Kloster Dobrilugk

Kloster Dobrilugk Klosterkirche Südansicht
Kloster Dobrilugk Klosterkirche Südansicht
Vom vielen Liegen bin ich wund wie Esau,
mein glattes Haar ist ganz struppig geworden.
Süßer Sommer, wo bist du nur hin?
Wie gerne säh‘ ich bei der Feldarbeit dir zu!
Wenn diese Schwermut mich noch lange
in ihren Fängen hält, möchte ich lieber
Mönch sein in Toberlu.

Walther von der Vogelweide - Diu werlt was gelf, rôt unde blâ , letzte Strophe

Die Gründung des Zisterzienserklosters Dobrilugk durch den Markgrafen der Lausitz, Dietrich II. von Wettin erfolgte aus ähnlichen Motiven wie die von Lehnin durch die Askanier in Brandenburg. 1165 berief er aus dem Mutterkloster Volkenroda in Thüringen Zisterziensermönche, die ein religiöses Zentrum begründen, beim Landesausbau helfen und in ihrer Klosterkirche die markgräfliche Grablege betreuen sollten. Dazu wurde das Kloster reichlich mit Landbesitz ausgestattet.

Die Mönche rodeten Wälder und legten Sümpfe trocken und schufen somit die Voraussetzung für einen erfolgreichen Acker- und Obstanbau. Sie errichteten Grangien (bäuerliche Wirtschaftshöfe), die von Laienbrüdern (Konversen) betrieben wurden und sicherten sich den Besitz von Seen und Teichen zur Fischzucht.

In den Städten Luckau und Lübben unterhielt das Kloster Niederlassungen, in denen die Klosterprodukte vermarktet wurden. In der „Charta Caritatis“ war vorgeschrieben:

„Die Mönche müssen von ihrer Hände Arbeit, Ackerbau und Viehzucht leben. Daher dürfen sie zum eigenen Gebrauch besitzen: Gewässer, Wälder, Weinberge, Wiesen, Äcker und Tiere.“

Carta Caritatis

Der große Besitz trug später zum Niedergang der Abtei bei, denn die Einnahmen waren so hoch, dass die Mönche nichts mehr tun mussten und die Landesherren begehrlich auf ihre Liegenschaften wurden.

Grundsteinlegung

Aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen Dietrichs mit Heinrich dem Löwen um den Besitz des Landes östlich der Elbe konnte der Grundstein für die Kirche erst 1184 gelegt werden. Die Bauarbeiten zogen sich 40 Jahre bis zur Einweihung hin. Gemäß der Bauregeln der Zisterzienser entstand eine turmlose Basilika (lediglich ein Dachreiter über der Vierung war erlaubt) mit Querschiff und Chor, sowie zwei Nebenchören. Wie für die Klöster dieses Ordens üblich, gründete man es außerhalb einer Stadt, auf einer Gemarkung mit dem slawischen Namen Dobrilugk (gutes Wiesenland). Die nächst gelegene Stadt Kirchhain, deren Name auf Kyrckhagen zurückzuführen ist, war von Deutschen besiedelt.

Kloster Dobrilugk Querschiff, Chor und Apsis von Südost
Querschiff, Chor und Apsis von Südost. Über dem unteren Fenster des Querschiffs kann man den zugesetzten Bogen zum Nebenchor erkennen
Kloster Dobrilugk Ostansicht von Querschiff, Chor und Apsis
Ostansicht von Querschiff, Chor und Apsis
Apsis mit gestuften Rundbogenfenstern und Schmuckfriesen
Apsis mit gestuften Rundbogenfenstern und vielfachen Schmuckfriesen

Baumaterial Backstein

Als Baumaterial dienten in der Klosterziegelei hergestellte Backsteine, die teilweise auch für Bauten in vom Kloster abhängigen Dörfern verwendet wurden. Aufgrund der langen Bauzeit geht der Baustil der Kirche vom hochromanischen in den spätromanisch/frühgotischen über. Trotz der zisterziensersischen Strenge ist der Bau außen mit Zahnschnittfriesen und „Deutschem Band“ verziert, Ornamente, die man im Ziegelbau leicht herstellen konnte.

Kloster Dobrilugk Klosterkirche von Südwest
Klosterkirche von Südwest
Kloster Dobrilugk Dreiportalige Westfassage der Klosterkirche
Dreiportalige Westfassade der Klosterkirche. Die Spuren der großen Bögen, die an der horizontalen Baunaht enden, könnten Reste einer Vorhalle sein.
Hauptportal der Klosterkirche
Hauptportal der Klosterkirche mit typischem Renaissance-Dekor

Drei Gebäudeflügel waren um den Kreuzgang herum im Süden an die Kirche angebaut. Sie bildeten die Klausur mit Laienflügel (im Westen), Mönchsflügel (im Osten) und dem Refektorium im Südflügel. Letzterer hat als einziger die Abriss- und Umbauten nach der Aufhebung des Klosters Dobrilugk überstanden. Er stammt in seiner jetzigen Form aus der Spätgotik und wurde zusammen mit der Kirche 2014 renoviert. Das Klosterensemble macht mit dem auf mittelalterliche Weise wieder hergestellten Außenanstrich (eine zartrote Ziegelschlämme) und den schlichten romanischen Formen einen großartigen Eindruck.

