Ein geologischer Exkurs durch Raum und Zeit

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Dieser Exkurs zur Geologie der Region Berlin – Brandenburg erklärt die Entstehung und Herkunft des mittelalterlichen Baumaterials der gezeigten Bauwerke.

Auf der Suche nach dem Baumaterial

Das Mauerwerk der erhaltenen romanischen Sakral- und Profanbauten Berlins und Brandenburgs wurde ganz überwiegend aus schwer zu bearbeitendem Feldstein oder vergleichsweise aufwändig herzustellendem Backstein errichtet. Demgegenüber verwendete man anderen Ortes in Europa meist Bruchsteine. So wurde für den Bau des Kölner Doms während des Mittelalters Trachyt (ein vulkanisches Gestein) am Drachenfels im nahe gelegenen Siebengebirge gebrochen und auf dem Rhein flussabwärts nach Köln transportiert. Die Kathedrale Notre-Dame in Paris errichtete man mit Kalkstein aus dem Pariser Becken (Calcaire lutétien). Diese Gesteine waren ob ihrer Beschaffenheit gut zu bearbeiten, auch Schmuckelemente konnten eingebaut werden.

Warum baute man in Berlin und Brandenburg nicht auch mit solchen Gesteinen? Baumaterialien gewann man aus Kostengründen bevorzugt in der Region. In der Region Berlin – Brandenburg gibt es aber nur ganze sechs eher kleine an der Erdoberfläche aufgeschlossene Vorkommen von Festgestein. Dafür lag das hier im Mittelalter überwiegend verwendete Baumaterial buchstäblich in der Gegend herum. Weshalb dies so ist, soll der folgende Exkurs in die erdgeschichtliche Vergangenheit der Region Berlin – Brandenburg zeigen.

„Des Heiligen Römischen Reiches Streusandbüchse“ wird Brandenburg schon seit Jahrhunderten von seinen Bewohnern genannt. Diesem Aphorismus liegt zugrunde, dass die Bodenbeschaffenheit in weiten Bereichen des Landes durch Sande und sandige Lehme gekennzeichnet ist – Ausdruck der glazialen Prägung, die Brandenburg während der letzten Kaltzeiten in der geologischen Periode des Quartärs erfahren hat. Wie diese Kaltzeiten wirkten und dass sie nicht nur karge Sandböden hinterließen, wird weiter unten ausgeführt. Lassen wir aber zunächst die jüngere Erdgeschichte hinter uns und wandern auf den Spuren des mittelalterlichen Baumaterials die Zeitskala ein beträchtliches Stück hinab in die Vergangenheit:

Präkambrium – Kratone

Wir beginnen die Reise in der Erdfrühzeit, dem Präkambrium. Es währte ungefähr 4000 Millionen Jahre, nämlich von vor etwa 4600 Millionen Jahren bis vor 541 Millionen Jahren und ist damit das mit Abstand längste geologische Zeitalter. Während des Präkambriums entstanden die ersten festen Landmassen, die Kratone. Sie sind die ältesten geologischen Kerngebiete der heutigen Kontinente, aufgebaut aus kristallinen Gesteinen. Seit ihrer Entstehung waren sie im Wesentlichen von aktiven tektonischen Plattengrenzen entfernte Hochgebiete, deren einst mächtige Gebirge im Lauf der Erdgeschichte bis auf ihre Sockel erodierten. Deshalb repräsentieren sie heute die an der Erdoberfläche sichtbare älteste Erdkruste aus der Entstehungszeit der festen Landmassen unseres Planeten.

Zu diesen Kratonen zählt auch der Baltische oder Fennoskandische Schild. Er umfasst Finnland, die Skandinavische Halbinsel, Teile Kareliens und die Halbinsel Kola. Von hier stammen die in den mittelalterlichen Bauwerken Berlin – Brandenburgs verwendeten Feldsteine. Selbst die jüngsten Gesteine des Baltischen Schildes sind Ehrfurcht gebietende 1000 Millionen Jahre alt, die ältesten etwa 3500 Millionen Jahre. Das entspricht ungefähr 140 Millionen menschlicher Generationen. Im Vergleich: Der Trachyt des Kölner Doms ist etwa 25 Millionen Jahre alt, der Calcaire lutétien der Notre Dame etwa 45 Millionen Jahre.

