Exkursion ins Land der Tempelritter: Lietzen, Neuentempel, Tempelberg

Die hier beschriebenen Orte im Oderland liegen etwas abseits der nordöstlichen Romanikroute, deshalb empfehlen wir einen eigenständigen Ausflug auf den Spuren der Templer. Man könnte ihn in Berlin beginnen, mit Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde und sich dann über den Berliner Ring und die B 1 / B 5 Richtung Müncheberg ins Templerland begeben. Oder im Falle eines kürzeren Ausflugs direkt über die B 1 / B 5 dorthin. In jedem Fall sollte man mit der Komturei Lietzen anfangen, die das Zentrum dieser Templer-Route darstellt. Zur Einstimmung in die Thematik der Ritterorden schildern wir den historischen Hintergrund ein wenig ausführlicher.

Ritterorden

Im Umkreis des Ortes Lietzen im Oderland liegen die Dörfer Tempelberg und Neuentempel. Ihre Namen, wie auch die Bezeichnung Tempelhof für einen Ortsteil Berlins, verweisen auf den Orden der Tempelritter, der selbst im damals recht abgelegenen Brandenburg seine Spuren hinterlassen hat.

Ritterorden waren ein höchst bemerkenswertes Konstrukt in der Gesellschaft des Mittelalters, nämlich die Verbindung von Mönch- und Rittertum, zwei total gegensätzlichen Prinzipien. Da war zum einen das gottgeweihte, friedliche und ehelose (lat. monacus) Zusammenleben in Abgeschiedenheit (lat. claustrum) von der profanen Welt, woraus sich die Begriffe Mönch und Kloster entwickelt haben. Und zum anderen die Fixierung auf Waffendienst und Kampf bei den Rittern, einer tragenden Säule der mittelalterlichen Gesellschaft. Während aber das Rittertum eine reine Männerangelegenheit war, existierten im Bereich der Klöster auch weibliche Gemeinschaften (Nonnenkonvente).

Ritterstand und Kreuzfahrer

Ein dermaßen komplexes Unterfangen, wie es die Kreuzzüge waren, konnte überhaupt nur der Ritterstand ausführen, da er als einziger über die Mittel dazu verfügte. Das waren unter anderem die Transportmöglichkeiten für die weite Reise (Pferde), die finanziellen Mittel für Überfahrten, Proviant und Dienstleute (die die Ritter aus ihrem Lehen in der Heimat zogen) und die entsprechende Kampfkraft für die Eroberung. In Palästina lebten die Kreuzfahrer zunächst in einer reinen Männergesellschaft, da sich Kontakte mit den „ungläubigen“ Einheimischen von vornherein ausschlossen. Nach Abschluss der Eroberung gründeten sie dort mehrere Kreuzfahrerstaaten, darunter das Königreich Jerusalem.

Für die geistliche und medizinische Betreuung der Menschen, für die in der Heimat Kirchen und Klöster zuständig waren, fehlte in der Ferne jegliche Infrastruktur. Deshalb entschlossen sich manche Kreuzfahrer (insbesondere fromme Ritter), im Heiligen Lande in klösterlicher Gemeinschaft zu leben und ihren Dienst dem Schutz der Pilger zu weihen. Sie bewachten die Straße vom Hafen Akkon nach Jerusalem, schützten die heiligen Stätten und eröffneten Hospitäler für Pilger.

Templer, Johanniter und Deutschritter

Aus solch klosterähnlichen Formierungen entwickelten sich allmählich die Ritterorden, zunächst 1119 die Templer. Die Orden leiteten ihren Namen ab vom Standort ihres Sitzes oder von der Klientel, die man betreute. Die Templer hatten ihre Zentrale auf dem Jerusalemer Tempelberg, wo am Ort des salomonischen Tempels die Muslime inzwischen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee errichtet hatten, die Johanniter residierten am Johanneshospital und die Deutschritter betreuten in erster Linie die deutschsprachigen Pilger. Alle Orden unterstellten sich direkt dem Papst und waren von jeglicher Steuerzahlung befreit, sie durften sogar selbst Abgaben erheben. Durch weitere Eroberungen und königliche bzw. kaiserliche Donationen sammelten sie sehr schnell erheblichen Reichtum an, den meisten die Templer. Die kriegerische Komponente behielten alle Mönchsritter aber dauerhaft bei, da das Heilige Land auch in der Folgezeit zwischen Christen und Muslimen umkämpft blieb.