Kloster Dobrilugk Klosterkirche und Refektorium von Nordost
Kloster Dobrilugk Klosterkirche Südansicht
Portal im nördlichen Querschiff
Vermauertes Portal im nördlichen Querschiff
Nordwand des Refektoriums
Nordwand des Refektoriums
Zugesetztes Portal in der Klostermauer
Zugesetztes Portal in der Klostermauer
Sonnenuhr an der Südwand der Sakristei
Sonnenuhr an der Südwand der Sakristei

Inneres

Das Innere ist immer noch durch die historisierende Renovierung von 1905 geprägt, wo versucht wurde, die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangene Inneneinrichtung „nachzuempfinden“. Auch hier sind die Ziegel rot gefärbt (allerdings mit einem Farbanstrich) und zusätzlich die Fugen zwischen den Ziegeln weiß nachgemalt. Das sorgt für ein, dem romanischen Raumeindruck zuwiderlaufendes, unruhiges Bild. Aber die romanische Architektur spricht eine klare Sprache: Massive Pfeiler mit niedrigen, leicht angespitzten Arkaden tragen die Hochschiffwand, auf der ein Rippengewölbe aufliegt.

Kloster Dobrilugk Gewölbe und Fenster des Kirchenschiffs
Gewölbe und Fenster des Kirchenschiffs

Die Einwölbung war von Anfang an geplant, wie man an den paarweise angeordneten originalen Fenstern in der Hochschiffwand erkennen kann. Sie lassen Platz für die dazwischen liegenden Dienste und Gewölberippen. Die Wölbung ist im „gebundenen System“ gehalten, wo man jeweils einem quadratischen Gewölbejoch des Mittelschiffs zwei halb so große in den Seitenschiffen zuordnete. Das einschiffige Querschiff und das Chorquadrat mit Apsis vervollständigen den ungestörten Eindruck einer romanischen Kirche. Östlich an das Querschiff angebaut, existierten allerdings noch zwei Nebenchöre, die bei den späteren Umbauarbeiten abgerissen wurden.

Säkularisierung

Nach der Reformation wurde das Kloster Dobrilugk aufgelassen und ging in den Besitz des Landesherrn (den sächsischen Herzog) über, der sich anstelle des Abtgebäudes ein vierflügeliges Renaissanceschloss erbauen ließ und die Kirche zur Schlosskirche und Pfarrkirche der inzwischen beim Kloster entstandenen Stadt bestimmte. Der Umwidmung als Schlosskirche ist der Einbau der Fürstenloge ins Querschiff zu verdanken, die einen Hauch von Pracht in die schlichte Zisterzienserarchitektur bringt.

Im Jahre 1815, nach dem Wiener Kongress, kam Dobrilugk zu Preußen, der heutige Ortsname Doberlug stammt übrigens erst aus der Zeit des Nationalsozialismus, als man versuchte, alle slawischen Ortsnamen zu tilgen und „Dobrilugk“ (von Dobra luh – gute Wiese) in Doberlug umänderte, was sich mit Luch am Dober (Feuchtgebiet am Dober, einem anderen Name für die Weiße Elster) übersetzen ließ.

Schloss Doberlug, Umbau des ehemaligen Abtshauses des Klosters
Schloss Doberlug, Umbau des ehemaligen Abtshauses des Klosters

Das gesamte Kirchengebäude wurde in dieser Zeit barockisiert, was aber – nach langen Jahren des Niedergangs und Verfalls – wieder zurückgenommen und durch eine äußerst nüchterne, purifizierende Gestaltung ersetzt wurde. Im Zeitalter des Wilhelminismus konnte man diese Nüchternheit nicht mehr ertragen und entschloss sich zur oben erwähnten historisierenden Gestaltung von Carl Weber, bei der auch der Chorraum durch Ernst Fey ausgemalt und die Chorfenster mit Bleiverglasung versehen wurden. Als einziges mittelalterliches Ausstattungsstück finden wir nur noch einen schönen spätgotischen Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert.

Abstecher nach Frankena

Abseits der Route befindet sich eine weitere sehenswerte Dorfkirche in nordöstlicher Richtung im nur sieben Kilometer entfernten Frankena. Ein Besuch wird unbedingt empfohlen!

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Evangelische Zisterzienserklosterkirche Doberlug


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