Paläozoikum – Pangäa

Springen wir nun zum Brandenburg des ausgehenden Erdaltertums, des Perms, vor etwa 300 Millionen Jahren. Die Blütezeit der Dinosaurier lag noch in ferner Zukunft. Es war heiß, denn Brandenburg befand sich in der Nähe des Äquators. Zudem war es Teil Pangaeas, der größten zusammenhängenden Landmasse, die auf der Erde bisher nachgewiesen wurde. Auf diesem Superkontinent befanden sich die Ursprünge aller heutigen Kontinente.

Pangäa wiederum entstand durch die Kollision der früheren Kontinente Laurussia (auf dem auch Brandenburg lag), Gondwana und Sibiria. Dabei bildeten sich während des Karbons gewaltige transkontinentale Hochgebirgsketten. Diese Varisziden (abgeleitet vom germanischen Stamm der Varisker) haben in Mitteleuropa eine Länge von ca. 600 km und ihre durchschnittliche Höhe betrug etwa 5000 m. Dazu gehören auch die Deutschen Mittelgebirge. Wenn wir also beispielsweise im Erzgebirge, im Harz oder dem Rheinischen Schiefergebirge wandern gehen, spazieren wir durch die Reste dieser einstigen Hochgebirge, durch die Elemente auf heutige Höhen abgetragen.

Brandenburg allerdings folgte diesem Aufwärtstrend nicht, sondern wurde Teil einer großräumigen Gegenbewegung: Es senkte sich zum Norddeutsch-Polnischen Becken. Deshalb ist es heute Teil des Norddeutschen Tieflandes.

Mesozoikum – Meeresboden

In den kommenden 300 Millionen Jahren gab es in Brandenburg zunächst Zeiten intensiver vulkanischer und seismischer Aktivität zum Ende der variszischen Gebirgsbildung. Es herrschten wüstenähnliche (aride) Klimate, Sandsteine sedimentierten. Während des späten Perms und des größten Teils des Mesozoikums, in dem Pangäa „zerbrach“ und Brandenburg in seine heutige Geoposition wanderte, war es der Boden flacher Meere. Marine Sedimente wie die Zechstein-Salze des späten Perms und die Rüdersdorfer Muschelkalke der Trias entstanden.

Da sich Brandenburg auch weiterhin senkte, befinden sich die meisten dieser Gesteinsschichten tief im Untergrund. Die Rüdersdorfer Kalke sind nur deshalb an der Oberfläche anstehend, weil sich unter ihnen durch Halokinese ein Salzkissen aus Zechstein-Salzen bildete, das die jüngeren Gesteinsschichten nach oben drückte. Rüdersdorf wurde 1235 von den Zisterziensern des Klosters Zinna gegründet. Sie begannen mit dem Abbau und der Vermarktung der Kalke. Große Bedeutung als Baumaterial hatten die Kalke im Mittelalter allerdings nicht. Die Rundbögen der originalen Fenster der Dorfkirche von Berlin Hohenschönhausen sowie das neoromanische Westportal der Dorfkirche Lüsse sind mit Rüdersdorfer Kalk gestaltet.

Känozoikum – Erdneuzeit

Paläogen – Ton und Braunkohle

Auch in der frühen Erdneuzeit (Paläogen) wurde Brandenburg zunächst immer wieder von Meeresvorstößen geflutet. Während des Oligozäns (vor 34 bis 23 Millionen Jahren) lagerten sich Tone ab (Rupel- oder Septarienton). Diese wurden später, sofern sie oberflächennah anstanden, abgebaut und bilden heute den wichtigsten Grundwasserstauer der Region.