Auf lange Sicht konnte sich die Kreuzfahrerstaaten als Inseln im Meer der Feinde nicht behaupten und erlitten in der Auseinandersetzung mit den Muslimen große Rückschläge. Deshalb erlahmte mit der Zeit die Begeisterung für die Kreuzzüge und 1291, nach dem Fall von Akkon, zogen sich die Ritterorden aus Palästina zurück. Auch gab es jetzt Wallfahrtsorte in Europa (wie Santiago de Compostella oder die Ewige Stadt Rom), an denen die Pilger ihr Seelenheil unter weit geringeren Gefahren und Entbehrungen erlangen konnten.

Integration der Orden nach Beendigung der Kreuzzüge

Ein großes Problem stellte die Integration der Ritterorden in ihrer alten Heimat dar. Als reiche Großgrundbesitzer waren sie in Palästina unabhängig von jeglichen Lehensherrn gewesen und solch eine privilegierte Stellung wollten sie auch nach ihrer Rückkehr nach Europa beibehalten, was zu Konflikten mit ihren Landesherren führen musste. Diese versuchten, sie auf neue Aufgabenfelder umzulenken, denn Kreuzzüge – also Kriege gegen Ungläubige – konnten ja auch andernorts als in Palästina durchgeführt werden.

Ein gelungener Coup des deutsch-römischen Kaisers war die Fokussierung des Deutschen Ritterordens auf Gebiete östlich des Heiligen Römischen Reiches – jenseits von Elbe, Oder und Weichsel – wo neben den christlichen Polen auch noch heidnische Völker lebten. Der Stauferkaiser Friedrich II. erklärte z. B. in der Goldbulle von Rimini heidnische Gebiete im Kulmer Land zum Eigentum der missionierenden Deutschritter, was eine Invasion von Ordensleuten in diese Region auslöste, die später einmal die Keimzelle Preußens und des Deutschen Reichs werden sollte. Auch in den Prozess des Landesausbaus konnte man Kreuzritter gut einbeziehen, denn dessen Ziele nutzten auch ihnen.

Probleme der Tempelritter in Frankreich

Die Templer bereiteten indes ihren Landesherren, insbesondere den Königen von Frankreich und England, in deren Hauptstädten Paris und London sie ihre jeweils “temple” genannten Zentralen unterhielten, größte Schwierigkeiten. Sie beharrten ob ihres Reichtums und ihrer Machtfülle trotzig auf den Privilegien, die ihnen großzügig gewährt worden waren, als ihr Aufgabengebiet noch weit entfernt vom Mutterland war. So durften sie – entgegen dem christlichen Zinsverbot – Geldgeschäfte machen, was ihren Reichtum ins Unermessliche steigerte.

Ob ihrer weiten Verzweigtheit, ihrer Ressourcen und der Tatsache, dass durch den Mönchsstatus ihrer Mitglieder eine Zersplitterung des Besitzes aufgrund von Erbteilungen ausgeschlossen war, vor allem aber ob ihrer militärischen Macht, über die sie als quasi „stehendes Heer“ verfügten, stellten sie eine ernste Bedrohung des Königtums dar. Die französische Krone, die 1309 die Kontrolle über das Papsttum gewonnen hatte, indem sie dessen Sitz in ihre Einflusssphäre nach Avignon verlegte, beschloss nun, gegen die Templer vorzugehen.

Auflösung des Templerordens

Philipp IV., der Schöne, bedrängt von einer staatlichen Finanzkrise und einem Volksaufstand, entdeckte für sich die Chance, über ein Gerichtsverfahren gegen den Templerorden, bei dem er zudem hoch verschuldet war, schlagartig Schulden und die ihn bedrohende Organisation loszuwerden. Es fehlten nur noch Erfolg versprechende Anklagepunkte. Ketzerei und Sodomie (damals für Homosexualität gebraucht) wurden als wirksam genug erachtet, das Ziel zu erreichen.


