Dorfkirche Massen

Dorfkirche Massen, Ansicht von Südost.
Dorfkirche Massen, Ansicht von Südost mit Rest des Seitenschiffs. Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,.

Unter dem Einfluss Dobrilugks

Um nach Massen zu gelangen, müssen wir von der Route nach Dobrilugk über Finsterwalde nach Osten abweichen, doch lohnt der Umweg allemal. Massen gehört zu den (am Ende 40) Dörfern, die zum Besitz des Klosters Dobrilugk gehörten und seinen Reichtum ausmachten. Das Kloster beeinflusste die Kirchenarchitektur vieler Bauten in seinem Umkreis, nicht aber die von Massen, dessen Kirche wohl schon stand, als das Dorf dem Kloster übereignet wurde. Das wird an der Verwendung von Feldstein als Baumaterial deutlich, während Dobrilugk selbst und viele seiner Filialkirchen aus Backstein bestehen. Wie die nahe gelegene Kirche von Lindena wurde sie von Anfang an als dreischiffige Basilika geplant, was auf großen Optimismus ihrer Erbauer bezüglich der Entwicklung des Ortes hindeutet, war doch die Basilikaform aufgrund des größeren Raumvolumens in der Regel den Stadtkirchen vorbehalten. Erfüllte sich solch eine optimistische Erwartung nicht, war die Dorfgemeinschaft gezwungen, ein für ihre Verhältnisse überdimensioniertes Gebäude unterhalten.

An den Beispielen der Liebfrauenkirche in Jüterbog und der Nikolaikirche in Treuenbrietzen (sowie an Prädikow und Hohenfinow auf der nordöstlichen Route) können wir sehen, wie in den armen Gebieten östlich der Elbe mit diesem Problem umgegangen wurde: Standen teure Dachreparaturen oder Wiederaufbaumaßnahmen nach Kriegszerstörungen an, entschlossen sich viele überforderten Gemeinden, die nach ihrer Meinung überflüssigen Seitenschiffe einfach abzureißen. Schließlich erforderte die nunmehr protestantische Liturgie nur noch einen einzigen Raum für den Gottesdienst; Seitenschiffe, Chor, ja selbst die Apsis waren nach der Reformation obsolet geworden. Das Abbruchmaterial wurde zur Vermauerung der Mittelschiffsarkaden verwendet. Das ästhetische Ergebnis solch einer Maßnahme war in der Regel unbefriedigend, wurden doch dadurch die Proportionen des Bauwerks empfindlich gestört, auch hob sich das unregelmäßige Verfüllungsmaterial unschön von der sauberen Quaderung der romanischen Wände ab. Doch im Inneren des Gebäudes störte das nicht, da die Wände verputzt und weiß gekalkt wurden.

Dreischiffige Basilika

In Massen befindet sich ein für romanische Dorfkirchen besonders interessantes Exemplar, mit vielen ungewöhnlichen Details. Es handelt sich um eine vierteilige Basilika, bestehend aus Westturm, ehemals dreischiffigem Langhaus, einschiffigem Chor und Apsis, entstanden um 1250, ausweislich der sauberen Quaderung und dem gemeinsamen Vorkommen von Rund- und gedrückten Spitzbögen.

Dorfkirche Massen, Ansicht von Südwest.
Ansicht von Südwest.
Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Der ungewöhnlich massige Westriegel mit einem dreifach gestuften, spitzbogigen Portal und darüber einem Rundbogenfenster stammt noch bis zur Firsthöhe des Kirchenschiffs aus der Erbauungszeit. Das Fenster über dem Portal ist (sehr reizvoll) mit wechselnden Lagen aus Granit und schwarzem Raseneisenstein gestaltet, ein Motiv, das wir schon in Riedebeck gesehen haben. Zur Zeit der Gotik bekam der Turm (sicherlich unter dem Einfluss der Bauhütte von Dobrilugk) das backsteinerne Glockengeschoss aufgesetzt mit einem großen, von zwei deutschen Bändern umrahmten Okulusfenster nach Westen und zwei gotischen Fenstern an den Seiten sowie einer sehr sparsamen Lisenengliederung an der Turmkante.

