Burg und Bischofsresidenz Ziesar

Burg und Bischofsresidenz Ziesar
Burg und Kapelle Ziesar. Foto Gregor Rom CC BY-SA 4.0

Ursprünge

Ziesar (gesprochen Zi-e-sar) geht auf einen slawischen Burgwall zurück, der an der gleichen Stelle wie die spätere Bischofsresidenz lag. Der slawische Ortsname za jezero (hinter dem See) legt noch heute Zeugnis vom Ursprung der Siedlung ab. Unter Otto dem Großen kam Ziesar unter deutsche Herrschaft und wurde nach der Gründung des Bistums Brandenburg diesem wie auch die Ortschaft Pritzerbe als Pfründe verliehen. Beim großen Slawenaufstand 983 und der Zerstörung des Bischofssitzes ging dies zwar alles wieder verloren, aber nach Wiederherstellung des Bistums und dem Neubau der Kathedralkirche um 1170 legten die Bischöfe von Brandenburg großen Wert darauf, auch den früheren Grundbesitz zurückzubekommen.

Burg und Bischofsresidenz Ziesar Westwand der Kapelle mit Stützen
Westwand der Kapelle mit Stützen
Maria mit Kind in der südlichen Stütze der Kapellenwestwand
Maria mit Kind in der südlichen Stütze der Kapellenwestwand

In diese Zeit des gezielten Landesausbaus ab etwa 1200 muss der Neubau der Burg Ziesar fallen, wie aus dem sorgfältig gequaderten Mauerwerk ablesbar ist. Wie in Wiesenburg und in Rabenstein handelt es sich um eine Ringmauerburg, bei der die Burggebäude direkt an die Wehrmauer angebaut sind. Nur der Bergfried steht isoliert innerhalb des Burghofs.

Exakte Quaderung der Feldsteine an der Westwand der Kapelle
Exakte Quaderung der Feldsteine an der Westwand der Kapelle
Raseneisensteine in der Mauer des Zwischenbaus
Raseneisensteine in der Mauer des Zwischenbaus

Bischofsresidenz

1214 wird die Burg als Tagungsort eines Fürstentages unter Teilnahme des Bischofs zum ersten Mal erwähnt, zu dieser Zeit müssen die genannten Gebäudeteile bereits gestanden haben. Gelegentliche Besuche des Bischofs sind auf der Burg in diesem Jahrhundert weiterhin bezeugt, bis im folgenden Jahrhundert beschlossen wurde, das Gebäude zu einer ständigen Residenz auszubauen.

Grund dafür war die ungünstige Machtposition des Bischofs in der Stadt Brandenburg. Zwar residierte er dort im Domkloster, der sogenannten Spiegelburg , doch war die Dominsel auch das Territorium der ehemaligen Burg Brandenburg. Sie galt als königliches Eigentum und wurde von einem nur dem König verantwortlichen Burggrafen verwaltet. Das brachte den Bischof in die Bedrängnis, nicht Herr im eigenen Haus zu sein. Obendrein hatte auch der Markgraf als Landesherr keine Neigung, seine Herrschaftsbefugnis mit dem Bischof zu teilen. Deshalb übergab der Bischof die Verwaltung des Doms und die Organisation des Gottesdienstes den Chorherren der Prämonstratenser und baute sich ab 1335 einen neuen und sicheren Wohnsitz auf eigenem Grund und Boden in der Burg Ziesar aus.

Burg und Bischofsresidenz Ziesar Kapelle und bischöfliches Wohngebäude. Im Hintergrund der Storchenturm (15. Jh.) und St. Crucius
Kapelle und bischöfliches Wohngebäude. Im Hintergrund der Storchenturm (15. Jh.) und St. Crucis

Bauliche Veränderungen

Dazu musste der romanische Wehrbau an einigen Stellen verändert werden: Die romanischen Mauern neben dem Burgtor wurden abgerissen und an ihrer Stelle ein zweigeschossiger Palasflügel errichtet, in dem man die bischöflichen Repräsentationsräume unterbrachte. Die Bedeutung dieser Räume wird durch den Einbau einer Fußbodenheizung (der älteren zweier solcher Anlagen) im Keller ersichtlich. Neben dem Palas entstanden innerhalb der romanischen Mauern, aber in neuer Geschosseinteilung und mit neuen Fensterformen die Privatgemächer. Die Umbauten wurden mit eindrucksvollen, teilweise großformatigen Wandmalereien dekoriert, von denen Reste bei der Restaurierung der Burg wieder zutage kamen.

Burg und Bischofsresidenz Ziesar Backsteinfassade und Portal der Kapelle nach Umbau im 15. Jahrhundert
Backsteinfassade und Portal der Kapelle nach Umbau im 15. Jahrhundert

Um 1470 wurde die Burg unter Bischof Dietrich von Stechow ein zweites Mal durchgreifend und diesmal sehr repräsentativ umgebaut. Der Palas erhielt einen kreuzgewölbten Saal mit verbesserter Fußbodenheizung und große gotische Fenster wurden in die Hofwand gebrochen. Der Bergfried bekam ein kuppelartiges Dach, das man als Bischofsmütze gestaltete.