Lange Zeit war die Mitwirkung des Papstes, unter dessen Hoheit die Templer ja standen, an diesem beispiellosen Justizmord ungeklärt, doch ein erst kürzlich im Vatikan gefundenes zeitgenössisches Dokument (das Chinon Pergament) entlastet das Papsttum. Aus dem für Jahrhunderte im Archiv verschwundenen Schriftstück geht hervor, dass fünf päpstliche Investigatoren die Angeklagten von jeglicher Schuld freigesprochen hatten. (Offenkundig waren Ordensritter auch nicht homosexueller als der übrige Klerus).

So blieb der französische König der einzig Verantwortliche für den abgefeimten Anschlag, bei dem im September 1307 insgeheim ein Haftbefehl gegen alle Templer ausgestellt und am Freitag, dem 13. Oktober desselben Jahres zeitgleich überall in Frankreich vollstreckt wurde. Nahezu sämtliche Templer in Philipps Machtbereich, darunter die komplette Führung, wurden festgenommen und viele von ihnen hingerichtet. Einige Jahre später machte Papst Clemens V. gegen einige Zugeständnisse einen Deal mit dem König, in dem er den Orden 1312 für aufgelöst erklärte. Die restlichen Prozesse wurden eingestellt, das Geldvermögen verblieb beim König, das Grundvermögen ging an den Johanniterorden und das Papsttum segnete das Ganze ab.

Die Templer in Brandenburg

Diese weltgeschichtlichen Ereignisse haben nur am Rande mit den Templern in Brandenburg zu tun. Wir müssen davon ausgehen, dass bei der Erschließung des Landes östlich der Elbe auch Ritterorden als Lokatoren auftraten. Das Vordringen in noch nicht christianisierte Gebiete außerhalb bereits bestehender staatlicher Strukturen entsprach völlig ihrem neuen Selbstverständnis, das sie nach dem Rückzug aus Palästina entwickelt hatten.

Die „normalen“ Siedler, zumeist eine Gruppe unterschiedlicher Einzelfamilien, waren aus ihrer Heimat in die Fremde gezogen um ihre eigenen Flurstücke zu bebauen, neue Dörfer zu gründen und ein besseres Leben zu führen als zuvor. Dafür benötigten sie befriedetes Land, das bereits unter der Kontrolle eines Landesherrn stand, der sie beschützen und ihnen den neuen Besitz garantieren konnte. Für die erste Besiedlungsphase, in der dieser Zustand überhaupt erst geschaffen und die Grundlage für die weitere Besiedlung gelegt wurde, waren Ordensritter als kampferprobte, homogene Gemeinschaft besonders geeignet. Dazu benötigten sie Stützpunkte, an denen sie in quasi klösterlicher Ordnung gemeinsam wohnten, ausgestattet mit Ackerland und Bauern, die sie versorgten, wenn sie dem Kriegshandwerk nachgingen, so genannte Kommenden oder Komtureien, die gleichermaßen als Burg, Kloster und Bauerndorf fungierten. Von hier aus bereiteten die Ordensritter die weitere Expansion in heidnische Gebiete vor, erfüllten aber gleichzeitig die Aufgabe, nachrückende Ritter zu unterstützen und zu beherbergen. In Brandenburg können wir ihren Weg von Tempelhof über Lietzen bis in das in der Neumark gelegene Quartschen verfolgen.

Dass Tempelhof in Berlin tatsächlich eine Komturei des Templerordens war, können wir nur aus seiner Topographie (ein von Wasser umschlossener, quasi befestigter Ort) und dem auf die Templer verweisenden Namen erschließen, Urkunden darüber existieren keine. Da aber (wie bereits erwähnt) die Besitztümer des aufgelösten Templerordens 1312 an den Johanniterorden fielen und Tempelhofs früheste Urkunde (von 1344) den Ort als Kommende der Johanniter aufführt, gibt es eine schlüssige Beweiskette zu den Templern: Die Dorfkirche Tempelhof ist ausweislich ihrer Architektur mindestens hundert Jahre älter als das Datum der Urkunde und trägt einen Ortsnamen, der auf einen “Hof” der Tempelritter hinweist – das alles spricht deutlich für eine Gründung durch den Orden und eine Übergabe an die Johanniter nach 1312.

