Burg Putlitz

Burg Putlitz Bergfried
Burg Putlitz Bergfried. Von Niteshift [CC BY 3.0]

Diese unscheinbare Anlage ist der Stammsitz der Gans, Edle zu Putlitz, die 1147, beim so genannten Wendenkreuzzug in die Mark gekommen waren. Ihr berühmtester Vertreter Johannes Gans errichtete hier die Burg, von der sein Geschlecht den Beinamen bekam. Zusammen mit dem Bischof von Havelberg war Gans derjenige, der die Prignitz einnahm und sich dabei landesherrliche Rechte anmaßte; der eigentliche Landesherr Albrecht der Bär konzentrierte sich derweil auf sein künftiges Kerngebiet im Zentrum der Nordmark. Schon bald hatte sich Gans weitere Burgen gesichert und begann mit dem Landesausbau, indem er Siedler anwarb, Städte gründete und ein Kloster stiftete. Die eher kleine Burg Putlitz dürfte nach diesem Machtzuwachs keine große Rolle mehr gespielt haben. Am Rande der Ortschaft Putlitz sind von ihr noch so viele Überreste vorhanden, dass man ihren Grundriss aus der Besiedlungszeit im Prinzip rekonstruieren kann.

Die Burganlage

Es handelt sich um eine Wasserburg, deren um einen Hügel herum angelegter Ringgraben durch den Fluss Stepenitz gespeist wurde. Auf der Kuppe des Hügels standen die von einer Ringmauer umgebenen Burggebäude, von denen der Bergfried (restauriert 1890) noch aufrecht steht. Direkt an ihn angrenzend, wie bei der Burg Spandau, liegt ein rechteckiger Raum, wahrscheinlich der Palas, dessen Fundamente noch erhalten sind und dessen Fußboden durch Steinplatten markiert ist. Beide Bauteile bestehen aus Backstein (der Bergfried allerdings auf einem Sockel aus sauber behauenem Feldstein), während die erhaltenen Teile der Ringmauer aus wenig behauenen Feldsteinen gefügt sind. Innerhalb des recht kleinen Bereichs der Ringmauer finden sich noch weitere Reste, darunter ein Keller, die aber eher nicht den ersten Bauphasen angehören dürften.

Burg Putlitz Mauerreste.
Burg Putlitz Mauerreste. Von Niteshift [CC BY 3.0]
Burg Putlitz Mauerreste.
Burg Putlitz Mauerreste. Von Niteshift [CC BY 3.0]

Die erhaltenen Reste lassen sich so deuten, dass die Ringmauer aus der Besiedlungszeit, Bergfried und Palas – wie in Spandau – aus spätromanischer Zeit um 1200 und die übrigen Gebäude aus noch späterer, gotischer Zeit stammen.

Raubritter

In den Wirren der Kämpfe um die Nachfolge der ausgestorbenen Askanier vergrößerten die Gans zu Putlitz ihre Macht und ihren Besitz erheblich. Zu dieser Zeit dürften sie aber diese – viel zu kleine – Burg nicht mehr bewohnt haben, da sie noch andere Besitztümer innehatten und bereits begannen, sich in Wolfshagen ein repräsentatives Schloss zu errichten. In den Auseinandersetzungen mit den neuen Landesherren, den Wittelsbachern und Luxemburgern, beharrten sie auf ihren, sich im Laufe der Zeit angemaßten Privilegien, insbesondere dem Fehderecht, das ihnen ermöglichte, ohne Einwilligung des Landesherrn Kriege zu führen. Das brachte ihnen, zusammen mit anderen Familien des märkischen Uradels, wie den Quitzows und den Bredows den Vorwurf ein, “Raubritter” zu sein, insbesondere Theodor Fontane popularisierte solch eine Bewertung im 19. Jh. Das dürfte aber nicht den Tatsachen entsprechen, denn anders als der traditionelle Ritterstand, der in der Zeit der aufkommenden Feuerwaffen und neuer Kriegsformen seine Existenzgrundlage verlor, waren die märkischen Uradligen reiche, selbstbewusste Grundbesitzer. (Die Form des “traditionellen” Rittertums war in den ostelbischen Gebieten auch gar nicht so stark vertreten). Ihr Selbstbewusstsein brachte die Familie Gans auch dadurch zum Ausdruck, dass sie sich bis heute als “Edle zu Putlitz” bezeichnet, was kein offizieller Adelstitel ist. Mühelos hätten sie sich einen solchen zulegen können, da aber andere solch eine Rangerhöhung durch Kauf bewerkstelligten, verzichteten sie lieber darauf.

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