Innenraum der Kapelle
Innenraum der Kapelle. Blick auf Altar und Weihestein.

An die Stelle der alten Burgkapelle trat eine vergrößerte neue, in der der Bischof beigesetzt wurde. Der jetzt in der Ostwand vermauerte Weihestein gehörte ursprünglich zum Altar und stammt aus seiner Zeit. Dargestellt sind der Apostelfürst Petrus in der Mitte, flankiert von den Aposteln Andreas (mit Kreuz) und Paulus (mit Schwert). Links Ägidius, einer der 14 Nothelfer, rechts ein König (Sigismund oder Wenzel). Palas und Kapelle verbindet ein Gang, der über der Toreinfahrt verläuft. Die Nachfolger des Bischofs schmückten die Kapelle mit hoch interessanten Illusionsmalereien aus, die Vorhänge und gotisches Maßwerk vortäuschen. Die hofseitige Fassade erhielt eine Dekoration, die mit zum Besten gehört, was man mit Backsteinen gestalten kann.

Wandmalereien in der Kapelle
Wandmalereien in der Kapelle

Neuzeit

Nach der Reformation nahm die Burgkapelle eine vom übrigen Gebäude getrennte Entwicklung: Sie wurde den Calvinisten als Gotteshaus übergeben, die als Bilderfeinde zuerst die Wandmalereien übertünchten und sie dadurch allerdings konservierten. Nach dem Auszug der Calvinisten diente die Kapelle zunächst als Lagerraum, nach 1945 wurde sie der katholischen Gemeinde von Ziesar übergeben. Im 19. und 20. Jh. erfolgten erste Restaurierungen der Wandmalereien.

Durch die Reformation hatte Ziesar seine Funktion als Bischofsresidenz verloren. Das Besitztum wurde vom Landesherrn eingezogen, aber nur wenig genutzt, da ihm außerdem noch eine Fülle ehemaliger kirchlicher Gebäude zur Verfügung stand (s.o. Lehnin). Burg Ziesar diente nun als Witwensitz und zu gelegentlichen Aufenthalten des Kurfürsten, verfiel aber wegen mangelnder baulicher Instandhaltung.

Später wurde sie Sitz des Amtes Ziesar, was zu weiteren, verschandelnden Umbauten führte: Der romanische Flügel neben dem bischöflichen Wohngebäude verlor sein Obergeschoss und die Räume im Innern erhielten einen völlig neuen, kleinteiligen Grundriss. Den an den Bergfried angrenzenden Gebäudeteil riss man ab. Nach dem Verkauf an Privateigentümer diente die Burg als Sitz eines Landgutes. Deshalb wurden die Wohngebäude im 19. Jh. nochmals umgebaut. Den ehemaligen Palas gestaltete man innen klassizistisch um, an der Außenseite, links neben dem Torhaus, erhielt er eine vorgezogene, verputzte neue Wand.

Nach 1945

1945 erfolgte die Enteignung der Besitzer und das Gebäude diente für zehn Jahre als Flüchtlingsunterkunft. Danach richtete man ein Schulinternat darin ein, was zu weiteren Umbauten führte. Diese Nutzung endete 1993 und nach jahrelangem Leerstand kam es 2002 – 2005 endlich zur Restaurierung des völlig heruntergewohnten Gebäudes, bei der die gesamte bauliche Entwicklung seit 1200 einschließlich bedeutender Teile des romanischen Baus wieder sichtbar gemacht wurde.

Burg und Bischofsresidenz Ziesar Bergfried
Bergfried

Erstaunlich viel von der romanischen Burg um 1200 hat sich bis heute erhalten: Neben dem komplett erhaltenen Bergfried sind dies große Teile der Ringmauer, aber auch viel aufgehendes Mauerwerk der Wohngebäude. Von der Hofseite wie von der Außenseite kann man auf zwei Geschossen noch große Teile der in Lagen aus sauber gequaderten Feldsteinen gemauerten Originalsubstanz erkennen.

Romanisches Mauerwerk an der Außenwand des Zwischengebäudes
Romanisches Mauerwerk an der Außenwand des Zwischengebäudes

Die auf den Grundrissen des 15. Jh. wiederhergestellten Innenräume werden jetzt als Museum für brandenburgische Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters genutzt. Hier kann man auch die rekonstruierte Gebäudeecke des hölzernen Vorgängerbaus der Dorfkirche Haseloff sehen.

Grundriss

Burg Ziesar, Grundriss nach Georg Dehio, gemeinfrei.
Burg Ziesar, Grundriss nach Georg Dehio, gemeinfrei.

Infobox


Adresse

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Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

Burgmuseum Ziesar