Leider haben ständige Umbauten und diverse Kriegszerstörungen (besonders im 2. Weltkrieg) außer der schönen Lage und der immer noch malerischen Kirche nur wenig Originales von der Komturei Tempelhof übrig gelassen, so dass man der Frage nach einer speziellen Templerarchitektur an den zu ihr gehörigen und aus der gleichen Bauzeit stammenden Filialdörfern Mariendorf und Marienfelde beantworten muss. Aus deren mit den anderen Dorfkirchen Brandenburgs übereinstimmenden Feldsteinarchitektur und der Anlage der beiden Dörfer geht jedoch eindeutig hervor, dass der Landesausbau östlich der Elbe offenbar nach einem einheitlichen Plan durchgeführt wurde, ungeachtet der Tatsache, ob die Lokatoren im Auftrag der Markgrafen Brandenburgs oder Meißens, des Erzbischofs von Magdeburg oder, wie im Falle der Templer, des Herzogs von Schlesien, vorgingen.

Komturei Lietzen

Komturei Lietzen Kirche, Herrenhaus und Verwaltungsgebäude
Komturei Lietzen: Herrenhaus (links), Kirche und Verwaltungsgebäude. Ansicht von Norden.

Die Komturei Lietzen mit ihren Filialdörfern Neuentempel und Tempelberg (sowie einigen weiteren, die hier nicht behandelt werden) entstand ein wenig später als Tempelhof, ein Hinweis auf das langsame Vordringen der Ordensritter nach Osten. Anders als in Tempelhof besitzen wir für Lietzen und die umliegenden Dörfer einen urkundlichen Beleg für ihre Zugehörigkeit zum Templerorden, nämlich eine Besitzbestätigung durch Papst Innozenz IV. von 1247 in einer vatikanischen Urkunde. Die Gründung muss einige Jahre davor erfolgt sein, da es immer eine gewisse Zeit brauchte, bis eine Ansiedlung „fertiggestellt“ war.

Wie in Tempelhof ging der Besitz der Komturei im 14. Jh. ins Eigentum des Johanniterordens über, bei dem er bis zur Säkularisation verblieb. (Hier bezieht sich der Begriff auf die Aufhebung der Klöster nach der Reformation, im Zusammenhang mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches bezieht er sich auf den Reichsdeputationshauptschluss von 1806, der Aufhebung der geistlichen Fürstentümer). Anders als in Tempelhof haben sich in Lietzen bemerkenwerte Reste der Templerkommende erhalten, so Teile der Umfassungsmauer aus Feldstein, die Ordenskirche, eine Feldsteinscheune und der Grundriss des Komtureigebäudes inklusive Resten von romanischem Mauerwerk. Letzteres dient jetzt als Herrenhaus der Familie Hardenberg, der das Gut Lietzen vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. ob der Verdienste ihres Vorfahren, des Reformers Karl August von Hardenberg übergeben wurde. Nach Enteignung 1945 und der Vertreibung der Hardenbergs wurde es nach 1989 restituiert und wird aktuell von den Nachfahren der alten Besitzer wieder bewirtschaftet.

Komturei Lietzen Kirche Ansicht von Süden
Ordenskirche, Ansicht von Süden

Ordenskirche

Die Ordenskirche, eine Saalkirche mit ursprünglich zugehörigem Dachreiter (erkennbar am Feldsteinmauerwerk auf der Westseite) und polygonaler Apsis weist im Westteil sorgfältig behauenes und lagig geschichtetes Feldsteinmauerwerk auf, die Bearbeitung der Quader ist von einzigartiger Akkuratesse. Auf der Südseite existiert ein getrepptes Spitzbogenportal und ein zugesetztes Rundbogenfenster. Das gleichzeitige Auftreten von Rund- und Spitzbögen im Verbund mit der sauberen Quaderung verweist auf ein Baudatum der Westteile um 1240, der Zeit der Gründung der Komturei durch die Templer.

