Bad Belzig, Burg und Marienkirche

Burg Eisenhardt

Bad Belzig Burg Eisenhardt Südwest-Rondell und Bergfried
Bad Belzig Burg Eisenhardt, Süd-West-Rondell und Artillerieturm des Torhauses. Im Hintergrund der romanische Bergfried der Kernburg

Erbauung

Am südwestlichen Rand der Stadt Bad Belzig liegt auf einem spornartig hervortretenden Höhenrücken des Fläming die Festung Eisenhardt. Die sehr eindrucksvolle Anlage mit ihren fünf Rundtürmen und dem doppeltürmigen Torhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 15 Jh. Inmitten des weitläufigen Inneren steht auf einer Anhöhe ein sehr hoher Rundturm aus Feldstein. Er stellt den romanischen Bergfried des Vorgängerbaus von Eisenhard, der Burg Belzig dar. Diese gruppierte sich um den höchsten Punkt des Geländes und existierte bis zum Anfang des 15. Jh., als sie von Truppen des Magdeburger Erzbischofs zerstört wurde.

Erbaut wurde die romanische Burg von den Grafen von Belzig. Der erste bekannte Vertreter dieses Geschlechts muss um 1150 königlicher Burggraf von Brandenburg geworden sein. Die Bischöfe von Brandenburg wählten diese Grafen bis 1226 zu ihren Schirmvögten. Die Grafen bauten die Belziger Burg im Verlaufe eines Jahrhunderts zu jener Burg aus Feldstein aus, von der jetzt noch aufschlussreiche Mauerreste zeugen.

Als das Geschlecht der Grafen von Belzig um 1250 ausstarb, teilte man das Herrschaftsgebiet. Der südliche Teil mit Belzig fiel an Sachsen, der nördliche an Brandenburg. Für die neuen Herren, die sächsischen Herzöge und Kurfürsten hatte die Burg eine wichtige strategische Bedeutung zur Sicherung des nördlichsten Zipfels ihres Landes gegen Magdeburg und Brandenburg. Lange Zeit noch hielt die romanische Burg den kriegerischen Auseinandersetzungen stand, so wurde sie 1395 erfolgreich gegen die Truppen des Erzbischofs von Magdeburg verteidigt.

Doch mit dem Aufkommen der Feuerwaffen wurden mittelalterliche Burgen obsolet. 1406 eroberten die Magdeburger Burg und Stadt Belzig und zündeten sie an. Nach der Rückkehr der sächsischen Herzöge errichtete man als Neubau Burg Eisenhard, die dem damaligen Stand der Verteidigungstechnik besser entsprach. Die Reste der romanischen Burg verschwanden bis auf den Bergfried unter meterhohen Aufschüttungen. 1905 ließ der Burgenbau-Experte Bodo Ebhard erstmalig Ausgrabungen vornehmen um das Aussehen der alten Burg Belzig herauszufinden.

Bergfried

Bergfried Feldsteinseite
Bergfried der Kernburg
Bergfried Übergang von Feldtein zu Backstein
Bergfried Übergang von Feldstein zu Backstein

Der gewaltige Bergfried ist als einziger Bauteil der romanischen Burg komplett erhalten geblieben. In 12 m Höhe befindet sich die originale Eingangspforte, die man damals über eine äußere Holztreppe erreichte. Neben seiner Funktion als Wacht- und Verteidigungsturm diente ein Bergfried auch als letzte Zufluchtsstätte einer Burg. Der mit einem Abort und einem Kamin versehene Raum im Eingangsgeschoss hoch oben ist ein Beleg dafür und sollte wohl in Kriegszeiten einen längeren Aufenthalt ermöglichen. Um den Bergfried herum sind verschiedene Mauerzüge aus Feldstein frei gelegt, die Hinweise auf das Aussehen der Burg um 1200 geben. Sie war deutlich kleiner als die heutige Festung und passte sich der Form des Burghügels an.

