade. Es wurde kaum Mörtel verwendet.
Komturei Lietzen Kirche Sakristei Feldsteinsockel
Sakristei mit Feldsteinsockel und Übergangskante aus Backstein

Komturei Lietzen Kirche Spitzbogiges Portal in der Südwand des Schiffes
Spitzbogiges Portal in der Südwand des Schiffes
Komturei Lietzen Kirche Zugesetztes romanisches Fenster in der Südfassade
Zugesetztes romanisches Fenster in der Südwand

Der gotisch veränderte östliche Teil der Ordenskirche lässt verschiedene Deutungen zu: Entweder war sie ursprünglich eine zweiteilige Anlage (wie in Tempelhof), also ein Saalbau mit Apsis, den man im Chorbereich wegen der Einwölbung und der Vergrößerung der Fenster gotisch umbaute. Das im gesamten Bau durchgehende Feldsteinfundament in qualitätvoller Schichtung könnte das belegen, dann wäre die Lietzener Kirche ein direkter Nachfolger von Tempelhof, der nächst gelegenen Ordens-Komturei.

Oder der Ursprungsbau war eine dreiteilige Anlage nach dem Muster der Flämingkirchen mit Schiff plus Dachreiter, eingezogenem Chor und Apsis. Zur Vergrößerung und Einwölbung der Ostteile rissen die neuen Besitzer, die Johanniter den romanischen Chor und die Apsis der dreiteiligen Anlage ab und verbreiterten diesen Teil (vorwiegend in Backstein) auf die Maße des Kirchenschiffs. Dabei verwendeten sie die beim Abbruch des Alten in großer Zahl anfallenden Granitquader erneut für das Fundament und die unteren 6 Lagen des Neubaus, auf denen sie Backsteinmauern mit gotischen Blenden und Gewölben im Innenraum errichteten. Anstelle der ehemaligen romanischen Apsis entstand der stattliche Polygonalabschluss des neuen Chors. Bei dieser Gelegenheit fügte man auch eine Sakristei hinzu, die auf einem, sich mit halbrunden Formsteinen an die Wand anschließenden, vorspringenden Feldsteinsockel steht; ein verputztes, abgetrepptes Spitzbogenportal führt in sie hinein.

Bei genauerer Inspektion der Umbauten stellt sich heraus, dass die Verlegung der Quader im Fundamentbereich des Chors doch weniger akkurat ausfällt als bei den original romanischen Teilen. Außerdem liegen die Granitsteine hier auf Ziegelfundamenten und somit erscheint die zweite Deutung plausibler.

Chor und Sakristei von Norden
Chor von Süden mit Epitaphen und wieder verwendeten Feldsteinen

Das stimmungsvolle Innere mit mit seinen schönen Gewölberippen birgt einen barocken Kanzelaltar und den romanischen Grabstein eines Magister Johannes de Niendorf mit einem eingeritzten Abbild des Verstorbenen.

Feldsteinscheune

Komturei Lietzen Scheune Ansicht von Südost
Komturei Lietzen: Fünfgeschossige Feldsteinscheune, Ansicht von Südost

Auf dem noch teilweise von alten Mauern umgebenen Gelände der Kommende befindet sich eine große Rarität in der Architektur Brandenburgs: Eine Feldsteinscheune aus der Erbauungszeit der Komturei Lietzen. Da die Templer an dieser Stelle einen Stützpunkt oder eine Etappe auf dem weiteren Weg nach Osten geplant hatten, kam einer festen Vorratsscheune für diese Zwecke eine besondere Bedeutung zu. Für Durchreisende musste ein wesentlich größerer Vorrat an Lebensmitteln bereit gehalten werden als in einem “normalen” Dorf üblich. Eine solche “Schatztruhe” weckte sicherlich auch mehrfach die Begehrlichkeit durchziehender räuberischer Horden, was die Spuren von Zerstörung und Wiederaufbau nahelegen, die sich an den Mauern des Bauwerks abzeichnen.

Die Scheune hat an der östlichen Schmalseite einen hochgelegenen Eingang mit einem zweifach abgetreppten Rundbogenportal, der ins erste Geschoss führt. Die Höherlegung deutet auf einen darunter liegenden Keller hin, sein Eingang liegt rechts neben der Treppe. Unterhalb der Dachzone befinden sich (ausweislich der seitlichen rechteckigen Fenster) zwei Hauptgeschosse. Die Giebelfenster zeigen zwei weitere Geschosse im Dach an, wobei das erste durch zwei große gotische Biforen akzentuiert wird, die viel Licht einlassen sollen. Nach dem Erscheinungsbild der späteren Veränderungen (insbesondere der offensichtlich nachträglich eingesetzten gotischen Fenster) datiert man das Gebäude meist ins 14. oder 15. Jh., was im Widerspruch zu dem, besonders in den unteren Lagen, sehr sorgfältig bearbeiteten Feldsteinmauerwerk steht.