Komturei Lietzen Kirche Ansicht von Südwest. Westfassade vom Typ Dangelsdorf
Ansicht von Südwest. Westfassade vom Typ Dangelsdorf mit nachträglich eingesetztem frühgotischem Biforen-Fenster
Komturei Lietzen Kirche Exakte Quaderung des Feldsteinmauerwerks
Exakte Quaderung des Feldsteinmauerwerks der Westfassade. Es wurde kaum Mörtel verwendet.
Komturei Lietzen Kirche Sakristei Feldsteinsockel
Sakristei mit Feldsteinsockel und Übergangskante aus Backstein

Komturei Lietzen Kirche Spitzbogiges Portal in der Südwand des Schiffes
Spitzbogiges Portal in der Südwand des Schiffes
Komturei Lietzen Kirche Zugesetztes romanisches Fenster in der Südfassade
Zugesetztes romanisches Fenster in der Südwand

Der gotisch veränderte östliche Teil der Ordenskirche lässt verschiedene Deutungen zu: Entweder war sie ursprünglich eine zweiteilige Anlage (wie in Tempelhof), also ein Saalbau mit Apsis, den man im Chorbereich wegen der Einwölbung und der Vergrößerung der Fenster gotisch umbaute. Das im gesamten Bau durchgehende Feldsteinfundament in qualitätvoller Schichtung könnte das belegen, dann wäre die Lietzener Kirche ein direkter Nachfolger von Tempelhof, der nächst gelegenen Ordens-Komturei.

Oder der Ursprungsbau war eine dreiteilige Anlage nach dem Muster der Flämingkirchen mit Schiff plus Dachreiter, eingezogenem Chor und Apsis. Zur Vergrößerung und Einwölbung der Ostteile rissen die neuen Besitzer, die Johanniter den romanischen Chor und die Apsis der dreiteiligen Anlage ab und verbreiterten diesen Teil (vorwiegend in Backstein) auf die Maße des Kirchenschiffs. Dabei verwendeten sie die beim Abbruch des Alten in großer Zahl anfallenden Granitquader erneut für das Fundament und die unteren 6 Lagen des Neubaus, auf denen sie Backsteinmauern mit gotischen Blenden und Gewölben im Innenraum errichteten. Anstelle der ehemaligen romanischen Apsis entstand der stattliche Polygonalabschluss des neuen Chors. Bei dieser Gelegenheit fügte man auch eine Sakristei hinzu, die auf einem, sich mit halbrunden Formsteinen an die Wand anschließenden, vorspringenden Feldsteinsockel steht; ein verputztes, abgetrepptes Spitzbogenportal führt in sie hinein.

Bei genauerer Inspektion der Umbauten stellt sich heraus, dass die Verlegung der Quader im Fundamentbereich des Chors doch weniger akkurat ausfällt als bei den original romanischen Teilen. Außerdem liegen die Granitsteine hier auf Ziegelfundamenten und somit erscheint die zweite Deutung plausibler.

Chor und Sakristei von Norden
Chor von Süden mit Epitaphen und wieder verwendeten Feldsteinen

Das stimmungsvolle Innere mit mit seinen schönen Gewölberippen birgt einen barocken Kanzelaltar und den romanischen Grabstein eines Magister Johannes de Niendorf mit einem eingeritzten Abbild des Verstorbenen.

Feldsteinscheune

Komturei Lietzen Scheune Ansicht von Südost
Komturei Lietzen: Fünfgeschossige Feldsteinscheune, Ansicht von Südost

Auf dem noch teilweise von alten Mauern umgebenen Gelände der Kommende befindet sich eine große Rarität in der Architektur Brandenburgs: Eine Feldsteinscheune aus der Erbauungszeit der Komturei Lietzen. Da die Templer an dieser Stelle einen Stützpunkt oder eine Etappe auf dem weiteren Weg nach Osten geplant hatten, kam einer festen Vorratsscheune für diese Zwecke eine besondere Bedeutung zu. Für Durchreisende musste ein wesentlich größerer Vorrat an Lebensmitteln bereit gehalten werden als in einem “normalen” Dorf üblich. Eine solche “Schatztruhe” weckte sicherlich auch mehrfach die Begehrlichkeit durchziehender räuberischer Horden, was die Spuren von Zerstörung und Wiederaufbau nahelegen, die sich an den Mauern des Bauwerks abzeichnen.

