Schloss und Kirche Plaue

Schloss Plaue um 1860, Ansicht von Osten über die Havel. Sammlung Duncker, gemeinfrei
Schloss Plaue um 1860, Ansicht von Osten über die Havel. Sammlung Duncker, gemeinfrei

Am Havelübergang in Plaue lag eine Burg, die 1197 durch einen Amtsträger und 1216 als Gebäude erstmals urkundlich erwähnt wird und die die Keimzelle des heutigen Plauer Schlosses ist. Dieses wurde 1716 von Friedrich von Görne, einem preußischen Staatsminister (von Friedrich I. bis Friedrich dem Großen) als repräsentativer Dreiflügelbau von Grund auf neu errichtet. Unter den Herrenhäusern der Mark Brandenburg, die ja auch gern als Schloss bezeichnet werden, ist es das einzige, das diesen Namen wirklich verdient. Unter der Fassade an der Havel sind noch Spuren mittelalterlichen Ziegelmauerwerks zu erkennen, die man eventuell der alten Burg zurechnen könnte. Neben dieser entstand eine Dienstleutesiedlung, ein so genannter Kietz und unweit davon ein Straßendorf. Aus diesen beiden zivilen Siedlungen ging später der Ort Plaue hervor, 1411 erstmals als Stadt bezeichnet.

Pfarrkirche

Pfarrkirche Plaue. Zweiteilige Anlage, Ansicht von Süden Grabmal der Gräfin Koenigsmarck
Pfarrkirche Plaue. Zweiteilige Anlage mit abgesetztem Glockenturm des 19. Jh. und Grabmal der Gräfin Koenigsmarck

Die auf einer Anhöhe liegende Pfarrkirche geht mit Sicherheit auf den Ursprung der Ansiedlung zurück, wie die zugesetzten romanischen Fenster, Portale und die üppigen spätromanischen Schmuckelemente des Backsteinbaus belegen. Es handelt sich um eine zweiteilige Anlage, bestehend aus einem längsrechteckigen Schiff und dem quadratischen, eingezogenen Chor. Damit steht Plaue singulär unter den romanischen Kirchen, denn die zweiteilige Form ohne Apsis kommt sonst nur bei gotischen Bauten vor. Das zugesetzte Rundbogenfenster an der Ostwand des Chors verweist jedoch eindeutig auf den romanischen Stil. Spätere Anbauten haben den Bau stark verunklärt, so dass die Romanik heute nur noch von Süden und Osten her erkennbar ist. Da der Grenzort Plaue zwischen dem Erzbistum Magdeburg und dem Bistum Brandenburg stark umkämpft war, erklärt sich die Verwendung von Backstein als Baumaterial vielleicht als Unterstützungsleistung des Brandenburger Bischofs.

Pfarrkirche Plaue Staffelung Chor und Schiff, Südseite
Pfarrkirche Plaue Staffelung Chor und Schiff, Südseite
Romanische Reste in der Nordwand des Schiffs: Zwei Rundbogenfenster und die Gemeindepforte.
Romanische Reste in der Nordwand des Schiffs: Gemeindepforte, zwei Rundbogenfenster und kombinierter Rauten/Winkelfries
Pfarrkirche Plaue Zugesetztes romanisches Rundbogenfenster Chor Ostfassade
Zugesetztes romanisches Rundbogenfenster in der Ostfassade des Chors, darüber Winkelfries.

Innenraum

Die ersten Verschönerungen erfolgten wohl nach der Verleihung des Stadtrechts, als die Kirche in zwei Etappen mit gotischen Wand- und Deckenmalereien ausgestattet wurde. Die jeweiligen Herren des Plauer Schlosses hatten das Patrozinium über die Kirche inne, das erklärt auch die hochwertige Ausstattung mit Kanzel, Taufstein, Altären, Grabdenkmälern, Statuen und Wandgemälden. Letztere wurden bei Renovierungsarbeiten 1983-1987 wiederentdeckt und restauriert. Nach der Reformation wölbte man die Kirche ein, wobei das Schiff durch eine Säulenstellung zweigeteilt wurde. Bei diesen Bauarbeiten entstand 1571 auch die besonders schön gegliederte Westwand.

Dorfkirche Plaue Schiff Innenansicht
Innenansicht des Schiffs, zweistöckige Empore
Dorfkirche Plaue Kreuzrippengewölbe und Wandmalereien im Chor
Kreuzrippengewölbe und Wandmalereien im Chor
Dorfkirche Plaue Kreuzrippengewölbe und Wandmalereien im Chor
Kreuzrippengewölbe und Fresken im Chor, hinter der Glaswand links die Patronatsloge.
Dorfkirche Plaue Altar, Taufstein und Kanzel
Chor: Altar, Taufstein und Kanzel

In der Barockzeit kam 1715 an der Chornordseite ein Anbau mit Patronatsloge hinzu, der die Außenansicht der Kirche stark beeinträchtigt, aber das Innere erhielt dabei eine qualitätsvolle Ausstattung mit Epitaphien derer von Saldern, von Arnim, von Görne und zuletzt derer von Königsmarck. Auch eine wertvolle Orgel, 1793 von Wilhelm Grüneberg für die St. Johanniskirche in Brandenburg geschaffen, kam 1814 nach Plaue. 1844 endeten die Umbauten mit der Errichtung des freistehenden Glockenturms. Der gesellschaftliche Wandel nach 1945 beraubte Kirche und Schloss ihres Geldgebers, weshalb sie nur noch marginal unterhalten wurden. Das Schloss diente in der DDR als Fremdsprachenschule und harrt noch immer der Restaurierung, während sich die spätromanische Pfarrkirche in gutem Zustand präsentiert.

Infobox


Adresse

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