Wie an allen anderen mittelalterlichen Gebäuden auch, können wir an den Mauern die wechselvolle Geschichte des Bauwerks ablesen. Das Mauerwerk des gesamten unteren Bereichs ist (bis zu sieben Lagen hoch) ganz in der Manier der zweiten Phase der romanischen Feldsteinarchitektur der Mark Brandenburg ausgeführt: saubere Quaderung, lagige Anordnung und exakte Gebäudekanten. Zumindest diese Teile müssen zur Gründungszeit der Komturei erbaut worden sein. Je höher die Mauern aufsteigen, desto nachlässiger wird ihre Ausführung, entsprechend der Datierung der weiteren Phasen der brandenburgischen Romanik (Phase drei und vier).

Auf der Ostseite, an der sich die gotischen Fenster befinden, deutet das völlig ungeordnete Mauerwerk auf eine Reparatur nach kriegerischer Zerstörung hin, die Giebelspitze besteht komplett aus Backstein. Die Westseite weist ebenfalls einen hochgelegenen Eingang (hier ins zweite Geschoss des Hauptbaus) mit einem einfach getreppten Rundbogenportal auf. Auch hier erscheinen die backsteingefassten gotischen Fenster wie nachträglich eingesetzt. Das größte von ihnen liegt in der Giebelspitze und dient zur Belichtung des zweiten Dachgeschosses. Diese so archaisch wirkende Feldsteinscheune mit ihren “erzählenden” Mauern macht einen sehr starken Eindruck, wie auch die gesamte Komturei Lietzen.

Komturei Lietzen Scheune Ansicht von Nordost
Komturei Lietzen Scheune, Ansicht von Nordost
Komturei Lietzen Scheune Lagiges Gefüge und Quaderung des Mauerwerks
Lagiges Gefüge und gute Quaderung des Mauerwerks.

Neuentempel

Dorfkirche Neuentempel Anlage von Nordost
Dorfkirche Neuentempel. Anlage von Nordost

Auch die beiden Filialdörfer der Kommende, Neuentempel und Tempelberg, verdienen einen Besuch. In Neuentempel steht eine zweiteilige Anlage, bestehend aus Schiff und Turm. Auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass nur das Schiff aus der Zeit der Templer stammen kann, denn nur dieses besteht, wie die anderen Ordenskirchen auch, aus sorgfältig behauenen Quadern.

Dorfkirche Neuentempel Übergang vom Schiff zum Turm
Übergang vom Schiff zum Turm. Rechts im Schiff die (schwer erkennbare) zugesetzte und von einem Fenster durchbrochene originale Gemeindepforte. Der Unterschied der Qualität des Mauerwerks zwischen Schiff und Turm ist deutlich.

Der Turm muss aufgrund des ungeordneten Mauerwerks ins 15. Jh. datiert werden, so dass es sich hier – wie in Tempelhof und vielleicht auch in Lietzen – um einen einfachen Saalbau handelt, der ausweislich der hinter einem späteren Anbau auf der Südseite verborgenen spitzbogigen Priesterpforte um 1240 errichtet wurde, zur gleichen Zeit also wie die übrigen Templerkirchen.

Dorfkirche Neuentempel Ansicht von Südost
Ansicht von Südost mit neuzeitlichem Anbau
Dorfkirche Neuentempel Ansicht von Nordost
Ansicht von Nordost

Die gerade geschlossene Ostseite ist von besonderer Einfachheit – mit nur einem, noch dazu später veränderten Fenster und nicht mit der üblichen, auf die Trinität verweisenden Dreiergruppe. Bis auf die Priesterpforte sind alle anderen Öffnungen im Schiff durch entstellende Umbauten zur Zeit des Barock in ihrer Originalform nicht mehr zu erkennen. Auf diese Baumaßnahmen (vermutlich nach dem 30jährigen Krieg) dürfte auch die veränderte Dachform zurück gehen, wobei sich der Abdruck des alten, steileren Daches an der Ostseite des Turms noch erhalten hat.