Die Schallarkaden unterhalb des Walmdachs sind korbbogig, stammen also aus noch späterer Zeit. Im Erdgeschoss kragt der Turm seitlich aus und nimmt die Form der Seitenschiffe auf, was man trotz deren Abriss noch gut erkennen kann. Eine (jetzt zugesetzte) spitzbogige Öffnung im Format der Langhausarkaden verband Turm und ehemalige Seitenschiffe im Norden und Süden.

Dorfkirche Massen. Westfassade mit gedrückt spitzbogigem, dreifach abgetreppten Portal und Rundbogenfenster. Deutsches Band am Übergang zum Backstein.
Westfassade mit gedrückt spitzbogigem, dreifach abgetreppten Portal und Rundbogenfenster. Deutsches Band am Übergang zum Backstein.
Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Dorfkirche Massen. Rundbogenfenster im nördlichen Teil der Westfassade.
Fenster zum nördlichen Seitenschiff mit Rundbogen aus Raseneisenstein
Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Ehemalige Seitenschiffe

Vier zugesetzte Arkaden und Reste der Grundmauern zeigen auf der Nordseite die Position des Seitenschiffs an, auf der Südseite existieren noch zwei intakte Joche desselben, allerdings mit einer späteren Verlängerung in den Chorbereich hinein. Im Langhaus entsprechen vier rundbogige, weit oben am Dachfirst anstoßende Fenster ungefähr dem Rhythmus der darunter liegenden gedrückt spitzbogigen Arkaden. Im Süden (der Lichtseite) sind sie geöffnet (plus zwei zusätzlichen Erdgeschossfenstern in den vorderen beiden Arkaden), während sie auf der sowieso dunklen Nordseite (auch wegen der innen befindlichen Empore) vermauert sind.

Dorfkirche Massen. Nordfassade mit vermauerten Obergadenfenstern und Mittelschiffsarkaden.
Nordfassade mit Obergadenfenstern und Mittelschiffsarkaden, beides vermauert.
Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Dorfkirche Massen. Skulptierter Kämpfer der Mittelschiffsarkaden an der Nordfassade
Schwach skulptierter Kämpfer als Abschluss eines Pfeilers der Mittelschiffsarkaden (Nordseite).
Von Giorgio Michele – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Der Chor besitzt auf jeder Seite zwei spitzbogige Lanzettfenster, auf der Südseite vermauert und durch zwei größere, korbbogige ersetzt; die Seitenschiffe enden noch im Hauptschiff, so dass der Ostteil einschiffig bleibt. Der im Süden erhalten gebliebene Rest des Seitenschiffs wird durch einen späteren Anbau bis in den Chorbereich verlängert, in dessen Innern sich noch eine (jetzt zugesetzte) spitzbogige Priesterpforte befindet. An den Chor schließt sich die leicht eingezogene Apsis an, mit drei originalen Rundbogenfenstern, die allerdings ebenfalls vermauert sind.

Innenraum

Das Innere ist (wie so häufig bei Dorfkirchen) mit einer dreiseitigen Empore aus dem 18. Jh. zugestellt und besitzt aus der Zeit der Romanik nur noch den gedrückt spitzbogigen Triumphbogen und den aus Granitquadern gemauerten Altarblock, Der Rest stammt aus Renaissance (Kanzel) und Barock (Altar, Gestühl und Skulpturen). Interessant sind die spätgotischen Zellengewölbe der Decken, die an Papierfaltarbeiten erinnern und ihren Ursprung im nicht weit entfernten Böhmen haben. (In der Petrikapelle auf dem Brandenburger Domgelände befinden sich ebensolche Gewölbe).

Infobox


Adresse

Karte wird geladen, bitte warten...

Empfohlene Route

Südliche Route

Offizielle Website

Evangelische Kirchengemeinde Massen


Weitere Infos

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. : Kirche Massen