Im anschließenden Miozän (23 bis 5 Millionen Jahre) kam es zu weiteren Vorstößen und Rückzügen des Meeres. Die dabei entstandenen Küstenmoore wurden zu den bekannten Braunkohlevorkommen Brandenburgs, dem umstrittenen fossilen Energielieferanten, dessen Abbau zur Umsiedlung ganzer Dorfgemeinschaften führte.

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Die Gedenkstätte für den Ort Radeweise steht an der ehemaligen Ortsmitte
Die Gedenkstätte für den dem Braunkohleabbau gewichenen Ort Radeweise steht an der ehemaligen Ortsmitte.
Von SPBer – Eigenes Werk, CC BY 2.5

Quartär – Kaltzeiten

Im frühen Quartär, dem Pleistozän, wurde die Landschaft Norddeutschlands maßgeblich durch eine Abfolge von Warm- und Kaltzeiten geprägt. Während der Kälteperioden bildeten sich im skandinavischen Raum gewaltige Eismassen von mehreren Kilometern Mächtigkeit. Der Schwerkraft folgend begannen diese Gletscher nach Süden in tiefer liegende Regionen zu fließen. Auf ihrem Weg hobelten die Eismassen den Untergrund sowie ganze Berghänge ab.

Sie transportierten auf und unter dem Eis selbst große Gesteinsblöcke des Baltischen Schildes und des Grundes der Ostsee mit einem Volumen von mehreren hundert Kubikmetern und Gewichten von bis zu 750 Tonnen (Großer Markgrafenstein in den Rauenschen Bergen südlich Fürstenwalde/Spree) als Geschiebe über 1000 Kilometer bis weit in das Norddeutsche Tiefland hinein.

Großer Markgrafenstein. Lithographie von Julius Schoppe 1827
Großer Markgrafenstein. Lithographie von Julius Schoppe 1827, gemeinfrei
Granitschale im Berliner Lustgarten. Die Schale wurde aus Teilen des Großen Markgrafensteins gefertigt. Johann Erdmann Hummel 1831, gemeinfrei
Granitschale im Berliner Lustgarten. Die Schale wurde aus Teilen des Großen Markgrafensteins gefertigt. Johann Erdmann Hummel 1831, gemeinfrei

Neben solchen Giganten wurden allerdings überwiegend enorme Mengen feineren klastischen Materials wie Tone, Schluffe, Sande, Kiese und Steine antransportiert, größtenteils zerrieben oder gerundet auf dem Jahrtausend-langen Weg nach Süden.

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Gerölltransport in einer Mittelmoräne. Mittelbergferner 1988
Gerölltransport als Mittelmoräne. Mittelbergferner 1988
Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Gletscherzunge des Taschachferners, Ötztaler Alpen 1988
Gletscherzunge des Taschachferners, Ötztaler Alpen 1988
Die Aufnahmen zeigen beispielhaft Elemente der Glazialen Serie an alpinen Gletschern. Durch den Klimawandel hat sich die Mächtigkeit von Mittelberg- und Taschachferner in den Ötztaler Alpen seit der Zeit der Aufnahmen deutlich verringert.

Saale- und Weichsel-Kaltzeit

Die Saale- und Weichsel-Kaltzeiten formten die Region Berlin – Brandenburg zu ihrem heutigen Landschaftsbild. Die Kaltzeiten werden nach den Flüssen, die die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren, benannt. Vor etwa 300.000 Jahren setzte die Saale-Kaltzeit ein, die auf die Elster-Kaltzeit mit dem weitesten Vordringen des Eisschildes und der sich anschließenden Holstein-Warmzeit folgte. Die Eisbedeckung reichte in Ostdeutschland bis an den Rand der Mittelgebirge. Endmoränenzüge aus dieser Zeit blieben in Brandenburg als Teil des Südlichen Landrückens erhalten. Fläming und Niederlausitz sind Teile dieser alten Höhenzüge, deren höchste Erhebungen immerhin 201,4 m (Heidehöhe, Niederlausitz) und 200,3 m (Hagelberg, Fläming) erreichen.

