Bad Belzig, Burg und Marienkirche

Burg Belzig

Bad Belzig Burg Eisenhardt Südwest-Rondell und Bergfried
Bad Belzig, Festung Eisenhardt: Südwest-Rondell und Artillerieturm des Torhauses. Im Hintergrund der romanische Bergfried der Burg Belzig.

Festung Eisenhardt

Am südwestlichen Rand der Stadt Bad Belzig liegt auf einem spornartig hervortretenden Höhenrücken des Fläming die Festung Eisenhardt. Die sehr eindrucksvolle Anlage mit ihren fünf Rondellen und dem doppeltürmigen Torhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. und wurde von den Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg errichtet. Inmitten ihres weitläufigen Inneren steht auf einer Anhöhe ein hoher Rundturm aus Feldstein. Bei ihm handelt es sich um den romanischen Bergfried des Vorgängerbaus der Festung Eisenhardt. Diese (wesentlich kleinere) Burg Belzig nahm den höchsten Punkt des Geländes ein und existierte bis zum Anfang des 15. Jh., als sie von Truppen des Magdeburger Erzbischofs zerstört und durch die – auch Feuerwaffen standhaltende – Festung ersetzt wurde.

Baugeschichte der Burg Belzig

Erbaut wurde die romanische Burg von den Grafen von Belzig. Baderich, der erste bekannte Vertreter dieses Geschlechts, wurde bereits 1157 (bei der Eroberung Brandenburgs) königlicher Burggraf und damit Schirmvogt der Brandenburger Bischöfe. Bis 1226 hatte sein Geschlecht dieses Amt inne. Sein Sohn Siegfried baute Belzig zu jener Burg aus Feldstein aus, von der jetzt noch aufschlussreiche Mauerreste zeugen.

Grundriss der Burg Eisenhardt in Bad Belzig mit Resten der romanischen Burg (schwarz gefülltes Mauerwerk). Ursprüngliche Zeichnung S. Breitling, © Burgenkarte Brandenburg. Ausrichtung nach N, Beschnitt und Schwärzen des romanischen Mauerwerks durch A. Soujon
Grundriss der Burg Eisenhardt in Bad Belzig mit Resten der romanischen Burg (schwarz gefülltes Mauerwerk). Ursprüngliche Zeichnung S. Breitling, © Burgenkarte Brandenburg. Ausrichtung nach N, Beschnitt und Schwärzen des romanischen Mauerwerks durch A. Soujon

Als das Geschlecht der Grafen von Belzig um 1250 ausstarb, wurde ihr Herrschaftsgebiet unter den Askaniern aufgeteilt. Der südliche Teil fiel an die sächsische, der nördliche an die brandenburgische Linie des Hauses. Für die neuen Herren von Belzig, die sächsischen Herzöge und Kurfürsten, hatte die Burg eine wichtige strategische Bedeutung zur Sicherung ihres Landes im Norden gegen Magdeburg und Brandenburg. Sie diente fortan zum Schutz der Landesgrenze und war eine Gerichts – und Zollstätte für die Untertanen des Amtes Belzig, die von einem Schloßhauptmann oder Amtmann verwaltet wurde. Lange Zeit noch hielt die romanische Burg kriegerischen Auseinandersetzungen stand, so wurde sie 1395 erfolgreich gegen die Truppen des Erzbischofs von Magdeburg verteidigt.

Doch mit dem Aufkommen von Feuerwaffen wurden mittelalterliche Burgen obsolet. 1406 eroberten die Magdeburger Burg und Stadt Belzig erneut und zerstörten sie. Die sächsischen Herzöge ließen nach ihrer Rückkehr den Neubau der Festung Eisenhardt errichten, die dem aktuellen Stand der Verteidigungstechnik viel besser entsprach. Die Reste der romanischen Burg verschwanden bis auf den Bergfried unter meterhohen Aufschüttungen. 1905 ließ der Burgenbau-Experte Bodo Ebhard erstmalig Ausgrabungen vornehmen um das Aussehen der alten Burg Belzig herauszufinden.