Kapelle und weitere Bauteile

Reste der romanische Burgmauer mit Mauerturm
Reste der nördlichen romanische Burgmauer mit Mauerturm
Reste der Ringmauer an der Kapelle
Reste der 5m hohen Ringmauer an der Kapelle

Eine hohe Schildmauer schützte den mächtigen Bergfried und verband ihn mit den Wohngebäuden. In der nördlichen Wehrmauer ist noch gut ein nach außen hervortretender, quadratischer Wehrturm zu erkennen. Unmittelbar daneben grub man 1993 die romanische Burgkapelle aus, die ähnlich wie die romanischen Dorfkirchen im Fläming die charakteristische Staffelung der Baukörper in Schiff, Chor und Apsis aufweist. 2007 fanden weitere Untersuchungen in der Kapelle statt, bei denen man das alte Fußbodenniveau wiederherstellte.

Bad Belzig Kapelle Blick vom Apsisfenster auf Chor und Schiff
Kapelle: Blick vom Fenster der Apsis auf Chor und Schiff
Kapelle Blick von Westen auf Schiff, Chor und Apsis
Kapelle: Blick von Westen auf Schiff, Chor und Apsis

Leider wurde dieses hoch bedeutsame Gebäude anschließend durch “sichernde” Anbauten stark verschandelt, als man ein modernes Schutzdach mit Aussichtsplattform aufbrachte und den Blick ins Innere durch Fußabtreter-ähnliche Metallkonstruktionen zustellte.

Burgreste: Links Hof der Kernburg. Hinten Kapelle mit Aussichtsplattform
Burgreste: Links Hof der Kernburg. Hinten Kapelle mit Aussichtsplattform
Apsis der romanischen Kapelle
Apsis der romanischen Kapelle
Burg Belzig Rekonstruktionszeichnung Kapelle
Burg Belzig Rekonstruktionszeichnung der romanischen Kapelle. Aufgenommen von einer öffentlich zugänglichen Ansichtstafel.

Die weiteren erhaltenen Mauerzüge der romanischen Burganlage geben keine so deutlichen Hinweise auf ihre Funktion wie die bereits erwähnten. Das Gelände östlich der Kernburg war ebenfalls ummauert und diente als eine Art Vorburg.

Marienkirche

Bad Belzig St. Marienkirche Westturm
Bad Belzig, St. Marienkirche, Westturm

Die Belziger Marienkirche ist ein gutes Beispiel für eine brandenburgische romanische Stadtkirche. In der Südansicht, vom Kirchplatz aus, ist zunächst nichts von einem romanischen Bauwerk zu sehen. Bei einer Vergrößerung der Kirche im späten Mittelalter wurde hier nämlich ein zweites Schiff an das Langhaus angefügt. Deshalb muss man das Gebäude erst umrunden und dabei im Mauerwerk “lesen”, wie die romanische Anlage aussah.

Chor

Am besten gelingt das, wenn man an der Nordseite des rechteckigen Chors beginnt. Dort offenbart eine Baunaht, dass der Chor zur Zeit der Gotik auf die doppelte Länge gebracht wurde, wobei die romanische Apsis verloren ging. Der vergrößerte Chor ist gerade geschlossen und besitzt zwei Ost-Fenster aus späterer Zeit. Der originale Teil des Chors hat noch die ursprünglichen zwei Rundbogenfenster.

Bad Belzig Marienkirche Chor Nordseite mit Baunaht
Marienkirche, Nordostansicht mit Baunaht an der Chor-Verlängerung links sowie zwei romanische Originalfenster. Rechts unten der Rest der abgebrochenen Nebenapsis.

Schiff und Querschiff

Am Nordteil des sich anschließenden Querschiffs sieht man noch die Spuren der ebenfalls abgebrochenen nördlichen Nebenapsis, ferner zeugen sauber behauene Feldsteine, vermauerte Rundbogenfenster und akkurat gemauerte Gebäudeecken von dem romanischen Bauwerk. Die Nordseite des Kirchenschiffs zeigt sich noch original mit romanischen Fenstern und einem, später zugesetzten, Nordportal.