Die Scheune hat an der östlichen Schmalseite einen hochgelegenen Eingang mit einem zweifach abgetreppten Rundbogenportal, der ins erste Geschoss führt. Die Höherlegung deutet auf einen darunter liegenden Keller hin, sein Eingang liegt rechts neben der Treppe. Unterhalb der Dachzone befinden sich (ausweislich der seitlichen rechteckigen Fenster) zwei Hauptgeschosse. Die Giebelfenster zeigen zwei weitere Geschosse im Dach an, wobei das erste durch zwei große gotische Biforen akzentuiert wird, die viel Licht einlassen sollen. Nach dem Erscheinungsbild der späteren Veränderungen (insbesondere der offensichtlich nachträglich eingesetzten gotischen Fenster) datiert man das Gebäude meist ins 14. oder 15. Jh., was im Widerspruch zu dem, besonders in den unteren Lagen, sehr sorgfältig bearbeiteten Feldsteinmauerwerk steht.

Wie an allen anderen mittelalterlichen Gebäuden auch, können wir an den Mauern die wechselvolle Geschichte des Bauwerks ablesen. Das Mauerwerk des gesamten unteren Bereichs ist (bis zu sieben Lagen hoch) ganz in der Manier der zweiten Phase der romanischen Feldsteinarchitektur der Mark Brandenburg ausgeführt: saubere Quaderung, lagige Anordnung und exakte Gebäudekanten. Zumindest diese Teile müssen zur Gründungszeit der Komturei erbaut worden sein. Je höher die Mauern aufsteigen, desto nachlässiger wird ihre Ausführung, entsprechend der Datierung der weiteren Phasen der brandenburgischen Romanik (Phase drei und vier).

Auf der Ostseite, an der sich die gotischen Fenster befinden, deutet das völlig ungeordnete Mauerwerk auf eine Reparatur nach kriegerischer Zerstörung hin, die Giebelspitze besteht komplett aus Backstein. Die Westseite weist ebenfalls einen hochgelegenen Eingang (hier ins zweite Geschoss des Hauptbaus) mit einem einfach getreppten Rundbogenportal auf. Auch hier erscheinen die backsteingefassten gotischen Fenster wie nachträglich eingesetzt. Das größte von ihnen liegt in der Giebelspitze und dient zur Belichtung des zweiten Dachgeschosses. Diese so archaisch wirkende Feldsteinscheune mit ihren “erzählenden” Mauern macht einen sehr starken Eindruck, wie auch die gesamte Komturei Lietzen.

Komturei Lietzen Scheune Ansicht von Nordost
Komturei Lietzen Scheune, Ansicht von Nordost
Komturei Lietzen Scheune Lagiges Gefüge und Quaderung des Mauerwerks
Lagiges Gefüge und gute Quaderung des Mauerwerks.

Neuentempel

Dorfkirche Neuentempel Anlage von Nordost
Dorfkirche Neuentempel. Anlage von Nordost

Auch die beiden Filialdörfer der Kommende, Neuentempel und Tempelberg, verdienen einen Besuch. In Neuentempel steht eine zweiteilige Anlage, bestehend aus Schiff und Turm. Auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass nur das Schiff aus der Zeit der Templer stammen kann, denn nur dieses besteht, wie die anderen Ordenskirchen auch, aus sorgfältig behauenen Quadern.

Dorfkirche Neuentempel Übergang vom Schiff zum Turm
Übergang vom Schiff zum Turm. Rechts im Schiff die (schwer erkennbare) zugesetzte und von einem Fenster durchbrochene originale Gemeindepforte. Der Unterschied der Qualität des Mauerwerks zwischen Schiff und Turm ist deutlich.

Der Turm muss aufgrund des ungeordneten Mauerwerks ins 15. Jh. datiert werden, so dass es sich hier – wie in Tempelhof und vielleicht auch in Lietzen – um einen einfachen Saalbau handelt, der ausweislich der hinter einem späteren Anbau auf der Südseite verborgenen spitzbogigen Priesterpforte um 1240 errichtet wurde, zur gleichen Zeit also wie die übrigen Templerkirchen.

