Dorfkirche Grunow

Dorfkirche Grunow. Ansicht von Nordwest
Dorfkirche Grunow. Ansicht von Nordwest

Lage

Der Weg führt weiter nach Osten über die K 6414 nach Grunow. Dieser Ortsame ist typisch für die neu gegründeten Siedlungen der Ost-Expansion. Er bedeutet „Grüne Aue“ und sollte werbend für den Zuzug weiterer Siedler sorgen. In der Form Gruhno, Grünow und Grunow taucht er in den Gebieten östlich der Elbe vielfach auf.

Die Kirche befindet sich außerhalb des heutigen Dorfkerns am Ostrand des Ortes. Diese ungewöhnliche Lage wird damit erklärt, dass Grunow während der Hussitenkriege im 15. oder des 30-jährigen Krieges im 17. Jh. verlassen und nach Rückkehr der Bewohner etwas weiter westlich wiederaufgebaut wurde.

Dreiteilige Anlage

Das Gotteshaus, umgeben von seinem ehemaligen Kirchhof, dessen Feldsteinmauer in Fundamenten erhalten blieb, ist eine dreiteilige Anlage aus regelmäßigen Feldsteinquadern mit rundbögigen Öffnungen, aber einem spitzbogigen Trumphbogen im Innern. Das deutet auf eine Bauzeit in der ersten Hälfte des 13. Jh. hin, vielleicht nach Beendigung des Teltow-Krieges 1245, wie bei vielen Bauten dieser Region. Erstmals erwähnt wird Grunow 1315, ca. 70 Jahre nach der Errichtung.

Dorfkirche Grunow Zugesetzte Gemeindepforte. Schiff Nordwand
Zugesetzte Gemeindepforte. Schiff Nordwand
Dorfkirche Grunow Gemeindepforte und Rundbogenfenster, beide zugesetzt. Schiff Südwand
Gemeindepforte und Rundbogenfenster, beide zugesetzt. Schiff Südwand

Die drei vermauerten Portale sind rundbogig, die Fenster wurden sämtlich verändert, so dass die Bogenformen nur mit Mühe als rund zu rekonstruieren sind. Je ein Gemeindeportal führte von der Nord- und der Südseite ins Schiff, an der Nordseite des Chors gab es eine Priesterpforte. Im Innern finden sich noch alte Führungen für den Sperrbalken.

Proesterpforte und originales Rundbogenfenster. Chor Nordwand
Proesterpforte und originales Rundbogenfenster. Chor Nordwand
Originales Rundbogenfenster. Chor Südwand
Originales Rundbogenfenster. Chor Südwand

Die Fenster der Apsis weisen Veränderungen auf, am meisten jedoch die Westseite, in der große Partien aus neuzeitlichen Ziegeln bestehen. Ihr Feldsteingiebel ist aber recht gut erhalten. Er enthält ein großes rundbogiges Fenster, das als Schallöffnung für das Glockengeschoss gedient haben muss.

Apsis und Chorwand
Apsis und Chorwand
Westfassade mit Stützpfeilern und Portal
Westfassade mit Stützpfeilern und Portal

Das Westportal besteht aus neuzeitlichen Ziegeln, zwei in der Wand ganz unten vermauerte Gewändesteine lassen jedoch den Schluss zu, dass sich auch hier ein originaler Eingang befand. Der Triumphbogen ist spitzbogig, ansonsten ist das Innere nach schweren Kriegsschäden modern ausgebaut.

Gewändesteine am Westportal
Gewändesteine am Westportal
Originale Klangarkade und lateinisches Kreuz im Giebel der Westwand
Originale Klangarkade und lateinisches Kreuz im Giebel der Westwand

Schachbrettsteine

Dorfkirche Grunow Anordnung der sechs Schachbrettsteine an der Nordwestlichen Mauerkante
Anordnung der sechs Schachbrettsteine an der Nordwestlichen Mauerkante

Abgesehen von ihrer Lage wäre diese Dorfkirche keine große Besonderheit, hätte sie nicht ihre Schachbrettsteine. Während derartig gemusterte Steine im übrigen Europa unbekannt sind, finden sie sich in vergleichsweise großer Zahl im südlichen Ostseeraum, zu beiden Seiten der Oder und sogar in Jütland. Sie sind in der Regel Einzelstücke und wurden bevorzugt im Eingangsbereich oder an Mauerecken gut sichtbar angebracht. Hier in Grunow sind es aber sieben Stück, die durch diese Massierung alle Erklärungsversuche ad absurdum führen.

Dorfkirche Grunow Die drei Schachbrettsteine der Nordfassade.
Die drei Schachbrettsteine der Nordfassade.
Dorfkirche Grunow Die drei Schachbrettsteine der Westfassade.
Die drei Schachbrettsteine der Westfassade.

So soll es sich etwa um Steinmetzzeichen handeln, was aber nicht glaubhaft erscheint, da so viele Kirchen ohne Schachbrettsteine blieben. Auch die Deutung, es handele sich um ein askanisches, wettinisches oder zisterziensisches Wappen (weil Schachbrettmuster in Wappen häufig vorkommen) ist angesichts der vielen Steine in Grunow nicht glaubhaft.

Am plausibelsten erscheint noch die Erklärung der Schachbrettsteine als apotropäisch (Unheil abwehrend) da sie ausschließlich an Außenwänden angebracht sind. Dazu passt die Gleichsetzung der Schachpartie mit dem Kampf des Teufels gegen den Herrn um die armen Seelen. Durch eine solche Deutung kommt dem Schachbrettmuster eine starke Bedeutung bei der Abwehr des Bösen zu. Hell und dunkel stehen für Gut und Böse, Leben und Tod, Anfang und Ende. Sechs dieser Steine, darunter zwei Ecksteine, befinden sich an der Nordwestecke der Kirche in der von unten fünften, sechsten und siebten Lage. Sie bestehen aus grünem, bläulichem und rotem Gestein.

Jerusalem-Stein

Dorfkirche Grunow Jerusalemstein in der nördlichen Stützwand der Westfassade.
Jerusalemstein in der nördlichen Stützwand der Westfassade.

Im nördlichen Stützpfeiler ist der Jerusalem-Stein vermauert, ganz offensichtlich nicht am originalen Ort. Er trägt das Jerusalemkreuz, das Zeichen des Ritterordens vom Heiligen Grab, auch das Wappen des Königreichs Jerusalem enthielt ein solches Kreuz. Es handelt sich um ein gleichschenkliges griechisches Kreuz, in dessen vier Quadranten jeweils ein kleineres griechisches Kreuz eingepasst ist. Nach der Vorstellung der Ordensritter symbolisierten die Kreuze die fünf Wunden Christi. Nun wird es in Grunow keine Ritter vom Heiligen Grab gegeben haben, deshalb dürfte der Stein, über dem Hauptportal angebracht, die Gläubigen an das Martyrium des Herrn gemahnt haben. Allerdings findet sich auch an der gar nicht so weit entfernten Kirche von Tempelberg ein gleicher Stein, der von den Tempelrittern angebracht wurde, die einen Bezug zum Heiligen Land hatten. Vielleicht existierte eine Verbindung von ihnen nach Grunow.

Infobox


Adresse

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Empfohlene Route

Nordöstliche Route

Offizielle Website

keine