Stadtkirche St. Marien und Andreas, Rathenow

Stadtkirche Rathenow. Ansicht von Südost.
Stadtkirche Rathenow. Ansicht von Südost.

Von Wusterwitz geht es 30 km nach Norden ins Gebiet der Backsteinromanik. Wie wir bereits gesehen haben, entwickelte sich der romanische Backsteinbau im Umfeld von Machtzentren, an denen die Voraussetzungen zum Ziegelbrand gegeben waren: Tonvorkommen, Waldbesitz, Geld zum Bezahlen der Handwerker und große Bauprojekte. Das traf in erster Linie auf reiche Klöster zu, aber auch auf Bischofsbauten oder Projekte des Landesherrn. So finden wir z. B. Backsteinbauten im Umfeld der Klöster Dobrilugk, Zinna und Lehnin und bei den bischöflichen und landesherrlichen Projekten in Brandenburg/Havel und Umgebung. Der einflussreichste Ort für den Landesausbau der Mark Brandenburg war aber das Kloster Jerichow, von dem aus die Prämonstratenser die Christianisierung des Landes vorantrieben, für die Ausbildung des Priesternachwuchses sorgten und eine Ziegelbautradition von europäischem Rang begründeten.

Romanische Pfeilerbasilika

Auf dem Weg dorthin gibt es zunächst Haltepunkte in Rathenow, Schmetzdorf und Redekin. In der Pfarrkirche St. Marien-Andreas im vom Krieg schwer getroffenen Rathenow haben sich eindrucksvolle Reste einer spätromanischen Pfeilerbasilika erhalten, die offensichtlich von Jerichow beeinflusst war. Ob auch der Ziegelbau von dort übernommen wurde, ist schwer zu sagen, besitzt die Stadt doch selbst ausgedehnte Tonvorkommen. Jahrhunderte später wurde sie sogar das Ziegeleizentrum Preußens, deren Erzeugnisse nach Potsdam, Berlin und viele Orte mit großer Bautätigkeit exportiert wurden. Um 1160 entstand hier zunächst eine Holzkirche, die dann – nach 1220 – durch eine große, spätromanische Backsteinbasilika ersetzt wurde. Im Jahr 1345 erweiterte man diesen Bau um einen vergrößerten Chor und die daran nördlich und südlich angebauten St. Marien- und St. Andreas-Kapellen.

Stadtkirche Rathenow. Blick von Südost auf die St. Andreas-Kapelle
Blick von Südost auf die St. Andreas-Kapelle
Blick von Norden auf die St. Marien-Kapelle
Blick von Norden auf die St. Marien-Kapelle

Von 1517-98 erfolgte der Umbau zu einer dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche mit sternförmigen Rippengewölben, wobei man das weit ausladende romanische Querschiff in den Neubau integrierte. Als letzter Bauteil kam 1828 der hohe neogotische Turm hinzu. Das alles sank im zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche, wie auch die gesamte Altstadt Rathenows. Seitdem ist die Kirche mit großem Aufwand wiederaufgebaut worden, die romanischen Reste des ehemaligen Querschiffs – die aufgrund des Umbaus zur Hallenkirche teilweise im Innern der Kirche liegen – hat man wieder gut sichtbar gemacht.

Stadtkirche Rathenow. Romanische Reste in der Südfassade des Schiffs. Gemeindepforte, Kreuzbogenfries und zugesetztes Rundbogenfenster.
Stadtkirche Rathenow. Romanisches Querschiff, Südfassade mit Gemeindepforte, zugesetzten Rundbogenfenstern und Kreuzbogenfries.
Stadtkirche Rathenow Kreuzbogenfries durchbrochen von gotischem Fenster
Südfassade des Querschiffs: Kreuzbogenfries durchbrochen von gotischem Fenster.
Stadtkirche Rathenow. Romanische Reste an der Nordfassade des Schiffs. Kreuzbogenfries. Deutsches Band.
Nordfassade des Querschiffs: Deutsches Band, Kreuzbogenfries, durchbrochen von gotischem Fenster.
Querschiff
Ehemalige Außenseite des romanischen Querschiffs, . Über den Apsiden links Kreuzbogenfries, rechts Deutsches Band und Rundbogenfries. Blick durch den Triumphbogen ins Schiff.
Stadtkirche Rathenow. Nebenapsis des südlichen Querschiffs, heute im Innenraum der Hallenkirche.
Nebenapsis des südlichen Querschiffs, ehemals außen, darüber Kreuzbogenfries.
Stadtkirche Rathenow. Nebenapsis des nördlichen Querschiffs, heute im Innenraum der Hallenkirche.
Nebenapsis des nördlichen Querschiffs, Innenseite.

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Evangelische Kirchengemeinde St. Marien-Andreas Rathenow