Dorfkirche Wergzahna

Dorfkirche Wergzahna. Staffelung der Anlage mit sehr langem Schiff und Apsis. Ansicht von Südost.
Dorfkirche Wergzahna. Staffelung der Anlage mit sehr langem Schiff und Apsis. Ansicht von Südost.

Wergzahna ist ein Dorf nahe Niedergörsdorf, dessen slawischer Name (seine Deutung ist umstritten) auf das 7 km entfernt liegende Zahna verweist. Die Dorfkirche ist ein hoch interessantes Beispiel für den sehr frühen Kirchenbau während des Landesausbaus östlich der Elbe, in unserer Publikation ist sie unter allen Dorfkirchen das älteste Beispiel! Es ist denkbar, dass man an diesem Ort auf den Bau der sonst üblichen, provisorischen Holzkapelle verzichtete und gleich mit dem Steinbau begann.

Äußeres

Dorfkirche Wergzahna. Ansicht von Nordwest mit schönem Kirchhof.
Dorfkirche Wergzahna. Ansicht von Nordwest mit schönem Kirchhof.

So wie wir das Bauwerk heute sehen, ist es ein ungewöhnlich lang gestreckter Apsis-Saal mit einem Dachreiter über dem Westgiebel. Das Mauerwerk besteht aus nur einfach gespaltenen Findlingen, die nicht durchgängig lagig verlegt sind.

Dorfkirche Wergzahna. Ansicht von Nordost mit zugesetztem Apsisfenster
Ansicht von Nordost mit zugesetztem nördlichen Apsisfenster
Dorfkirche Wergzahna, Recht ungeordnetes Mauerwerk aus überwiegend einseitig gespaltenen Feldsteinen unterschiedlicher Größen.
Recht ungeordnetes Mauerwerk aus überwiegend nur einseitig gespaltenen Feldsteinen unterschiedlicher Größen.

Im Westteil des Schiffes haben sich nördlich und südlich zwei sehr kleine, originale Rundbogenfenster erhalten, während alle übrigen Öffnungen verändert sind. Gemeindeportal und Priesterpforte sind zugesetzt und auch das Westportal ist nicht original. Es ist überhaupt fraglich, ob im Originalbau eines existierte. Die Fenster im Schiff wurden vergrößert, die in der Apsis zugesetzt. An der Südwestecke und an der Apsis, die fast die ganze Breite des Schiffs einnimmt, sind grobe Stützpfeiler aus Findlingen angemauert.

Dorfkirche Wergzahna, Originales, sehr schmales Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes.
Originales, sehr schmales Rundbogenfenster in der Südwand des Schiffes.
Dorfkirche Wergzahna, Originales, sehr schmales Rundbogenfenster in der Nordwand des Schiffes.
Originales, sehr schmales Rundbogenfenster in der Nordwand des Schiffes.

Merkmale der frühen Entstehungszeit

Ein sehr frühes Baudatum lässt sich aus den beiden erhaltenen romanischen Fenstern, dem nur wenig bearbeiteten Steinmaterial des Mauerwerks und der einfachen, ungelenken Gestaltung der beiden, jetzt zugesetzten Portale ableiten.

Dorfkirche Wergzahna. Zugesetzte Gemeindepforte in der Südwand des Schiffes.
Zugesetzte Gemeindepforte in der Südwand des Schiffes.
Dorfkirche Wergzahna. Zugesetzte Gemeindepforte in der Nordwand des Schiffes.
Zugesetzte Gemeindepforte in der Nordwand des Schiffes.

Im Vergleich zu den anderen Flämingkirchen muss der Baubeginn deutlich vor 1200 liegen. Die Rundbögen der Fenster sind ohne Verwendung von keilförmig zugehauenen Feldsteinen sehr roh ausgeführt, die Fenstergewände haben keine scharfe Kante und im Innern ist die Fensteröffnung als einfache Schießscharte ausgebildet.

Die nachträglich angebrachten Stützpfeiler deuten auf die mangelhafte Statik des Gebäudes hin, verursacht durch die sparsame Bearbeitung der Feldsteine. Innerhalb der Mauerung sind sie rund belassen und werden nur durch große Portionen von Mörtel in ihrer Position gehalten. Zusätzlich trug der Verzicht auf die Anordnung in einzelnen Lagen ebenfalls zur Instabilität der Wände bei. Offensichtlich war die Fertigkeit der Bauleute zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht hinreichend ausgebildet.

Dorfkirche Wergzahna. Mächtige Stützen an der Kante Westfassade - Südfassade
Dorfkirche Wergzahna. Mächtige Stützen an der Kante Westfassade – Südfassade
Dorfkirche Wergzahna, Durch eine Stütze zugesetztes südliche Apsisfenster.
Durch eine Stütze zugesetztes südliche Apsisfenster.
Dorfkirche Wergzahna, Durch eine Stütze zugesetztes östliches Apsisfenster.
Durch eine Stütze zugesetztes östliches Apsisfenster.

Die ungewöhnliche Längsstreckung des Kirchenschiffs erklären manche damit, dass der Westteil des Gebäudes ursprünglich als Turm geplant war, später aber dem Schiff zugeschlagen wurde. Die Position des (zugesetzten) Gemeindeportals stützt zwar diese These, allerdings läge das romanische Fenster dann direkt im Übergangsbereich zwischen dem hypothetischen Turm und dem Schiff, auch existieren im Inneren keinerlei Spuren eines Turmeinbaus. Das heutige moderne Westportal hatte sicherlich keinen romanischen Vorgänger, denn eine einfache, kleine Saalkirche benötigt keine drei Portale. 

Zerstörung und Wiederaufbau

Die Kirche wurde (höchstwahrscheinlich im Dreißigjährigen Krieg) zerstört, worauf das gestörte Mauerwerk an beiden Giebeln hinweist. Das Datum 1686 auf der Wetterfahne bezeichnet wohl das Jahr der Wiedereinweihung, die Dachbalken stammen jedenfalls aus dieser Zeit. Die von Ziegeln eingefassten großen Rundbogenfenster (durch deren Einbau die Spuren ihrer Vorgänger unwiederbringlich zerstört wurden) gehen auf eine Renovierung von 1864/65 zurück und erst 1934/35 wurde der mit Zeltdach und aufgesetzter Kugel versehene Fachwerkturm neu erbaut. Nach der Wende erfolgten die Neueindeckung des Dachs und eine Erneuerung des Turms. Dass der Feldsteingiebel des aus „ungeordnetem“, erkennbar neuerem Feldsteinmauerwerk bestehenden Dachreiters auf ein älteres Vorbild zurückgeht, liegt nahe, wie am Beispiel der Kirchenruine von Dangelsdorf ersichtlich ist.

Dorfkirche Wergzahna Westfassade vom Typ Dangelsdorf mit neuzeitlichem Portal
Westfassade vom Typ Dangelsdorf. Das Portal ist neuzeitlich.

Innenraum

Im seit der Entfernung der Bemalung aus dem Jahr 1892 recht nüchternen und hellen Inneren befindet sich eine flache Holzdecke. Ursprünglich gab es eine Hufeisenempore an drei Seiten der Kirche, heute nur noch eine Westempore, das schlichte moderne Gemeindegestühl besteht aus zwei Blöcken. Einziges mittelalterliches Ausstattungsstück ist eine spätgotische, allerdings durch Restaurierungen stark veränderte Madonna.

Infobox


Adresse

Empfohlene Route

Südliche Route

Offizielle Website

keine