Auf die Saale-Kaltzeit und die sich anschließende Eem-Warmzeit folgte vor 115.000 Jahren die Weichsel-Kaltzeit. Sie endete vor etwa 10.000 Jahren. Ablagerungen der Warmzeit (Sande und Kiese) finden sich über den saaleeiszeitlichen Grundmoränen. Die Weichsel-Eiszeit erreichte auch in der Phase ihres weitesten Vorstoßes (Brandenburg-Phase) nicht die Ausdehnung der Saale-Eiszeit. Ihr Rand verlief nördlich des Glogau-Baruther Urstromtals mit ausgeprägten Endmoränenbögen, etwa auf der Grundmoränenplatte der Zauche im Südwesten Potsdams. Auch der zweite große Vorstoß, die Pommern-Phase, lässt sich gut verfolgen. Die Eisränder befanden sich jeweils nördlich des Warschau-Berliner Urstromtals (Barnim) und des Thorn-Eberswalder Urstromtals (Nördlicher Landrücken mit Uckermark). Die Urstromtäler und Schmelzwasserrinnen werden auch heute noch von Fließgewässern genutzt (u.a. Havel, Spree, Dahme und Elbe).

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Landschaftliche Gliederung Brandenburgs
Die landschaftliche Gliederung Brandenburgs
Von: Grabenstedt; vereinfacht nach angegebener Quelle [CC BY-SA 3.0]
Quelle: Atlas zur Geologie von Brandenburg, Werner Stackebrandt und Volker Manhenke (Hrsg.), Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe Brandenburg (heute Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, LBGR) 2002, 2. Aufl., 142 S., 43 Karten, ISBN 3-9808157-0-6

Das Baumaterial

Feldstein

„Feldstein“ (auch Lesestein und Findling) ist eine Sammelbezeichnung für auf Feldern gefundene Steine. Es handelt sich hierbei nicht um eine einheitliche Gesteinsart, vielmehr sind hier dutzende von kristallinen Gesteinsarten ganz verschiedener Struktur, Textur und Farbe und zu finden. Um diese Gesteine zu bestimmen und ihrer Herkunft in Skandinavien zuzuordnen hat sich die Geschiebekunde (Lehre der glazialen Geschiebe) entwickelt. Wer tiefer gehende Informationen über die verschiedenen Granite, Gneise, Diabase, Basalte, Porphyre, Ignimbrite, Migmatite und Sandsteine der Geschiebe sucht, sollte die überaus empfehlenswerte, private Website kristallin.de besuchen.

Der Geschiebekundler Alfons P. Meyer bestimmte einige der Feldsteine der Kirchenruine der Wüstung Dangelsdorf im Naturpark Hoher Fläming. Die genaue Bestimmung mit Benennung der Herkunft der Gesteine (Typlokalität) ist sehr schwierig. Es gelang ihm dennoch, siebzehn verschiedene Gesteinstypen mit Herkunft und Alter zu bestimmen. Das Durchschnittsalter der Gesteine beträgt 1280 Millionen Jahre. Die Herkunft ist Südschweden bis zum nördlichen Mittelschweden, die Aland Inseln und Südwestfinnland.

Während jeder der beschriebenen Kaltzeiten wurden große Mengen an Feldsteinen von Skandinavien nach Brandenburg transportiert und in den Warmzeiten vor allem in den Endmoränen abgelagert. Gebiete wie den Fläming muss man sich flächig übersät mit bunten Steinen verschiedenster Größen vorstellen.

Vor- und Nachteile von Feldstein als Baumaterial

Die Feldsteine boten sich als Baumaterial während des Landesausbaus aus verschiedenen Gründen an. Sie waren billig, vielerorts verfügbar, mussten nicht gebrochen werden und sind überdies wegen ihrer kristallinen Struktur sehr widerstandsfähig und witterungsbeständig. Zudem störten sie natürlich bei der Entwicklung der Landwirtschaft auf den Feldern und mussten sowieso abgesammelt werden. Auch heute findet man noch häufig an Feldrainen aufgehäufte, von den Feldern entfernte Lesesteine. Sie sind als Biotope geschützt und dürfen nicht entfernt werden.