Marxdorf

Von Neuentempel aus empfiehlt sich ein Abstecher ins nur 4,3 km entfernte Marxdorf. Der Ort wurde als Marquardestorp gegründet, dessen Name höchst wahrscheinlich auf einen Lokator namens Markward zurückgeht. Eine Urkunde von 1244 belegt die Zugehörigkeit des Dorfes zur Templer-Komturei Lietzen. In diese Zeit, als die Templer auch das Kirchenpatronat inne hatten, fällt wohl der Bau der Kirche, die sich auf dem alten Anger neben dem Dorfteich erhebt. 

Auf den ersten Blick ist sie dreiteilig mit Turm, Schiff und Chor, doch während Schiff und Chor das an den Templerkirchen gewohnte akkurate Quaderwerk aufweisen, weicht der Turm um einiges vom Standardplan ab. Er ist etwas eingezogen und sein exaktes Quadermauerwerk reicht nur bis auf die Höhe des Spitzbogenportals, das sich in der im 19. Jh. angefügten Vorhalle befindet. Darüber erhebt sich nachlässig gefügtes Quaderwerk der Spätzeit, das ihn ins 14. oder 15. Jh. datiert. Oberhalb der Vorhalle ist ein Medaillon mit dem Johanniter-(Malteser)Kreuz eingelassen, das wohl ebenfalls aus der Wiederaufbauzeit stammt. Im Glockengeschoss existiert noch eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert mit der Aufschrift „O Rex GLORIAE V(eni) CVM PACE“ (O König der Ehre, komme mit Frieden).

Somit war das Gebäude zur Erbauungszeit zweiteilig, bestehend aus Schiff und gerade geschlossenem, eingezogenem Chor, ein Bautypus, wie er bei Templerkirchen – auch östlich der Oder – mehrfach vorkommt. Anstelle der üblichen Dreifenstergruppe in der Ostwand existiert hier nur ein schmales, Spuren von Reparatur aufweisendes Rundbogenfenster. Wahrscheinlich war es im Originalzustand spitzbogig, was zum flach geschlossenen Chor passen würde. Der Chor besaß je zwei Rundbogenfenster, von denen ein zugesetztes noch erhalten ist, während sich im Schiff davon je drei befanden – auf der Nordseite noch ein vermauertes zu sehen. Auf der Südseite existiert noch das zugesetzte Gemeindeportal, wunderbar gerahmt von symmetrisch angeordneten Feldsteinen; eine Priesterpforte können wir in dem Anbau am Chor vermuten. 

Die Giebel von Chor und Schiff, sowie die gesamte Traufzone und der noch mittelalterliche Turmteil in Dachhöhe zeigen Spuren von heftiger Zerstörung und nachlässigem Wiederaufbau, wahrscheinlich nach den Hussitenkriegen. Die im Protestantismus übliche Verschandelung der Dorfkirchen erfolgte in Marxdorf erst relativ spät, im 19. Jh., als die vergrößerten Fenster, die Vorhalle, das Glockengeschoss und die Kirchturmspitze gebaut wurden. Aus dieser Zeit stammt auch das Interieur mit Kanzelaltar und Emporen.

Tempelberg

Dorfkirche Tempelberg Idyllisches Ensemble
Tempelberg: Idyllisches Ensemble mit Dorfteich, Kirchhofsmauer und Dorfkirche

15 km östlich von Marxdorf befindet sich die Kirche von Tempelberg, idyllisch gelegen auf dem von einer Feldsteinmauer umgebenen alten Friedhof – am ausgedehnten Dorfanger mit großem Dorfteich. Sie ist eine dreiteilige Anlage mit auf dem (verputzten) Westgiebel nachträglich aufgesetztem Dachreiter, ein Bautypus, der in großer Anzahl im Fläming vorkommt. Die urkundliche Erwähnung als Templerbesitz und die sorgfältige Bearbeitung des Granitmauerwerks datieren auch dieses Gebäude in die Bauzeit der Komturei Lietzen.

