Dorfkirche Klosterdorf

Dorfkirche Klosterdorf Staffelung der vierteiligen Anlage Ansicht von Südost
Dorfkirche Klosterdorf: Staffelung der vierteiligen Anlage. Ansicht von Südost.

Verlässt man Strausberg in Richtung Nordosten über die Prötzeler Chaussee, erreicht man nach wenigen Kilometern Klosterdorf. Sein Ortsname bezieht sich auf das Kloster Zinna, in dessen Besitz sich das Dorf seit 1241 befand. Die Mönche der 90 km entfernten Abtei waren zu dieser Zeit mit reichem Grundbesitz auf dem Barnim ausgestattet worden, wozu die Kalksteinbrüche von Rüdersdorf sowie etliche Dörfer wie Hönow, Herzfelde und eben Klosterdorf gehörten. Aus der Gründungszeit hat sich die vierteilige Dorfkirche erhalten, ein Feldsteinbau aus in exakten Lagen gemauerten, sorgfältig behauenen Quadern. Ob die Mönche für den Bau der Dorfkirche verantwortlich waren, ist angesichts fehlender Quellen schwer zu entscheiden. Einesteils spricht die sorgfältige Ausführung des Mauerwerks, die an die Klosterkirche Zinna erinnert, sowie die Errichtung der kompletten Anlage in einem Guss für diese Annahme, anderenteils liegt Zinna (für mittelalterliche Verhältnisse) sehr weit entfernt und war zur selben Zeit mit dem Aufbau der eigenen Klausurgebäude beschäftigt.

Nordöstlich des mit einem Teich versehenen Dorfangers liegt die Kirche idyllisch auf dem Friedhof, noch von der Kirchhofsmauer umgeben. Sie scheint ausweislich des rundum einheitlich verlaufenden Quaderwerks in einem Zuge errichtet worden zu sein, allerdings wurde ihr Turm nicht auf die endgültige Höhe gebracht. Alle erhaltenen (aber größtenteils vermauerten) Tür- und Fensteröffnungen sind rundbogig. An der Nord- und Südseite des Schiffs befindet sich jeweils ein heute vermauertes Gemeindeportal, sowie je ein original erhaltenes Rundbogenfenster. Eine Priesterpforte liegt innerhalb des spätmittelalterlichen Sakristeianbaus auf der Nordseite des Chors. Auch die drei originalen Apsisfenster existieren noch. Diese Befunde legen nahe, dass Klosterdorf vor Zinna errichtet wurde.

Dorfkirche Klosterdorf Zugesetzte rundbogige Gemeindepforte
Zugesetzte rundbogige Gemeindepforte
Dorfkirche Klosterdorf Originale Fenster in der Südwand des Turms und Schiffs
Originale Fenster in der Südwand des Turms und Schiffs
Dorfkirche Klosterdorf Apsis mit originalen Fenstern
Apsis mit originalen Fenstern.

Im Innern ist der Triumphbogen jedoch spitzbogig und der Chor mit einem Kreuzgratgewölbe eingedeckt, was eher auf die gleiche Bauzeit wie Zinna verweist, ein weiteres Indiz für die Schwierigkeit der Datierung! Im weiteren Verlauf der Geschichte hat Klosterdorf viele Zerstörungen durchlitten, die man dem Kirchenbau auch ansehen kann. Bereits im Landbuch Karls IV. von 1375 wird der Ort als „wüst“ bezeichnet, vielleicht als Folge des Teltow-Kriegs. Es wurden aber weiterhin Abgaben geleistet, so dass man annimmt, dass seine Felder vom Nachbarort aus bewirtschaftet wurden.

1432 fielen die tschechischen Hussiten plündernd in den Barnim ein, ihre Überfalltaktik aus Wagenburgen heraus ist uns durch mittelalterliche Darstellungen bekannt.

Hussitische Wagenburg 15. Jh. Zeitgenössische Darstellung, gemeinfrei.
Hussitische Wagenburg 15. Jh. Zeitgenössische Darstellung, gemeinfrei.

Und auch der 30jährige Krieg hinterließ Zerstörungen, wie aus dem “unordentlichen” Mauerwerk der Dachzone und der Giebel ersichtlich. Der sehr stark ausgebesserte Westriegel wird von zwei mächtigen Pfeilern gestützt, in viel späterer Zeit versah man ihn mit einem Walmdach. Die Schiffs- und Chorfenster wurden – wie an vielen anderen Kirchen auch – in der Barockzeit vergrößert und erhielten einen korbbogigen Abschluss anstelle des Rundbogens. Aktuell ist die Dorfkirche stark einsturzgefährdet und geschlossen.

Dorfkirche Klosterdorf Innenraum Blick nach Osten
Innenraum nach Osten mit spitzbogigem Triumphbogen und Kreuzgratgewölbe im Chor. Von Assenmacher – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

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keine