Lesesteinhaufen sind geschützte Biotope.
Lesesteinhaufen sind geschützte Biotope.

Andererseits wiegt ein Findling mit einem Durchmesser von nur 40 cm bereits etwa 100 kg und ist alles andere als leicht zu bearbeiten. Schmuckelemente an Feldsteinbauten sind deshalb äußerst selten. Die kristallinen Feldsteine konnte man damals noch nicht sägen, sie mussten gespalten werden. Dies erforderte eine genaue Kenntnis über die Spaltbarkeit der ganz unterschiedlichen Gesteinsarten. Die Bearbeitung musste also durch Spezialisten erfolgen, die Steinmetzkunst nahm im Zuge des fortschreitenden Landesausbaus mit der Erfahrung der Werkmeister sichtbar zu.

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Feldsteinbearbeitung
Feldsteinbearbeitung. Aus Gilly, David: Handbuch der Land-Bau-Kunst Band 1 (1798), gemeinfrei
Geologie Buntes Feldsteinmauerwerk Dorfkirche Preußnitz
Buntes Feldsteinmauerwerk. Dorfkirche Preußnitz

Die vielen mittelalterlichen Feldsteinkirchen der Region errichtete man in der Zweischalentechnik. Hierbei wurden die Außen- und Innenwände mit behauenen Feldsteinen und Mörtel gebaut. Den Zwischenraum verfüllte man mit den bei der Steinmetzarbeit anfallenden Bruchstücken, Splittern, kleinen Steinen und Mörtel. Dadurch konnte auch der „Abfall“ der Steinbearbeitung genutzt werden.

Zweischalentechnik Dorfkirche Rogäsen
Zweischalentechnik Dorfkirche Neuentempel
Blick in die Zwischenschicht des zweischaligen Mauerwerks: Links Dorfkirche Rogäsen, rechts Dorfkirche Neuentempel. Die Verfüllung mit Spaltmaterial und kleinen Steinen ist gut erkennbar.

Bei der Bearbeitung konnten jederzeit Malheure geschehen und ein Stein zerbrach. Manchmal konnte sich der Steinmetz allerdings nicht damit abfinden, so dass die Bruchstücke nicht in die Zwischenschicht, sondern in die Fassade eingearbeitet wurden, wie das folgende Bild zeigt:

Kirche Waltersdorf. Zerbrochener Granit
Kirche Waltersdorf. Bei der Bearbeitung zerbrochener Granit. Das Bruchstück wurde ins Mauerwerk eingearbeitet.

Die schlichte Schönheit der Feldsteinbauten mit ihrem vielfarbigen, unterschiedlich strukturierten und uralten Baumaterial verleiht ihnen einen unvergleichlichen, individuellen Charakter. Sie sind Schätze der mittelalterlichen Baukunst und unbedingt sehenswert.

Der vielfältige Feldstein

Geologie Stockholm Granit Dorfkirche Preußnitz
Grauer Granit, wahrscheinlich aus der Region Stockholm. Die gelben Partien sind Verwitterungsspuren. Dorfkirche Preußnitz
Geologie Dala-Sandstein Dorfkirche Dahnsdorf
Dala-Sandstein, Mittelschweden (~1300 ma). Dorfkirche Dahnsdorf
Geologie Granat-führender Gneis Dorfkirche Preußnitz
Granat-führender Gneis. Dorfkirche Preußnitz
Geologie Perniö Granit Dorfkirche Stahnsdorf
Granit mit Einsprenglingen von Granat. Wahrscheinlich Perniö-Granit aus Südwestfinnland. Dorfkirche Stahnsdorf
Geologie Porphyr Dorfkirche Borne
Intermediärer Vulkanit mit porphyrischem Gefüge. Dorfkirche Borne
Geologie Amphibolitischer Migmatit Dorfkirche Waltersdorf
Amphibolitischer Migmatit. Dorfkirche Waltersdorf

Backstein

Neben den Feldsteinen hinterließen die Gletscher mit Ton und Geschiebelehm zwei weitere überaus wichtige Baumaterialien. Geschiebelehm ist gegenüber Ton grobkörniger. Er besteht aus Sand, Schluff und Ton in wechselnden Mengenverhältnissen und ist Bestandteil des Grundmoränensediments. Tone sind die feinkörnigsten Sedimente. Einzelne Tonpartikel sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Sie setzten sich vorwiegend unter ruhigen Bedingungen in den Schmelzwasserseen der Gletscher ab.