Dorfkirche Tempelberg Staffelung der dreiteiligen Anlage. Ansicht von Nordost
Dorfkirche Tempelberg, Ansicht von Nordost. Staffelung der dreiteiligen Anlage.
Dorfkirche Tempelberg Ansicht von Südost
Dorfkirche von Südost mit Anbau der Patronatsloge
Dorfkirche Tempelberg Ansicht von Nordwest
Ansicht von Nordwest
Dorfkirche Tempelberg Apsis mit Fenstern aus der Erbauungszeit
Apsis mit verändertem und zugesetztem Fenster, Spuren von Zerstörung
Dorfkirche Tempelberg Zugesetztes Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes
Zugesetztes Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes

Als Besonderheit finden wir an der Südseite dieser Kirche, neben einem in späterer Zeit veränderten Portal, einen Granitstein mit eingeritztem Jerusalemskreuz. Dieses Kreuz mit vier in die Kreuzarme eingestellten kleinen Kreuzen steht symbolisch für die fünf Wundmale Jesu und war das Wappen des Königreichs Jerusalem – endlich einmal ein Hinweis auf den Herkunftsort der Ritterorden! Die Templer besaßen eigentlich ein eigenes Wahrzeichen, das Templerkreuz, das aber in Brandenburg merkwürdigerweise nirgendwo auftaucht. Bei der Neuverglasung der Apsisfenster von Tempelberg hat man in Buntglas zwei moderne Templerkreuze eingefügt.

Dorfkirche Tempelberg Jerusalemstein am zugesetzen Portal der Südfassade des Schiffs
Jerusalemstein am zugesetzen Portal der Südfassade des Schiffs
Lagiger Aufbau des exakt gequaderten Mauerwerks
Lagiger Aufbau des exakt gequaderten Mauerwerks
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Blick nach Osten
Innenraum Blick nach Osten
Dorfkirche Tempelberg Innenraum nördliches Apsisfenster und Epitaphe
Nördliches Apsisfenster mit Templerkreuz und Epitaphen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Blick nach Westen
Innenraum Blick nach Westen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum südliches Apsisfenster und Epitaphe
Südliches Apsisfenster mit Templerkreuz und Epitaphen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Altar
Originaler Altartisch mit barockem Aufsatz

Abstecher nach Falkenhagen und Herzfelde

Auf der Templerroute empfehlen sich zwei Abstecher zu sehr interessanten Bauten, die aber mit dem Tempelritterorden nichts zu tun haben, Falkenhagen und Herzfelde.

Dorfkirche Falkenhagen

Nur 6 km südlich von Lietzen steht in Falkenhagen die größte mittelalterliche Dorfkirche Brandenburgs. Die Größe des Bauwerks lässt erkennen, dass der Lokator bei der Gründung die Erwartung hegte, hier eine Stadt von größerer Bedeutung entstehen zu lassen, was sich aber nur für kurze Zeit erfüllte, als Falkenhagen das Marktrecht erhielt. Die übrige Zeit blieb es ein Dorf mit einer viel zu großen Kirche, einer dreischiffigen Basilika im Übergangsstil. Wie auch die Templerkirchen auf dieser Route gehörte Falkenhagen zu dem kleinen Bistum Lebus, einem der nur drei Bistümer auf dem Boden Brandenburgs und war Sitz eines der acht sedes (Sprengel). Während aber die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg vom Erzbistum Magdeburg aus begründet wurden, war es hier der Erzbischof von Gnesen aus dem polnischen Reich der Piasten. Das Bistum war für Jahrhunderte ein Zankapfel zwischen dem Deutschen Reich und Polen mit dem Ergebnis, dass die Kathedrale in dem kleinen Ort Lebus an der Oder mehrfach zerstört und der Bischofssitz 1373 schließlich nach Fürstenwalde verlegt wurde. Nach der Übergabe des dortigen Doms an die Protestanten 1557 endete die Geschichte des Bistums endgültig im Jahre 1598.

Umgeben von einer Feldsteinmauer steht die Dorfkirche etwas überdimensioniert auf dem Falkenhagener Friedhof. Die dreischiffige Basilika mit einschiffigem, langgestrecktem Chor ist eine von Anfang an dreiteilig geplante Anlage mit Westturm, drei Schiffen und gerade geschlossenem Chor, der im Grundriss leicht nach Norden abknickt. Die an den unteren Lagen gut gequaderten Feldsteine, die sich um den gesamten Bau herumziehen, machen das deutlich. 

Der Bau wurde im im zweiten Drittel des 13. Jh. im romanisch-gotischen Übergangsstil errichtet, erkennbar an den ausschließlich spitzbogigen Öffnungen und dem gerade geschlossenen Chor. Er ist der älteste Teil mit ursprünglich je drei gedrückt spitzbogigen Fenstern im Norden und Süden sowie einer Dreifenstergruppe im Osten (zwei Lanzettfenster außen, ein später vergrößertes in der Mitte). Eine jetzt zugesetzte Priesterpforte befindet sich auf der Nordseite dicht am Schiff. 