Dorfkirche Neuentempel Ansicht von Südost
Ansicht von Südost mit neuzeitlichem Anbau
Dorfkirche Neuentempel Ansicht von Nordost
Ansicht von Nordost

Die gerade geschlossene Ostseite ist von besonderer Einfachheit – mit nur einem, noch dazu später veränderten Fenster und nicht mit der üblichen, auf die Trinität verweisenden Dreiergruppe. Bis auf die Priesterpforte sind alle anderen Öffnungen im Schiff durch entstellende Umbauten zur Zeit des Barock in ihrer Originalform nicht mehr zu erkennen. Auf diese Baumaßnahmen (vermutlich nach dem 30jährigen Krieg) dürfte auch die veränderte Dachform zurück gehen, wobei sich der Abdruck des alten, steileren Daches an der Ostseite des Turms noch erhalten hat.

Tempelberg

Dorfkirche Tempelberg Idyllisches Ensemble
Tempelberg: Idyllisches Ensemble mit Dorfteich, Kirchhofsmauer und Dorfkirche

Die Kirche von Tempelberg, idyllisch gelegen auf dem von einer Feldsteinmauer umgebenen alten Friedhof – am ausgedehnten Dorfanger mit großem Dorfteich – ist eine dreiteilige Anlage mit auf dem (verputzten) Westgiebel nachträglich aufgesetztem Dachreiter, ein Bautypus, der in großer Anzahl im Fläming vorkommt. Die urkundliche Erwähnung als Templerbesitz und die sorgfältige Bearbeitung des Granitmauerwerks datieren auch dieses Gebäude in die Bauzeit der Komturei Lietzen.

Dorfkirche Tempelberg Staffelung der dreiteiligen Anlage. Ansicht von Nordost
Dorfkirche Tempelberg, Ansicht von Nordost. Staffelung der dreiteiligen Anlage.
Dorfkirche Tempelberg Ansicht von Südost
Dorfkirche von Südost mit Anbau der Patronatsloge
Dorfkirche Tempelberg Ansicht von Nordwest
Ansicht von Nordwest
Dorfkirche Tempelberg Apsis mit Fenstern aus der Erbauungszeit
Apsis mit verändertem und zugesetztem Fenster, Spuren von Zerstörung
Dorfkirche Tempelberg Zugesetztes Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes
Zugesetztes Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes

Als Besonderheit finden wir an der Südseite dieser Kirche, neben einem in späterer Zeit veränderten Portal, einen Granitstein mit eingeritztem Jerusalemskreuz. Dieses Kreuz mit vier in die Kreuzarme eingestellten kleinen Kreuzen steht symbolisch für die fünf Wundmale Jesu und war das Wappen des Königreichs Jerusalem – endlich einmal ein Hinweis auf den Herkunftsort der Ritterorden! Die Templer besaßen eigentlich ein eigenes Wahrzeichen, das Templerkreuz, das aber als Original merkwürdiger Weise in Brandenburg nirgendwo auftaucht. Bei der Neuverglasung der Apsisfenster von Tempelberg hat man in Buntglas zwei neue Templerkreuze eingefügt.

Dorfkirche Tempelberg Jerusalemstein am zugesetzen Portal der Südfassade des Schiffs
Jerusalemstein am zugesetzen Portal der Südfassade des Schiffs
Lagiger Aufbau des exakt gequaderten Mauerwerks
Lagiger Aufbau des exakt gequaderten Mauerwerks
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Blick nach Osten
Innenraum Blick nach Osten
Dorfkirche Tempelberg Innenraum nördliches Apsisfenster und Epitaphe
Nördliches Apsisfenster mit Templerkreuz und Epitaphen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Blick nach Westen
Innenraum Blick nach Westen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum südliches Apsisfenster und Epitaphe
Südliches Apsisfenster mit Templerkreuz und Epitaphen
Dorfkirche Tempelberg Innenraum Altar
Originaler Altartisch mit barockem Aufsatz

Infobox


Empfohlene Route

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Weblinks

Komturei Lietzen: https://www.komturei-lietzen.de/

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.: Dorfkirche Neuentempel

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.: Dorfkirche Tempelberg