Dorfkirche Stahnsdorf

Dorfkirche Stahnsdorf
Dorfkirche Stahnsdorf von Südost 2015

Unweit der Stadtgrenze Berlins, südwestlich von Zehlendorf, befindet sich in Stahnsdorf eine der sehenswertesten märkischen Dorfkirchen. Der Ort wird als “Stanesdorp” 1264 erstmals erwähnt, ist aber ausweislich der spätromanischen Kirchenarchitektur gewiss 30 Jahre älter. Aufgrund der baulichen Merkmale kann man die Kirche ins erste Drittel des 13. Jahrhunderts datieren. Hierfür sprechen die gleichzeitige Verwendung von runden und spitzen Bögen sowie die akkurate Quaderung des Mauerwerks wie am Kloster Zinna aus dieser Zeit. Die Ersterwähnung des Ortes ist leider nur ein unvollkommenes Mittel zur exakten Datierung eines Gebäudes.

Dorfkirche Stahnsdorf Quaderung des Mauerwerks
Genaue und kleinteilige Quaderung des Mauerwerks

Eine Kirchhofsmauer aus Feldstein umschließt Kirche und Friedhof, die am Rande des großen, noch von alten Bauerngehöften gesäumten Dorfangers stehen, der noch gut das Aussehen des Dorfes zur Gründungszeit repräsentiert. An der Kirche fallen als erstes die außergewöhnlich sauber behauenen Feldsteine und die akkuraten Kanten des Gebäudes ins Auge.

Dreiteilige Anlage

Beim Umschreiten stellt man fest, dass es sich hier um eine dreiteilige Anlage handelt. Ein West-Querriegel wurde nicht ausgeführt und aller Wahrscheinlichkeit auch nicht geplant. Dies kann man aus der öffnungslosen Westseite schließen, die die gleiche Mauerstärke wie die Wände des Schiffes hat. Eine Turmwand im Westen müsste wegen der größeren Höhe deutlich dicker sein. Der Dachreiter aus Fachwerk, der auf der Westseite des Schiffs auf dem Satteldach aufsitzt, ist erkennbar späteren Datums.

Westseite mit aufgesetztem Turm
Westseite mit aufgesetztem Turm

Auffällig ist der sehr starke Rücksprung des Chors gegenüber dem Schiff mit nur 60% der Schiffsbreite. Das Einrücken der Apsis gegenüber dem Chor steht dagegen im gleichen Verhältnis wie bei anderen spätromanischen Dorfkirchen. Die Fenster sind zum Teil original erhalten, allerdings mit veränderter Gewändeschräge und teilweise auch vermauert, aber dennoch gut zu erkennen. Aus dem Befund kann man schließen, dass das Schiff fünf und der Chor zwei rundbogige Fenster auf jeder Seite hatte.

Schiff mit 5 Rundbogenfenstern. Aufnahme von Süden

Die Apsis hat die üblichen drei Fenster, die aber alle nachträglich vergrößert und mit Putzgewänden versehen wurden. Der Giebel darüber ist verputzt und zeigt Spuren eines nachträglichen Aufbaus. Zu erkennen ist ein gestörtes Feldsteinmauerwerk, vielleicht durch einen Einsturz. Die obersten Teile des Giebels von Chor und Schiff weisen jeweils ein kreuzförmiges Fensterchen auf, von denen nur das im Schiff original ist. Drei Portale erschlossen den Bau. Für die Gemeinde ein gedrückt-spitzbogiges Portal im Norden und ein rundbogiges im Süden des Schiffs. Eine rundbogige Priesterpforte wird jetzt vom nachträglichen Sakristei-Anbau verdeckt.

Inneres

Das flach gedeckte, verputzte Innere enthält wertvolle Kunstwerke. Es wirkt eindrucksvoll durch das im Vergleich zum Chor recht große Schiff. Es wird durch den rundbogigen Triumphbogen deutlich vom Chor abgeschieden, der durch den spätgotischen (böhmischen?) Altar von 1430 fast vollständig ausgefüllt ist. Dadurch hat die dahinterliegende Apsis eigentlich keine Funktion mehr. Die rundbogige Nische in der Nordseite des Chors ist sicher die ursprüngliche Sakramentsnische. In ihr bewahrte man im Mittelalter die geweihten Hostien auf. Heute steht hier die aus dem 16. Jahrhundert stammende Figur der heiligen Anna selbdritt mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind auf dem Arm .

Auf der rechten Seite des Chors befindet sich die 1983 restaurierte Patronatsbank aus dem Jahre 1580, auf deren Stirnwand die Wappen der mit der Familie von Hake verwandten märkischen Familien gemalt sind. Die aufwändig bemalte Rückwand der Bank im Stil der Renaissance wurde später unter die Empore versetzt. Die von Hake, seit 1435 Lehnsherren von Stahnsdorf, nutzten die Stahnsdorfer Kirche als Patronatskirche, bis ihre eigene Gutskirche – die Kleinmachnower Dorfkirche – 1598 errichtet war. Im Kirchenschiff befindet sich eine Figur des auferstandenen Christus, ursprünglich mit Siegesfahne, aus dem Ende des 15. Jahrhunderts und die Kanzel in einfachem Bauernbarock.

Mittelalterliche Wandmalereien

Sehr bemerkenswert sind die Reste von Wandmalereien, die unter der Wandfarbe entdeckt wurden. Im Kirchenschiff finden sich an den Wänden mehrere Weihekreuze. Diese von einem Kreis umschlossenen und aus gebogenen Linien gebildete Zeichen sind meist in roter Farbe gehalten. Der Kreis symbolisiert Vollkommenheit und Unendlichkeit, die rote Farbe steht für das Blut Christi. In Kirchen aus romanischer und gotischer Zeit finden sich meist zwölf dieser Kreuze, ein Hinweis auf die zwölf Apostel. Hier wurden diese Ornamente – auch die stilisierten Lilienmotive – in den Putz geritzt und ausgemalt. Nach der Reformation wurden Weihekreuze in der Regel übertüncht. An der Chornordseite wurde eine weitere Wandmalerei mit einem Schachbrettmuster freigelegt. Unter der Wandfarbe befinden sich noch sehr alte Reste einfacher Bemalung in Form eines Weinstocks, die bei den Restaurierungsarbeiten von 1980 freigelegt, aber 1983 konserviert und wieder übermalt wurden. Diese Wandmalereien werden von Experten auf das Ende des 13. Jahrhunderts datiert.

Infobox


Adresse

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Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

Evangelische Kirchengemeinde Stahnsdorf