Am ehemaligen Mittelschiff sind fünf, jetzt vermauerte, Spitzbogenarkaden noch gut sichtbar, darüber fünf spitzbogige Obergadenfenster in anderem Rhythmus als die Arkaden. Erst 1801 riss man die Seitenschiffe ab und richtete dabei große Schäden an. Solche müssen auch schon in früheren Zeiten aufgetreten sein (in den Hussitenkriegen oder dem 30jährigen Krieg), worauf die gestörte Traufzone und der verputzte Ostgiebel verweisen. Die Mittelschiffsarkaden vermauerte man mit dem Abbruchmaterial der Seitenschiffe. Alle ehemals innen liegenden Mauern, die zum Verputzen vorgesehen waren, sind deutlich weniger sorgfältig ausgeführt, z. B. die Dachzone der Seitenschiffe am Mittelschiff von den Obergadenfenstern bis zu den Arkaden. Ein ehemaliges Gemeindeportal aus dem beseitigten Seitenschiff wurde evtl. im Süden des jetzt einzigen Schiffs wieder eingesetzt. 

Der Turm ist in voller Breite (über Haupt- und Seitenschiffe) nur bis zur Höhe der Seitenschiffe original ausgeführt, dann auf Mittelschiffsbreite eingezogen und erst viel später fertiggestellt. (Vergleichbares dazu findet man in Massen und Zahna). Er besitzt ein dreifach abgetrepptes, spitzbogiges Westportal, offensichtlich der Haupteingang der Kirche.

Das flach gedeckte, karge Innere enthält eine Orgelempore im Westen, den spitzen Triumphbogen zwischen Schiff und Chor sowie die Kanzel direkt darunter.

Dorfkirche Herzfelde bei Rüdersdorf

Auf dem Rückweg von Tempelberg nach Berlin empfiehlt sich ein weiterer Halt in Herzfelde, ein herausragendes Beispiel für den spätromanischen Kirchenbau auf dem Barnim und historisch interessant durch ihre Verbindung mit dem 93 km entfernten Kloster Zinna.

Die Herzfelder Kirche aus der Mitte des 13. Jh., ein Feldsteinbau aus regelmäßig geschichteten, an den Ecken besonders akkurat behauenen Quadern, steht an der viel befahrenen Bundesstraße 1/5 – wie eh und je auf dem alten Dorfanger. Auf dessen Ostseite befindet sich ein Kriegerdenkmal von 1920 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, zu denen man an dieser Stelle merkwürdiger Weise auch die zu Tode gekommenen Teilnehmer des Kapp-Putsches zählt, der sich gegen die Demokratie der Weimarer Republik richtete.

Dorfkirche Herzfelde Ansicht der vierteiligen Anlage von Südost
Dorfkirche Herzfelde Ansicht der vierteiligen Anlage von Südost

Vierteilige Anlage

Zur Gründungszeit ein besonders großes Dorf, besitzt Herzfelde eine stattliche vierteilige Kirche mit hohem Turm, Schiff, Chor und Apsis. Obwohl die Kirchen auf dem Barnim meistens einen gerade geschlossenen Chor besitzen, war sie von Anfang an vierteilig geplant. Jedoch wurden nicht alle Teile gleichzeitig errichtet; wie üblich begann man mit Chor und Apsis, bevor das Langhaus und der Turm hochgezogen wurden. Das ist an der Verwendung von runden Bögen in ersterem Bereich zu erkennen, an der beseitigten Priesterpforte im Chor und besonders gut an dem vermauerten mittleren Rundbogenfenster der Apsis, während alle anderen Öffnungen in den späteren Teilen des Gebäudes (soweit erhalten oder rekonstruierbar) spitzbogig sind.

Dorfkirche Herzfelde Zugesetzte südliche Priesterpforte
Dorfkirche Herzfelde Zugesetzte südliche Priesterpforte
Dorfkirche Herzfelde Im 19. Jh. errichtete Tür in der Apsis. Oberhalb Relikte des zugesetzten romanischen Rundbogenfensters.
Kurios: Im 19. Jh. errichtete Tür in der Apsis. Oberhalb Relikte des zugesetzten romanischen Rundbogenfensters.

Der mächtige Westriegel mit Satteldach wird aus Gründen der Statik durch drei massive, ungleichmäßig angeordnete Strebepfeiler gestützt, eine offensichtlich spätere Zutat aus der Zeit nach den Hussitenkriegen oder dem 30jährigen Krieg, als die Kirche schwer beschädigt wurde, wie man auch an den nachlässig wieder aufgemauerten Giebeln von Schiff und Chor sowie an der erneuerten Traufzone erkennen kann.