Längsschnitt der romanischen Burg. Zeichnung Th. Langer 2002
Längsschnitt der romanischen Burg und des Burghügels.
Zeichnung Th. Langer 2002, aufgenommen von einer öffentlich zugänglichen Schautafel.

Bergfried

Bergfried der Burg Belzig
Bergfried der Burg Belzig
Burg Belzig. Bergfried mit Ausbesserungen in Backstein und Resten der Schildmauer
Bergfried mit Ausbesserungen in Backstein und Resten der Schildmauer

Der gewaltige Bergfried ist als einziger Bauteil der romanischen Burg im Großen und Ganzen erhalten geblieben, allerdings besserte man Mitte des 19. Jh. größere Teile mit Backsteinziegeln aus. In 12 m Höhe befindet sich die originale Eingangspforte, die man damals über eine äußere, im Ernstfall hochziehbare, Holztreppe erreichte. Neben seiner Funktion als Wacht- und Verteidigungsturm diente ein Bergfried auch als letzte Zufluchtsstätte einer Burg. Der mit einem Abort und einem Kamin versehene Raum im Eingangsgeschoss hoch oben ist ein Beleg dafür. Er und zwei weitere Räume darüber sollten wohl in Kriegszeiten einen längeren Aufenthalt ermöglichen. Das Untergeschoss des Turms diente wie üblich als Verlies. Um den Bergfried herum sind verschiedene Mauerzüge aus Feldstein frei gelegt, die Hinweise auf das Aussehen der Burg um 1200 geben. Sie war deutlich kleiner als die heutige Festung und passte sich der Form des Burghügels an.

Burg Belzig. Blick auf Reste der romanischen Burganlage, im Hintergrund die überbaute Kapelle.
Blick nach Nordwesten auf Reste der romanischen Burganlage, im Hintergrund die mit einer Aussichtsplattform überbaute Kapelle. Im Vordergrund ein großes, langgestrecktes Gebäude mit Kamin und Portal.

Kapelle und weitere Bauteile

Reste der romanische Burgmauer mit Mauerturm
Nördlicher Turm und Reste der romanischen Ringmauer
Reste der Ringmauer an der Kapelle
Reste der 5m hohen Umfassungsmauer an der Kapelle

Eine Schildmauer zwischen dem Bergfried und der Kapelle trennte wohl den Bereich der kleineren Kernburg im Westen von der ausgedehnten Vorburg im Osten. An der nördlichen Ringmauer ist ein nach außen hervortretender, quadratischer Wehrturm mit zwei Stützpfeilern noch gut zu erkennen.

Burg Belzig. Reste des romanischen Mauerturms nordwestlich der Kapelle.
Reste des romanischen Mauerturms nordwestlich der Kapelle.
Romanisches Mauerwerk mit Portalöffnung in der westlichen Verlängerung der Kapelle. Rechts die Mauer des Westturms.
Romanisches Mauerwerk mit Portalöffnung in der westlichen Flucht der Kapelle. Rechts die Mauer des Westturms.

Unmittelbar daneben grub man 1993 die romanische Burgkapelle aus, die ähnlich wie die gleichzeitigen Dorfkirchen im Fläming die charakteristische Staffelung der Komponenten Schiff, Chor und Apsis aufweist. 2007 fanden weitere Untersuchungen statt, nach denen man auch das alte Fußbodenniveau wiederherstellte. Der Chor, dessen Ansätze des Apsis- und Triumphbogens noch erkennbar sind, zeigt Spuren eines Kreuzgewölbes. Bei einer späteren Umbaumaßnahme (evtl. nach dem Bau der Festung) trennte man den Chor durch eine Ziegelwand mit Tür vom Schiff ab. Das deutet auf eine Profanierung des Gebäudes hin und könnte im Zusammenhang mit der Errichtung einer neuen Burgkapelle (St. Briccius) vor dem Tor der Festung Eisenhardt stehen. Die Auffindung der romanischen Burgkapelle stellte in jedem Fall eine archäologische Sensation dar, ist sie doch das einzige Exemplar dieser Art in Brandenburg.

