Dorfkirche Grubo

Dorfkirche Grubo Ansicht von Südost
Dorfkirche Grubo: Ansicht von Südost. Stark eingezogener Chor mit Apsis auf derselben Höhe.

Grubo, dessen Name sich trotz der pseudo-slawischen Endung “o” auf das deutsche Wort “Grube” bezieht, wurde 1388 zuerst urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit stand die Dorfkirche aber bereits seit 150 Jahren! An ihrem Mauerwerk lassen sich zwei Bauphasen ablesen: Chor und Apsis bestehen aus regelmäßig verlegten Feldsteinquadern, während im Mauerwerk des Schiffs oberhalb der ersten drei sauberen Lagen die Steine nur grob oder nur außen behauen sind. Da man die Kirchen von Osten her baute, erscheint diese Abfolge der Mauerwerksqualität inkonsequent: Die auf eine Bauzeit im ersten Drittel des 13. Jh. verweisenden Ostteile werden von einem Schiff gefolgt, dessen primitive Mauerwerksstruktur in anderen Flämingkirchen ins 12. Jh. oder erst ins späte 14. Jh. gehört! Gegen letzteres sprechen die drei originalen romanischen Fenster und das (jetzt zugesetzte) Gemeindeportal. Diese Ungereimtheiten sind schwer zu erklären, am besten vielleicht durch fehlende Mittel, den Wechsel der Bauleute oder Reparaturen nach schwerer Zerstörung.

Dreiteilige Anlage

Die flämingtypische dreiteilige Anlage (Schiff mit Dachreiter, Chor, Apsis) zeigt noch weitere Besonderheiten. So ist der Chor mit 1,40 m auf jeder Seite recht stark eingezogen, während das bei der Apsis mit 0,35 m nur sehr gering ausfällt. (In Stahnsdorf existiert ebenfalls solch ein stark eingezogener Chor, nicht aber die vergrößerte Apsis). Das Gruboer Halbkegel-Dach der Apsis wurde in späterer Zeit (vielleicht nach einem Wiederaufbau aufgrund von Kriegszerstörung) bis auf die Höhe des Chors heraufgezogen und mit dessen Dach vereinigt. Das verschafft dem Bau ein ungewohntes (fast störendes) Aussehen, weil dadurch der sonst so charakteristische Ostgiebel vom Dach der Apsis verdeckt ist und die schöne Staffelung der einzelnen Baukörper nicht zum Tragen kommt. Der Dachturm mit achteckigem Aufsatz und Schweifhaube von 1756 ist eindeutig barock. Sein aus Feldstein bestehender Westteil vom Typ Dangelsdorf lässt aber auf einen bauzeitlichen Vorgänger schließen.

Dorfkirche Grubo Ansicht von Südwest
Südwestansicht mit neuzeitlichem Portal, Okulus und Dachreiter vom Typ Dangelsdorf.

Die meisten Tür- und Fensteröffnungen der Kirche sind noch an der ursprünglichen Stelle, auf der Südseite des Schiffs sowie an der Nordseite des Chors sogar einige im Originalzustand. Das Schiff hatte je drei Rundbogenfenster auf beiden Seiten, der Chor je zwei und die Apsis die üblichen drei. In der Südwand des Schiffes befindet sich in der Mitte ein halb zugesetztes Gemeindeportal und im Chor, direkt an der Ecke zum Schiff, eine vermauerte Priesterpforte. Ob auch ein Westportal zum Ursprungsbau gehörte, lässt sich aufgrund des jetzt existierenden, das durch sein großes Format alle eventuell vorhandenen Spuren eines älteren Vorgängers beseitigt hat, nicht mehr nachweisen. Es existieren Beispiele sowohl für ein Westportal (in Borne) als auch gegen ein solches (in Stahnsdorf).

Dorfkirche Grubo Originale Fenster und Portal in der Südwand des Schiffs
Ungeordnetes Mauerwerk, originale Rundbogenfenster und halb vermauertes Gemeindeportal in der Südwand des Schiffs.

Innenraum

Im Innern ist das Schiff mit einer Holztonne (um 1900), der Chor mit einer Querbalkendecke und die Apsis mit der üblichen Halbkuppel gedeckt. Der Apsisbogen und der recht breite Triumphbogen sind rundbogig. Eine Stufe führt zum Altarbereich in der Apsis hinauf, wogegen Schiff und Chor dasselbe Niveau haben. Auf der Nordseite der Apsis befindet sich eine Sakramentsnische. Die Ausstattung der Kirche ist bis auf eine Ausnahme neuzeitlich: An der Nordwand des Chores sind vier Schnitzfiguren angebracht, die von einem Altar um 1430 stammen: Maria als gekrönte Braut neben Christus thronend, seitlich Maria Magdalena und ein hl. Bischof. Bei der Renovierung von 1903/4 wurde die Kirche teilweise jugendstilig ausgemalt. Die Deckenbalken und der Triumphbogen erhielten feine Ornamentstreifen, die Fensterlaibungen rote Schablonenmalerei. Das Erscheinungsbild der Apsis als Ziegelbau rührt ebenfalls von solcher Malerei her. Die Butzenscheiben in den schmalen Fensterstreifen der Apsis stammen erst von der Renovierung von 1991.

Infobox


Adresse

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Empfohlene Route

Südwestliche Route

Offizielle Website

keine


Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

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