Dorfkirche Herzfelde Westriegel mit Stüzupfeilern
Westriegel mit Stützpfeilern

Das Glockengeschoss des Querriegels enthält die einzigen unveränderten Fenster, nämlich zwölf hohe spitzbogige Schallöffnungen, je 4 im Osten und Westen, je 2 im Norden und Süden. Im Nord- und Südgiebel befinden sich, ein Stockwerk höher, zwei weitere, aber deutlich jüngere.

Dorfkirche Herzfelde südliche Spitze des Turms
Südliches Glockengeschoss
Dorfkirche Herzfelde nördliche Spitze des Turms
Nördliches Glockengeschoss
Dorfkirche Herzfelde Chor, Schiff und Turm Nordseite
Dorfkirche Herzfelde Chor, Schiff und Turm Nordseite
Dorfkirche Herzfelde Südfassade des Chors mit zugesetzter Priesterpforte
Südfassade des Chors mit zugesetzter Priesterpforte

Sühnekreuz

In einer Ecke zwischen Schiff und Chor steht auf der Nordseite ein Sühnekreuz, ähnlich dem vor der Berliner Marienkirche. Im Mittelalter dienten solche Kreuze der Sühne eines Totschlags. Für den Fall, dass jemand im Streit oder absichtslos zu Tode kam, war der Täter oder seine Familie verpflichtet, solch ein Kreuz zu errichten, an dem das Totengebet gesprochen werden konnte – als Kompensation für die dem Opfer entgangenen Sterbesakramente. Ein am Sühnekreuz befestigtes Ewiges Licht forderte die Vorbeigehenden zum Gebet auf, wobei es die Pflicht des Täters war, auch die Flamme am Brennen zu halten. Das gotische Herzberger Sühnekreuz weist noch die sehr gut erhaltene Lampennische auf.

Dorfkirche Herzfelde Gotisches Steinkreuz an der Nordwand des Chors
Gotisches Sühnekreuz an der Nordwand des Chors

Eigentum des Klosters Zinna

Von 1235 bis 1539 gehörten Kirche und Ort Herzfelde den Mönchen des Zisterzienserklosters Zinna, zusammen mit den Kalksteinbrüchen von Rüdersdorf und einer Reihe anderer Dörfer auf dem Barnim. Ob die Dorfkirche durch die Einwohner des reichen Dorfes oder die Klosterbrüder von Zinna errichtet wurde, ist schwer zu entscheiden, waren jene doch zur Bauzeit von Herzfelde mit dem Aufbau ihrer eigenen Kirche und Abtei beschäftigt. (Zu dem großen Projekt im Fläming wären dann auch noch die Dorfkirchen auf dem Barnim in Rüdersdorf, Herzfelde, Klosterdorf und Hönow gekommen – eine selbst für das wohlhabende Kloster kaum zu bewältigende Aufgabe). Mit der Einführung der Reformation, der Aufhebung der Klöster und der Einziehung ihres Besitzes durch den Landesherrn war der Einfluss von Zinna in Herzfelde beendet.

Umbauten

Nach den erwähnten Bau- und Reparaturmaßnahmen aufgrund des Einfalls der Hussiten oder des 30jährigen Krieges gab es erst wieder welche im 19. Jh., als das Westportal und sämtliche Fenster von Schiff und Chor spitzbogig erweitert wurden. Kurioserweise brach man dabei unter dem zugemauerten mittleren Apsisfenster eine neue Tür ein. Auf der Südseite des Schiffs fallen Spuren auf, die auf die Beseitigung des alten Gemeindeportals und der Priesterpforte verweisen.

Inneres

Das nüchterne Innere enthält nach der Renovierung des 19. Jh. nur noch wenige alte Ausstattungsstücke, so im Turmdurchgang einen Grabstein von 1696 für die Stifterin eines Abendmahlkelches und einen romanischen Taufstein, der aus einem einzigen Kalksteinblock gefertigt ist. Aus den Bauakten geht hervor, dass der Triumphbogen um 1902 verändert wurde, so dass Zweifel aufkommen, ob der jetzt vorhandene Rundbogen original ist – nach dem Baubefund müsste er spitzbogig sein. Der Chor aber besitzt ein Kreuzgratgewölbe, das mit ziemlicher Sicherheit noch aus der Erbauungszeit stammt.

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Weblinks

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