Bad Belzig Kapelle Blick vom Apsisfenster auf Chor und Schiff
Kapelle: Blick vom Schießschartenfenster der Apsis auf Chor und Schiff.
Kapelle Blick von Westen auf Schiff, Chor und Apsis
Blick von Westen auf Schiff, Chor und Apsis. Die nachträgliche Abmauerung des Chors ist gut zu erkennen.
Burg Belzig. Überbaute Apsis der Kapelle sowie Reste der Ringmauer (rechts) und der Mauer zum Burghof (links)
Mit einer Plattform überbaute Apsis der Kapelle sowie Reste der Ringmauer (rechts) und der Mauer zum Burghof (links)

Leider wurde dieses bedeutende Gebäude anschließend durch “sichernde” Umbauten stark verschandelt, als man ein modernes Schutzdach mit Aussichtsplattform auf dem Grundriss aufbrachte und den Blick ins Innere durch Fußabtreter-ähnliche Metallkonstruktionen zustellte.

Burg Belzig Rekonstruktionszeichnung der romanischen Kapelle, korrigiert entsprechend des Grundrisses durch J. Werner. Ursprüngliche zeichnung fotografiert von einer öffentlich zugänglichen Schautafel.
Burg Belzig Rekonstruktionszeichnung der romanischen Kapelle, korrigiert entsprechend des Grundrisses durch J. Werner. Ursprüngliche Zeichnung fotografiert von einer öffentlich zugänglichen Schautafel.

Die übrigen erhaltenen Mauerreste der romanischen Burganlage lassen sich nicht so deutlich identifizieren wie die bereits beschriebenen. Mit Sicherheit war das Gelände östlich der Hauptburg ebenfalls ummauert und diente (wie in Ziesar und Rabenstein) als Vorburg, in der sich die Wirtschaftsgebäude befanden. Ein langgestrecktes Gebäude mit Kamin und Portal ist noch gut zu erkennen. Auch der hier befindliche Burgbrunnen geht noch auf die romanische Anlage zurück.

Marienkirche

Bad Belzig St. Marienkirche Westturm
Bad Belzig, St. Marienkirche, Westturm

Die Belziger Marienkirche ist ein gutes Beispiel für eine brandenburgische romanische Stadtkirche. In der Südansicht, vom Kirchplatz aus, ist zunächst von einem romanischen Bauwerk nichts zu erkennen. Bei einer Vergrößerung der Kirche im späten Mittelalter wurde hier nämlich ein zweites Schiff an das Langhaus angefügt. Deshalb muss man das Gebäude erst umrunden und dabei im Mauerwerk “lesen”, wie die romanische Anlage aussah. Es kristallisiert sich dann ein einschiffiges, kreuzförmiges Bauwerk mit breitem Westriegel und einer Apsis im Osten heraus. Am Querschiff befanden sich zwei Nebenapsiden.

Chor

Am besten gelingt das Ablesen, wenn man an der Nordseite des rechteckigen Chors beginnt. Dort offenbart eine Baunaht, dass der (gegenüber dem Schiff leicht eingezogene) Chor zur Zeit der Gotik auf die doppelte Länge gebracht wurde, wobei die romanische Apsis verloren ging. Der vergrößerte Chor ist nun gerade geschlossen und besitzt zwei Ost-Fenster aus späterer Zeit. Die originale Hälfte des Chors hat noch die ursprünglichen zwei Rundbogenfenster.

Bad Belzig Marienkirche Chor Nordseite mit Baunaht
Marienkirche, Nordostansicht auf den Chor mit zwei romanische Originalfenstern. Baunaht zur Chor-Verlängerung im linken Drittel.

Schiff und Querschiff

Am Nordteil des sich anschließenden Querschiffs sieht man noch die Spuren der ebenfalls abgebrochenen nördlichen Nebenapsis, ferner zeugen sauber behauene Feldsteine, vermauerte Rundbogenfenster und akkurat gemauerte Gebäudeecken von dem romanischen Bauwerk. Die Nordseite des Kirchenschiffs zeigt sich noch original mit romanischen Fenstern und einem, später zugesetzten, Nordportal.