Ton und Lehm wurden im Mittelalter entweder direkt oder in Form von luftgetrockneten Ziegeln (Adobe) als Baumaterial für den Hausbau verwendet. Viele Orts- und Landschaftsnamen in Brandenburg beginnen mit “Glin” oder “Glien” (u.a. Glindow, Glienicke, Ländchen Glien). “Glien” stammt aus dem Slawischen und bedeutet “Lehm”.

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Geologie Backsteinmauerwerk Dorfkirche Pechüle
Frühes Backsteinmauerwerk der Dorfkirche Pechüle

Mit den Zisterziensern kam das Wissen um die Verarbeitung der Gletschersedimente zu Backstein in die Region Berlin – Brandenburg. Man gründete Ziegeleien, in denen das geformte Material bei hohen Temperaturen zu Ziegeln gebrannt wurde. Die Kosten für ein Bauwerk aus Backsteinen waren allerdings höher, als die eines Feldsteinbaus. Deshalb wurden zunächst die Klöster der Region als Repräsentativbauten in Backstein errichtet. Am Beispiel der St. Marienkirche in Treuenbrietzen ist gut dokumentiert, dass auch in der Stadtarchitektur der Übergang zum Backsteinbau vollzogen wurde. Nach einer ersten Bauphase mit Feldsteinen wechselte man zum Backstein. Man zeigte damit auch, dass man es sich “leisten konnte”. Auch die Dorfkirchen von Bardenitz und Pechüle sind als Besonderheit aus Backstein errichtet.

Backstein als Wirtschaftsfaktor

Mit Backstein kann gegenüber Feldstein wesentlich besser ornamentiert werden. Man nutzte das immer mehr, manifestiert in den Bauten der nordeuropäischen Backsteingotik. Sie sollten sich von der Schlichtheit der Bauwerke der romanischen Stilepoche absetzen. Dies gelang mit Hilfe der eiszeitlichen Sedimente und dem Wissen um ihre Verarbeitung. In der Folgezeit entstanden überall in der Region in Dörfern und Städten, in deren Umgebung das Ausgangsmaterial gefunden und abgebaut wurde, Ziegeleien. Sie stellten einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar, ebenso wie das für die Ziegeleien wichtige Köhlerhandwerk. Besonders die wachsende Doppelstadt Berlin / Cölln und später die Metropole Berlin hatten einen sich steigernden Bedarf an Backsteinen und Dachziegeln. Sie wurden in großen Mengen hergestellt und mit Kähnen in die Stadt transportiert.

Raseneisenstein

Raseneisenstein entsteht, wenn in Grundwasser gelöstes Eisen durch Ausfällung und Verfestigung mit vorhandenem Sediment Konkretionen oder bankartige Vorkommen bildet. Das gelöste Eisen wird nahe der Oberfläche bei leicht schwankendem Grundwasserspiegel durch den Kontakt mit Sauerstoff ausgefällt. Es kristallisiert über einen langen Zeitraum (hunderte bis tausende Jahre) teilweise unter Einwirkung von Mikroorganismen.

Der Name weist darauf hin, wo das Gestein zu finden ist, nämlich unterhalb der Rasensode. Es war leicht mit Spaten oder Hacken abzubauen. Man nannte es auch Sumpferz, weil es vorwiegend in Flussauen und Sumpfgebieten gewonnen werden konnte. Gute Bedingungen für die Entstehung gab es in der Region Berlin – Brandenburg beim Abschmelzen des Eises der letzten Kaltzeit.

