Dorfkirche Dalichow

Dorfkirche Dalichow. Einfache Saalkirche.
Dorfkirche Dalichow. Einfache Saalkirche.

Ein Bau mit vielen Fragezeichen

Auf dem schönen Dorfanger von Dalichow mit Teichen an beiden Seiten liegt auf einem Hügel die Dorfkirche, ein einfacher rechteckiger Saalbau. Bis fast hinauf zur Dachzone besteht sie aus nur einseitig bearbeiteten Feldsteinen, die in gleichmäßigen horizontalen Reihen angeordnet sind. Um die Lagigkeit bei den sehr unterschiedlichen Steinformaten zu erreichen, wurden an vielen Stellen Zwicklagen aus kleineren Steinen eingefügt. Die Dachzone der beiden Längsseiten weist „gestörtes“ Mauerwerk auf, das auf eine gravierende frühere Zerstörung des Bauwerks hinweist, z. B. Abbrennen des Dachstuhls und Einsturz der beiden Giebel sowie der Traufzone der Längsseiten.

Das wird durch die Dendrochronologie des Dachstuhls (1577 im Osten und 1655 im Westen) und den Wiederaufbau der beiden Giebel bestätigt, die im Westen ungeordnetes Feldsteinmauerwerk der romanischen Spätzeit und im Osten gotisches Ziegelmauerwerk mit einer Blendengliederung – analog zur Dreifenstergruppe – aufweisen. Die Westseite ist komplett geschlossen – ohne jegliche Öffnungen.

Dorfkirche Dalichow, Westfassade
Westfassade
Dorfkirche Dalichow, Fenster und Mauerwerk Ostfassade
Fenster und Mauerwerk Ostfassade

Verwendung von Backstein an einer Feldsteinkirche

Alle Fenster und Portale sind spitzbogig mit Laibungen aus Backstein. Auf der Südseite befinden sich zwei Portale, wobei das westliche größer ist als das östliche. Hierbei handelt es sich offensichtlich um das Gemeindeportal, während das andere die Priesterpforte darstellt. Beide haben eine deutlich spitzere Bogenform als die Fenster. An der Priesterpforte finden sich Näpfchensteine, am Gemeindeportal Spuren einer Teufelskralle und ein eingeritzter Kreis.

Dorfkirche Dalichow, Südfassade
Südfassade
Dorfkirche Dalichow, Näpfchensteine in Ziegeln der Fasche der Priesterpforte
Näpfchensteine in Ziegeln der Fasche der Priesterpforte
"Teufelskrallen", Gemeindepforte
“Teufelskrallen”, Gemeindepforte
Dorfkirche Dalichow, Ritzungen in Ziegel der Fasche der Gemeindepforte
Ritzungen in Ziegel der Fasche der Gemeindepforte

Vier gedrückt spitzbogige Fenster sind an den Längsseiten erhalten geblieben, an der Ostseite befindet sich eine Dreifenstergruppe mit ebensolcher Bogenform.

Dorfkirche Dalichow, Ansicht von Südost
Ansicht von Südost
Dorfkirche Dalichow, Ansicht von Nordwest
Ansicht von Nordwest
Dorfkirche Dalichow, Fenster und Mauerwerk Ostfassade
Fenster und Mauerwerk Ostfassade

Die korbbogigen Fenster stammen – wie üblich – aus dem Barock, ersetzen aber auf der Südseite offensichtlich zwei weitere Spitzbogenfenster. Ihre Anordnung ist unregelmäßig, was wohl die Trennung des Gemeindebereichs mit drei Fenstern vom Chorbereich mit nur einem Fenster deutlich machen soll. Die (ohnehin weniger belichtete) Nordseite weist nur zwei gedrückt spitzbogige Fenster im Gemeindebereich auf (das korbbogige Fenster in der Erdgeschosszone stammt aus dem Barock und hatte sicherlich keinen Vorgänger).

Dorfkirche Dalichow, Fenster und Mauerwerk Nordfassade
Fenster und Mauerwerk Nordfassade

Schwierige Datierung

Viele Fragezeichen treten beim Versuch der Datierung des Bauwerks auf. Im allgemeinen wird die Kirche auf die Zeit nach 1300 datiert, der Ort aber bereits um 1220 erwähnt. 1286 gehen Ort und Patronatsrecht an das Kloster Zinna, 1394 dann an die Jüterboger Zisterzienserinnen. Es erscheint unsinnig, dass eine schon 1220 erwähnte Gemeinde erst um 1300 ein steinernes Kirchengebäude erhalten haben soll. (Auch ein kompletter Neubau nur wenige Jahre nach dem Gründungsbau ist wenig einleuchtend).

Die Feldsteinpartien des Gebäudes mit ihren nur einseitig behauenen Steinen in lagiger Anordnung und den exakt gefügten Kanten verweisen durchaus auf eine Bauzeit in der ersten Phase des spätromanischen Kirchenbaus in Brandenburg, um 1200.

Dorfkirche Dalichow, Feldsteinmauerwerk, Südseite
Feldsteinmauerwerk, Südseite
Dorfkirche Dalichow, Exakt behauene Feldsteine an den Gebäudekanten
Exakt behauene Feldsteine an den Gebäudekanten

Das passt auch zum Datum der Ersterwähnung des Ortes, das nicht zwangsläufig das Gründungsdatum ist, denn ein Ort kann schon einige Jahrzehnte existiert haben, bevor er in einer Urkunde auftaucht. Dagegen finden wir die gleichzeitige Verwendung von Backstein und Feldstein, ausschließlich spitze Bögen und den rechteckigen Chorabschluss erst bei Bauten ab dem späten 12. Jh., also rund hundert Jahre später.

Einflüsse der Zisterzienser

Eine Erklärung für diese Ungereimtheiten könnten die Besitzwechsel der Dorfkirche 1286 und 1394 sein. Sowohl das Kloster Zinna (z. B. in seinen Bauten Bardenitz und Pechüle) als auch das Zisterzienserkloster in Jüterbog bauten zu dieser Zeit in Backstein und da die Fenster und Portale in Dalichow ohnehin wie nachträglich eingefügt erscheinen, wären sie als Reparaturmaßnahmen durch die genannten Klöster nach dem erwähnten schweren Brand, bei dem auch der Dachstuhl und die Giebel einstürzten, erklärbar. (Die unterschiedlichen dendrochronologischen Daten des Dachstuhls verweisen auf den Wiederaufbau nach weiteren Zerstörungen im Schmalkaldischen und im dreißigjährigen Krieg).

Bleibt einzig und allein der einteilige Grundriss der einfachen Saalkirche, für den es unter den Bauten der ersten Bauphase keine Entsprechung gibt, hingegen viele Beispiele aus dem 14. und 15. Jh. Deren Feldsteinmauerwerk stimmt aber wiederum nicht mit dem von Dalichow überein. Unter Inkaufnahme der Widersprüche könnte man in Dalichow durchaus einen – in der Zeit der Gotik überformten – Bau aus der ersten Phase der Spätromanik in Brandenburg sehen.

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Adresse

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Südliche Route

Offizielle Website

Gemeinde Niedergörsdorf