Dorfkirche Marienfelde

Die Dorfkirche Marienfelde in Berlin ist eine spätromanische Feldsteinkirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Es handelt sich um eine vierteilige Anlage, inmitten von Bauerhöfen auf der alten Dorfaue gelegen.

Dorfkirche Marienfelde von Nordwest aufgenommen
Dorfkirche Marienfelde von Nordwest aufgenommen

Berlins Dorfkirchen

Auch in der verhältnismäßig jungen Großstadt Berlin stehen mehrere spätromanische Gebäude, die allerdings erst seit 1920 aufgrund von Eingemeindungen zum Stadtgebiet gehören. Es handelt sich durchweg um Dorfkirchen, die wir unter „Exkursionen“ in den zwei Kapiteln „Berlins Dorfkirchen“ vorstellen. Wegen ihrer überaus qualitätvollen Ausführung und ihres einmaligen Ambientes auf dem erhalten gebliebenen alten Dorfanger haben wir die Dorfkirche von Marienfelde als repräsentativ für die Routen der Romanik ausgewählt, jedoch steht ihr die Dorfkirche von Mariendorf fast ebenbürtig zur Seite. Beide Dörfer gehörten zu ihrer Entstehungszeit zur Kommende Tempelhof, einer Niederlassung der Tempelritter, die später an den Johanniterorden übertragen wurde. Ebenfalls unter „Exkursionen“ findet sich im Kapitel: “Im Lande der Tempelritter” alles über die Komtureien der Templer in Brandenburg.

Klassischer vierteiliger Typus

Die Marienfelder Kirche liegt in für eine Großstadt unvergleichlicher Lage auf dem stimmungsvollen, vom Durchgangsverkehr abgeschirmten Dorfanger. Diese Platzanlage ist noch in voller Größe erhalten, mit Kirch- und Schmiedeteich und einigen stattlichen Bauernhäusern des 19. Jh. Stilistisch gleicht der Aufbau der Dorfkirche dem der ältesten märkischen Kirchenbauten: Vierteilig mit Querturm, Schiff von der Breite des Turms, eingezogenem Chor und ebenfalls eingezogener Apsis. Das Feldsteinmauerwerk und insbesondere die Gebäudekanten sind akkurat gefügt und alle originalen Fenster- und Türöffnungen zeigen rundbogige Formen.

Dorfkirche Marienfelde Vierteilige Anlage, von Nordost aufgenommen
Dorfkirche Marienfelde Vierteilige Anlage, von Nordost aufgenommen
Dorfkirche Marienfelde Qualitätvolle Ausführung des Mauerwerks
Qualitätvolle Ausführung des Mauerwerks

Aufgrund dieser Merkmale müsste man das Gebäude eigentlich ins erste Drittel des 13. Jh. (um 1220) datieren, aber hier in Marienfelde gibt es Befunde, die auf ein späteres Entstehungsdatum hinweisen. Die dendrochronologische Untersuchung eines ihrer Dachbalken ergab zwar ein Fälldatum von 1230, aber gleichzeitig wurde dieser aufgrund von Nachbearbeitungsspuren als zweitverwendet erkannt. Da die Erstverwendung sicherlich etliche Jahre bestanden haben muss, nimmt man heute ein Baudatum von frühestens 1240 an. Diese Fakten zeigen deutlich das Dilemma der Datierung unserer Dorfkirchen: Da keine Quellen und Bauunterlagen vorliegen, ist man auf Stilvergleiche angewiesen; leider aber sind stilistisch gleiche Bauten nicht immer zeitgleich.

Vorgängerbau

Weitere interessante Entdeckungen wurden bei Grabungen unter der Kirche gemacht: Es fanden sich christliche Bestattungen aus dem frühen 13. Jh. und Spuren von Holzpfosten. Diese beweisen, dass an gleicher Stelle bereits ein hölzerner Vorgängerbau der jetzigen Kirche gestanden hatte, zu dem auch die aufgefundene Begräbnisstätte gehörte. Damit kann man die Kirche von Marienfelde nun doch unter die ältesten der Mark einreihen.

Westriegel
Dorfkirche Marienfelde Westriegel

Der Westriegel ist – ähnlich wie bei der Berliner Nikolaikirche – durch einen kleinen Rücksprung in zwei Geschosse geteilt. Der obere Bereich deutet durch verändertes Baumaterial und nachlässigere Ausführung auf eine etwas spätere Bauzeit hin, ein weiteres Indiz, dass in Brandenburg Türme generell zur letzten Bauphase einer Dorfkirche gehörten. Die Fenster des Glockengeschosses blieben als einzige unverändert.

Rundgang

Beim Rundgang um das Gebäude erkennt man, dass alle anderen Öffnungen nicht mehr original sind: über den vergrößerten Fenstern des Schiffes kann man noch die Umrisse der drei romanischen Rundbögen erkennen, die nördliche und südliche Gemeindepforte wurde geschlossen, weil der Zugang jetzt nur noch durch das Westportal erfolgt.

Abgetrepptes Westportal
Abgetrepptes Westportal

Auch am Chor sind nur noch Spuren der zwei romanischen über den neuen und vergrößerten Fenstern sichtbar. An den Außenwänden des Chors befinden sich auf beiden Seiten mittelalterliche Anbauten: Im Norden stand auf dem Anbau die 1835 errichtete und 1954 wieder abgerissene Patronatsloge, im Süden wurde im 14. Jh. eine Sakristei errichtet, deren Fassade drei Spitzbogenblenden aufweist. Der nördliche Anbau verdeckt eine rundbogige Priesterpforte. Auch die Apsisfenster wurden 1896 vergrößert und erhielten dabei die entstellenden Ziegelgewände.

Inneres

Man betritt den Bau durch eine Vorhalle im Westen, die 1921 in unnötiger Weise vor den schönen Westturm gesetzt wurde. Das Innere der Kirche ist neuzeitlich gewölbt, das Schiff durch eine Holztonne, der Chor durch ein Steingewölbe, das jedoch einen mittelalterlichen Vorgänger hatte. In der Nordwand des Chors existiert noch die mittelalterliche Sakramentsnische zur Aufbewahrung der Hostien. Alle Austattungsstücke in der Marienfelder Kirche stammen erst aus der Neuzeit. Ein hierher gehöriges Altarbild von 1550 befindet sich jetzt als Leihgabe in der ebenfalls spätromanischen Dorfkirche in Berlin Lankwitz.

Infobox


Adresse

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Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Marienfelde