Burg Putlitz

Burg Putlitz. Reste der Anlage mit (von rechts nach links) Bergfried, Bodenfläche des Palas, Torhaus, Brücke über den Wassergraben.
Burg Putlitz. Reste der Anlage mit (von rechts nach links): Bergfried, Bodenfläche des Palas, Teilen der Ringmauer mit Kaminraum sowie neuzeitlicher Brücke über den Wassergraben.

Diese unscheinbare Anlage ist der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Gans, Edle zu Putlitz, das 1147, beim so genannten Wendenkreuzzug in die Mark gekommen war. Ihr berühmtester Vertreter Johannes Gans baute die Burg aus, von der sein Geschlecht den Beinamen bekommen hatte. Zusammen mit dem Bischof von Havelberg war Gans derjenige, der die Prignitz einnahm und sich dabei landesherrliche Rechte anmaßte; der eigentliche Landesherr Albrecht der Bär konzentrierte sich derweil auf sein künftiges Kerngebiet im Zentrum der Nordmark.

Schon bald hatte sich Gans weitere Burgen gesichert und begann mit dem Landesausbau, indem er Siedler anwarb, Städte gründete und 1230 das Kloster Marienfließ stiftete. Die eher kleine Burg Putlitz dürfte nach diesem Machtzuwachs keine große Rolle mehr gespielt haben, so dass sie im Laufe der Jahrhunderte verfiel. Dennoch sind am Rande der Ortschaft Putlitz von ihr noch so viele Überreste vorhanden, dass man die Anlage aus der Besiedlungszeit im Prinzip rekonstruieren kann.

Die Burganlage

Es handelt sich um eine Wasserburg, deren um einen Hügel herum angelegter Ringgraben durch den Fluss Stepenitz gespeist wurde. Auf der Kuppe des Hügels standen die von einer Ringmauer umgebenen Burggebäude, von denen der Bergfried (restauriert 1890) noch aufrecht steht.

Burg Putlitz, Bergfried.
Burg Putlitz, Bergfried.

Direkt an ihn angrenzend, wie bei der Burg Spandau, liegt ein rechteckiger Raum, wahrscheinlich der Palas, dessen Fundamente noch erhalten sind und dessen Fußboden durch Steinplatten markiert ist. Beide Bauteile bestehen aus Backstein (der Bergfried allerdings auf einem Sockel aus sauber behauenem Feldstein), während die erhaltenen Teile der Ringmauer aus wenig behauenen Feldsteinen gefügt sind.

Basis des Bergfrieds aus behauenen, z.T. gequaderten Feldsteinen.
Basis des Bergfrieds aus behauenen, z.T. gequaderten Feldsteinen.
Westseitige Mauerreste, links möglicherweise Reste des Torbaus. Im Vordergrund der Bereich des Palas.
Westseitige Mauerreste, links ein dicker Mauerest mit Kamin. Im Vordergrund der Bereich des Palas.

Innerhalb des recht kleinen Bereichs der Ringmauer finden sich noch weitere Reste, darunter ein Keller, die aber eher nicht den ersten Bauphasen angehören dürften.

Bergfried, Palas, östlich gelegener Keller (?) sowie Burghof.
Bergfried, Palas, östlich gelegener Kellerraum sowie Burghof.
Blick von Süden über die Anlage.
Blick von Süden über die Anlage
Burg Putlitz Mauerreste.
Burg Putlitz Mauerreste und Zugang zu einem Kellerraum mit spätgotischen Mauerwerk.
Reste eines stark befestigten Raums mit Kamin. Blick nach Süden auf die Brücke über den Wassergraben.
Sehr starkes Mauerwerk des Kaminraums, mit Ziegelbruch und unbearbeiteten Feldsteinen verfüllt.

Die erhaltenen Reste lassen sich so deuten, dass die Ringmauer aus wenig bearbeiteten Feldsteinen aus der Besiedlungszeit stammt, während Bergfried und Palas in spätromanischer Zeit (1200 – 1230) und die übrigen Gebäude noch später, in der Zeit der Gotik, errichtet wurden.

Raubritter

In den Wirren der Kämpfe um die Nachfolge der ausgestorbenen Askanier vergrößerten die Gans zu Putlitz ihre Macht und ihren Besitz erheblich. Zu dieser Zeit dürften sie aber diese – viel zu kleine – Burg nicht mehr bewohnt haben, da sie noch andere Besitztümer innehatten und bereits begannen, sich in Wolfshagen ein repräsentatives Schloss zu errichten. In den Auseinandersetzungen mit den neuen Landesherren, den Wittelsbachern und Luxemburgern, beharrten sie auf ihren, sich im Laufe der Zeit angemaßten Privilegien, insbesondere dem Fehderecht, das ihnen ermöglichte, ohne Einwilligung des Landesherrn Kriege zu führen. Das brachte ihnen, zusammen mit anderen Familien des märkischen Uradels, wie den Quitzows und den Bredows den Vorwurf ein, “Raubritter” zu sein, insbesondere Theodor Fontane popularisierte solch eine Bewertung im 19. Jh. Das dürfte aber nicht den Tatsachen entsprechen, denn anders als der traditionelle Ritterstand, der in der Zeit der aufkommenden Feuerwaffen und neuer Kriegsformen seine Existenzgrundlage verlor, waren die märkischen Uradligen reiche, selbstbewusste Grundbesitzer. (Die Form des traditionellen Rittertums war in den ostelbischen Gebieten auch gar nicht so stark vertreten). Ihr Selbstbewusstsein brachte die Familie Gans auch dadurch zum Ausdruck, dass sie sich bis heute als “Edle zu Putlitz” bezeichnet, was kein offizieller Adelstitel ist. Mühelos hätten sie sich einen solchen zulegen können, da aber andere solch eine Rangerhöhung durch Kauf bewerkstelligten, verzichteten sie lieber darauf.

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