Marienkirche nördliches Querschiff mit Resten der abgerissenen Nebenapsis
Marienkirche, nördliches Querschiff mit Resten der abgerissenen Nebenapsis

Turm

Ein Mauervorsprung leitet zum über die Kirchenbreite überstehenden Turmgebäude. Vor der Westseite stehend, kann man das Schicksal der Marienkirche aus den Störungen im Mauerwerk gut ablesen: Ein mächtiger Westriegel wurde offensichtlich so stark beschädigt, dass er teilweise einstürzte. Beim Wiederaufbau entschloss man sich für eine eintürmige Lösung, was dem Ganzen durch das Schrägdach über dem rechten, turmlosen Teil ein stark provisorisches Aussehen verleiht.

Marienkirche Turmpforte mit Luther-Gedenkschild
Marienkirche, Turmpforte mit Luther-Gedenkschild

Das originale Mauerwerk kann man an den gut bearbeiteten Feldsteinen und den akkuraten Gebäudekanten ohne weiteres erkennen. Der Westriegel öffnet sich in einem dreifach gestuften, rundbogigen Portal, über dem eine Inschrift auf einen Besuch Martin Luthers 1530 hinweist. Auch an den Wangen des Portals sind die Beschädigungen noch gut ablesbar.

Südseite und Sakristei

Bad Belzig Marienkirche Südansicht
Bad Belzig Marienkirche Südansicht

Der Südteil der Kirche mit seinen vier übergiebelten Querbauten enthält die Erweiterung des Schiffs unter zwei Giebeln und das originale, südliche Querschiff unter dem dritten, erkennbar an der regelmäßigen, lagigen Feldsteinquaderung und der scharfen Gebäudekante. Alle drei besitzen große spitzbogige Fenster aus dem späten Mittelalter. Der darauffolgende, kleinere und vom Querschiff abgesetzte Bau, die Sakristei, stammt ebenfalls aus dem Spätmittelalter und verdeckt die romanische Südseite des Chors.

Innenraum

Marienkirche romanische Vierung
Marienkirche romanische Vierung

Betritt man das Innere, ist man zuerst über die Weite des Kirchenschiffs erstaunt, das keine basilikale Unterteilung in drei Schiffe aufweist und wie eine Frühform der Hallenkirche wirkt. Sehr monumental wirken die drei Rundbögen (Triumphbogen und zwei Seitenschiffbögen), die Kirchenschiff, Chor und Querschiff voneinander trennen.

Marienkirche romanisches Querschiff
Marienkirche romanisches Querschiff mit zugesetzten originalen Fenstern

In der Südwand des Chors, dicht beim Triumphbogen, befindet sich noch die originale, romanische Priesterpforte. An der Westwand des Hauptschiffs sieht man zwei große, vermauerte Bögen, die früher die Verbindung zum Westriegel darstellten. Ansonsten ist der Inneneindruck protestantisch-nüchtern.

Zerstörungen im 30-jährigen Krieg

Während des 30-jährigen Krieges brach 1636 die große Katastrophe über Belzig herein: Die Schweden, die 1632 ihren in der Schlacht bei Lützen gefallenen König Gustav Adolf II. auf dem großen Leichenzug von Weißenfels nach Wolgast angeblich in der Marienkirche aufgebahrt hatten, waren 1634 nach Belzig zurückgekehrt. Ihr Befehlshaber residierte auf Burg Eisenhard. Bis auf die “üblichen” Requirierungen und Plünderungen kam die Stadt dabei noch glimpflich davon aber zwei Jahre später war das anders. Beim erneuten Durchzug der Schweden wurde die Stadt geplündert, angesteckt und brannte total ab. Burg Eisenhard, die Marienkirche und sämtliche Häuser der Stadt wurden dabei zerstört. Nur zögerlich kam der Wiederaufbau in dem verarmten Land in Gang, der Westriegel der Kirche ist ein beredtes Zeugnis für die verheerenden Ereignisse dieses Krieges.

Grundriss

Belzig Marienkirche, Grundriss nach Georg Dehio, gemeinfrei.
Belzig Marienkirche, Grundriss nach Georg Dehio, gemeinfrei.

Infobox


Adresse

Karte wird geladen, bitte warten...

Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

Burg Eisenhardt

Marienkirche