Dorfkirche Selchow

Dorfkirche Selchow aufgenommen von Nordwest
Dorfkirche Selchow aufgenommen von Nordwest

Die Dorfkirche mit ihrem ortsbildprägendenen Westriegel liegt auf dem erhaltenen Anger von Selchow (1373 erstmals urkundlich erwähnt) inmitten des alten Friedhofs. Beim Umschreiten der 150 Jahre älteren Kirche fallen einem sofort die Details auf, die sie von anderen in dieser Gegend unterscheiden: So ist der apsislose Bau ein sehr seltenes Beispiel einer dreiteiligen Anlage, bestehend aus Turm, Schiff und gerade geschlossenem Chor.

Dorfkirche Selchow Dreiteile Anlage ohne Apsis, aufgenommen von Nordost
Dreiteile Anlage ohne Apsis, aufgenommen von Nordost
Dorfkirche Selchow Sorgfältige Quaderung am Turm Südseite
Sorgfältige Quaderung am Turm Südseite

Bei der Begutachtung des Baumaterials wird man auf das sauber geschnittene Quaderwerk besonders des Schiffes, aber auch der Unterseite des Turms aufmerksam, im Gegensatz zu dem aus nur an der Vorderseite bearbeiteten Bruchsteinen eher nachlässig gefügten Chor mit seinen Fenstern aus der letzten Phase des romanischen Stils.

Die romanischen Formen der zugesetzten Fenster des Schiffes mit ihren exakt zugehauenen Rundbögen lassen erkennen, dass beim Bau der Selchower Kirche von der üblichen Reihenfolge der einzelnen Bauglieder abgewichen wurde: Baute man in der Regel zunächst den Chor mit Apsis, dann das Schiff und erst, wenn alles für die Veranstaltung von Gottesdiensten Unabdingbare fertig gestellt war, den Turm, – so wurde hier das Schiff zuerst errichtet, allerdings gemeinsam mit dem späteren Unterbau des Turms im Westen.

Zugesetztes originales Rundbogenfenster neben späteren Segmentbogenfenstern im Schiff
Zugesetztes originales Rundbogenfenster neben späteren Korbbogenfenstern im Schiff. Über dem Kreuz sind Reste des Überfangbogens des ehemaligen Kirchenportals zu sehen.
Zugesetztes Rundbogenfenster in weniger qualitativer Ausführung im Chor Nordseite
Zugesetztes Rundbogenfenster in weniger qualitativer Ausführung im Chor Nordseite

Chor und Turm

Wir wissen, dass viele märkische Dorfkirchen Vorläufer aus Holz hatten, so wäre es im Falle Selchow denkbar, dass man den (vielleicht noch gut erhaltenen) hölzernen Chor stehen ließ um sich zunächst auf das Schiff zu konzentrieren, das ja zur Aufnahme der Gemeinde, die den Bau unter so vielen Opfern errichtete, dienen sollte. Etliche Jahre später, nach dessen Vollendung, riss man den behelfsmäßigen Chor dann doch noch ab und errichtete – jetzt bereits am Übergang zur Frühgotik – einen Chor aus wenig bearbeiteten Feldsteinen ohne Apsis, mit rundbogiger Priesterpforte. Den Ostabschluss bildete eine rundbogige Dreifenstergruppe (als Symbol der Dreifaltigkeit), von der nur noch Spuren existieren.

Dorfkirche Selchow Zugesetztes Fenster in der Ostwand des Chors
Zugesetztes Fenster in der Ostwand des Chors
Baunaht zur Patronatsloge in der Ostwand des Chors
Baunaht zur Patronatsloge in der Ostwand des Chors

Auch kam ein Turm hinzu, der auf den westlichen Teil des Schiffsmauerwerks aufgesetzt wurde und ein einmal abgetrepptes spitzbogiges Westportal aus sauber gefügten Steinen besitzt. Im Turminnern existiert ein spitzbogiger Verbindungsbogen zwischen Turm und Schiff.

Pforte im Westriegel
Pforte im Westriegel
Übergang von ordentlichem zu unordentlichem Mauergefüge am Westriegel
Übergang von regelmäßig gequadertem zu “unordentlichem” Mauergefüge am Westriegel

Der Ursprungsbau hatte sein Portal auf der Südseite, mit einem flachen Überfangbogen aus exakt behauenen Feldsteinen, jetzt vermauert und nur noch in Resten erhalten. Je drei rundbogige Fenster, ebenfalls mit sehr gut behauenen Bogensteinen befanden sich auf der Nord- und Südseite des Schiffes. Ob die Westseite von Anfang an ein Portal hatte oder der Durchbruch erst beim Turmbau geschaffen wurde, kann man nach den Umbauten heute nicht mehr definitiv entscheiden, es spricht aber viel für ein Portal von Anbeginn. In nachreformatorischer Zeit entstanden die jetzigen korbbogigen Fenster, die ebenso wie die spitzbogigen des Turms aus Ziegelsteinen gemauert sind. Im 17. Jh. wurde der Chor an der Südseite um eine Patronatsloge (für die Familie von Thümen) erweitert, die dem Chor eine asymmetrische Struktur verleiht und im Süden über die Flucht des Kirchenschiffs auskragt.

Schiff und Patronatsloge Südseite
Schiff und Patronatsloge Südseite
Pforte der Patronatsloge
Pforte der Patronatsloge

Innenraum

Im flach gedeckten Innern der Dorfkirche Selchow ist zu erkennen, dass (wie in Waltersdorf) der Triumphbogen abgerissen wurde und der Chorfußboden eine Stufe höher liegt als der Boden des Kirchenschiffs. Es befinden sich nur noch zwei mittelalterliche Ausstattungsstücke darin: Auf der Chor-Nordwand ein Weihekreuz und auf der Südseite ein spätgotisches Kruzifix . Der durchaus wertvolle Rest der Innenausstattung stammt aus dem Barock, mit einem großen Kanzelaltar, einer aufwändigen, verglasten zweigeschossigen Patronatsloge, die südlich an den Chor angebaut ist, sowie einer Gruft.

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