Marienkirche nördliches Querschiff mit Resten der abgerissenen Nebenapsis
Marienkirche, nördliches Querschiff mit Resten der abgerissenen Nebenapsis

Turm

Der Querriegel, auf dem sich links ein Turm erhebt, übertrifft die Kirchenbreite um gut zwei Meter. Vor der Westseite stehend, kann man das Schicksal der Marienkirche aus den Störungen im Mauerwerk deutlich ablesen: Der mächtige Westriegel wurde offensichtlich so stark beschädigt, dass er teilweise einstürzte. Beim Wiederaufbau entschloss man sich für eine eintürmige Lösung, was dem Ganzen durch das Schrägdach über dem rechten, turmlosen Teil ein stark provisorisches Aussehen verleiht.

Marienkirche Turmpforte mit Luther-Gedenkschild
Marienkirche, Turmpforte mit Luther-Gedenkschild

Das originale Mauerwerk kann man an den gut bearbeiteten Feldsteinen und den akkuraten Gebäudekanten ohne weiteres erkennen. Der Westriegel öffnet sich in einem dreifach gestuften, rundbogigen Portal, über dem eine Inschrift auf einen Besuch Martin Luthers 1530 hinweist. Auch an den Wangen des Portals sind die Beschädigungen noch gut ablesbar.

Südseite und Sakristei

Bad Belzig Marienkirche Südansicht
Marienkirche, Südansicht

Der Südteil der Kirche mit seinen vier übergiebelten Querbauten enthält die Erweiterung des Schiffs unter zwei Giebeln und das originale, südliche Querschiff unter dem dritten, erkennbar an der regelmäßigen, lagigen Feldsteinquaderung und der scharfen Gebäudekante. Alle drei besitzen große spitzbogige Fenster aus dem späten Mittelalter. Der darauffolgende, kleinere und vom Querschiff abgesetzte Bau, die Sakristei, stammt ebenfalls aus dem Spätmittelalter und verdeckt die romanische Südseite des Chors.

Innenraum

Marienkirche romanische Vierung
Marienkirche, romanische Vierung

Betritt man das Innere, ist man zunächst über die Weite des Kirchenschiffs erstaunt, das keine basilikale Unterteilung in drei Schiffe aufweist und wie eine Frühform der Hallenkirche wirkt. Sehr monumental sind die drei Rundbögen (Triumphbogen und zwei Seitenschiffbögen), die Schiff, Chor und Querhaus voneinander separieren.

Marienkirche romanisches Querschiff
Marienkirche, romanisches Querschiff mit zugesetzten originalen Fenstern

In der Südwand des Chors, dicht beim Triumphbogen, befindet sich noch die originale, romanische Priesterpforte. An der Westwand des Hauptschiffs sieht man zwei große, vermauerte Bögen, die früher die Verbindung zum Westriegel darstellten. Ansonsten ist der Inneneindruck protestantisch-nüchtern.

Zerstörungen im 30-jährigen Krieg

Während des 30-jährigen Krieges brach 1636 die große Katastrophe über Belzig herein: Die Schweden, die 1632 ihren in der Schlacht bei Lützen gefallenen König Gustav Adolf II. auf dem großen Leichenzug von Weißenfels nach Wolgast angeblich in der Marienkirche aufgebahrt hatten, waren 1634 nach Belzig zurückgekehrt. Ihr Befehlshaber residierte auf Burg Eisenhard. Bis auf die “üblichen” Requirierungen und Plünderungen kam die Stadt dabei noch glimpflich davon aber zwei Jahre später war das anders. Beim erneuten Durchzug der Schweden wurde die Stadt geplündert, angesteckt und brannte total ab. Die Festung Eisenhardt, die Marienkirche und sämtliche Häuser der Stadt wurden dabei zerstört. Nur zögerlich kam der Wiederaufbau in dem verarmten Land in Gang, der Westriegel der Kirche ist ein beredtes Zeugnis für die verheerenden Ereignisse dieses Krieges.

Grundriss

Belzig Marienkirche, Grundriss nach Georg Dehio, gemeinfrei.
Grundriss der Marienkirche, romanische Teile (bis auf die Ostteile) tiefschwarz. Abgerissene Apsiden gestrichelt. Nach Georg Dehio, gemeinfrei.

Infobox


Adresse

Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

Burg Eisenhardt

Marienkirche