Raseneisenstein verhüttete man zur Eisengewinnung in Rennöfen. Auch in Brandenburg war der Raseneisenstein für einige Jahrhunderte von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Außer zur Verhüttung verwendete man den braunen bis schwarzen Raseneisenstein regional als Baumaterial, wie auch an verschiedenen hier aufgeführten Bauwerken. Er war einfach zu bearbeiten und durch die Porosität wärmedämmend. Sowohl für die Verhüttung als auch als Baumaterial (Verwitterungsresistenz) waren Steine mit hohem Eisengehalt gesucht.

Ortsnamen wie Reuden oder Rudow stammen vom slawischen ruda für Erz (Raseneisenerz).

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Raseneisenstein als Schmuckelement an der Priesterpforte der Dorfkirche Riedebeck
Raseneisenstein als Schmuckelement an der Priesterpforte der Dorfkirche Riedebeck

Quarzit

Im südwestlichen Bereich des Flämings, bei Plötzky und Gommern nahe der Elbe gibt es eines der wenigen Vorkommen von anstehendem Festgestein der Region. Der dort gewonnene Bruchstein ist eine Wechsellagerung aus Kulm-Quarzit und quarzitischen Schiefern aus der Zeit des Unterkarbons (ca. 335 ma). Es handelt sich um ein metamorphes, ursprünglich sedimentäres Gestein.

Sein Ausgangsmaterial waren wahrscheinlich Grauwacken, die als synorogene Sedimente während der oben erwähnten variszischen Orogenese entstanden. Durch den schichtigen Habitus der Gesteine konnten im Steinbruch relativ leicht plattige Bruchstücke gewonnen werden, die im Vergleich zu Feldsteinen deutlich leichter zu Quadern verarbeitet werden konnten.

Für die Region war der Quarzit wirtschaftlich bis ins 20. Jh. bedeutend. Er wurde vorwiegend beim Straßenbau eingesetzt. Im Mittelalter verwendete man das Material aber auch für den Bau von Sakralbauten wie das Magdeburger Liebfrauenkloster, die dortigen Stadtkirchen und einige Dorfkirchen der lokalen Umgebung (z.B. Pretzien). Auf dem Wasserweg über die Elbe gelangten die Steine bis ins 110 km entfernte Havelberg und dienten dort zum Bau des Havelberger Doms. Ornamente ließen sich mit diesem Werkstoff ähnlich schwer herstellen, wie in Feldstein, weshalb die Quarzitbauten ein ähnlich nüchternes Erscheinungsbild haben wie jene aus Granit.

Geologie der Region Berlin - Brandenburg. Gommern-Quarzit an der Westfassade des Doms zu Havelberg
Gommern-Quarzit an der Westfassade des Doms zu Havelberg

Infobox


Geotope, Geoparke und Museen

Eiszeitgarten Buckow

Eiszeitgarten Buckow / Märkisch-Oderland, frei zugänglich. Typische Geschiebe werden gezeigt und die eiszeitliche Herkunft erklärt. Von Künstlern gestaltetes Modell, das die Formen und Prozesse der eiszeitlichen Landschaftsprägung verdeutlicht.
Eiszeitgarten Buckow / Märkisch-Oderland, frei zugänglich. Typische Geschiebe werden gezeigt und die eiszeitliche Herkunft erklärt. Von Künstlern gestaltetes Modell, das die Formen und Prozesse der eiszeitlichen Landschaftsprägung verdeutlicht.

Broschüre des Amts Märkische Schweiz (PDF)


Geopark Eiszeitland am Oderrand

Märkische Eiszeitstraße

Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg

Geopark Nordisches Steinreich (kommerzielle Exkursionen)

Gesteinsgarten Gommern ( die größte unter offenem Himmel befindliche Gesteinssammlung Deutschlands )

Geologische Sammlung des Stadtmuseums Berlin

Museumspark Rüdersdorf

Historie des Backsteinbaus

Alte Ziegelei in Reetz

Alte Ziegelei Reetz, Ringofen. Heute leider eine Ruine
Alte Ziegelei Reetz, Ringofen. Heute leider eine Ruine

Private Homepage Reetz/Fläming


Ziegeleimuseum Glindow

Ziegeleipark Mildenberg